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Sport

Makkabi-Spiele - Sportfest und Treffpunkt

Bis Mittwoch finden in Wien die europäischen Makkabi-Spiele statt. Deutschland ist mit dem größten Team seiner Nachkriegsgeschichte mit von der Partie. Teilnehmen dürfen nur jüdische Sportler.

Logo der Makkabi-Spiele

Logo der europäischen Makkabi-Spiele in Wien

Seit drei Jahren bereiten sich die Wiener auf die größte jüdische Feier, die es in Europa gibt, vor. Durchgesetzt haben sich die Österreicher gegen St. Petersburg, Stockholm und Madrid. Oskar Deutsch ist Vize-Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Gleichzeitig hat er den Vorsitz für die European Maccabi Games 2011 (EMG) inne. Er ist stolz darauf, die große jüdische Veranstaltung in seine Heimat geholt zu haben und freut sich vor allem auf die "jüdische Nationalmannschaft" Deutschlands: "Die Deutschen sind Profis, fahren sogar vorher in ein Trainingslager, im Vergleich zu anderen Ländern brauchen die Deutschen unsere Organisationskraft weniger."

Deutsche Teilnehmer Außenseiter - aber nur sportlich

Erika Dienstl (Foto: dpa)

Erika Dienstl

Ein dickes Lob für die Deutschen. Vorbei sind die Zeiten als die deutsche Delegation bei der Eröffnung der ersten Nachkriegs-Makkabi-Spielen noch Angst haben musste, ausgebuht zu werden. Doch die Befürchtung erwies sich damals wie heute als unbegründet. Schließlich sieht der europäische Makkabi-Verband die jüdischen, deutschen Sportler auch als Teil der jüdischen Sportfamilie. Erika Dienstl, Edelfan der deutschen Makkabi-Delegation, bestätigt die friedliche Stimmung rund um die Spiele. Sie ist angesehene Sportfunktionärin und brachte im damaligen Deutschen Sportbund (DSB) die sportpolitischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel mit in Gang: "Ich freue mich mit nach Wien zu fahren. Auf eine gewisse Art ist es die Stimmung der olympischen Spiele…Freunde gewinnen, offen sein, aufeinander zu gehen, Spaß haben…"

Sportlich sind die Deutschen aber nur Außenseiter. Zu klein ist die Anzahl jüdischer Bürger nach dem Holocaust immer noch. Aber es gibt Hoffnung: Mit dem Schach-Nationalspieler Gregor Meyer hat Deutschland einen heißen Anwärter auf die Goldmedaille. Und er ist nicht alleine. Dank der Öffnung des deutschen Makkabi-Verbandes und dem jüdischen Zuwachs aus den ehemaligen Sowjetstaaten entsendet Deutschland die größte Delegation seiner Nachkriegsgeschichte. Generell ist die jüdisch-bürgerliche Turn und Sportvereinigung Makkabi in den letzten Jahren offener geworden um in der Gesellschaft mehr Akzeptanz zu erreichen. Auch wenn die Grande Dame unter den deutschen Sportfunktionärinnen sich wünscht, "dass sich der deutsche Makkabi-Verband noch etwas mehr in die deutsche Sportfamilie integriert". Bei den europäischen Makkabi-Spielen dürfen zwar nur Jüdinnen und Juden teilnehmen, doch im sonstigen Spielbetrieb dürfen auch Nicht-Juden mitspielen, bestätigt Alon Meyer, Vizepräsident von Makkabi Deutschland und Präsident von Makkabi Frankfurt: "Wir sind offen für alle Religionen und Menschen jeder Herkunft."

Rückhalt für Ausgestoßene

Vereinsschild von Makkabi Berlin (Foto: DW)

Wie hier in Berlin, gibt es in jeder größeren Stadt einen Makkabi-Verein

Mitten in der Wiener Gesellschaft sind die europäischen Makkabi-Spiele am 6. Juli eröffnet worden. Bis Mittwoch (13.07.2011) nehmen über 2200 Athleten aus Ländern wie Gibraltar, Israel, Deutschland, Frankreich oder Italien daran teil. Aber auch Ungarn ist mit von der Partie. Ein Land in dem der Antisemitismus derzeit ausgeprägter denn je scheint, werden die Magyaren hoffentlich wenigstens in Wien freundlich empfangen. Außer der Reihe dürfen auch Mexiko und die USA teilnehmen. Das hat Tradition: einer der erfolgreichsten Athleten der Makkabi-Spiele ist der weltberühmte amerikanische Ex-Schwimmer Marc Spitz.

In zwei Jahren finden übrigens die Maccabiah, die Makkabi-Weltspiele, statt. Traditionell ist dabei Israel Veranstalter. Dadurch wird auch die eigentlich zionistische Idee der Makkabi-Spiel deutlich: "Durch die Gründung der Maccabiah 1932 wollte man Juden aus aller Welt nach Palästina holen. Nicht nur für die Spiele, sondern auch um den Staat Israel aufzubauen", sagt Robin Streppelhoff, Experte für deutsch-israelische Sportbeziehungen an der Deutschen Sporthochschule in Köln. Mittlerweile sind die Spiele zur viertgrößten Sportveranstaltung der Welt gewachsen. Immerhin sind im Makkabi-Weltverband über 400.000 Mitglieder verzeichnet. Am 13. Juli sollen sich aber erstmal für die Wiener drei Jahre harte Arbeit ausgezahlt haben.

Und vielleicht ist ja auch Deutschland bald Gastgeber der europäischen Makkabi-Spiele. Damit deutsche Juden auch in Europa wieder als normal gelten.

Autor: Robby Hunke
Redaktion: Wolfgang van Kann