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Afrika

Making of: Dreharbeiten unter Extrembedingungen

Für unsere Serie über Terrorgruppen waren DW-Korrespondenten in den gefährlichsten Regionen Afrikas unterwegs. Ihre Sicherheit verdanken sie lokalen Kollegen.

Es sind unendlich lange fünfzehn Minuten, als unser Jeep mitten in der Wüste von Mali liegen bleibt. Wir sind auf dem Weg von Timbuktu nach Bamako, anderthalb Tage Reisezeit haben wir eingeplant. Und schon 100 Kilometer nach Timbuktu streikt der Motor. Ausgerechnet hier, auf dem gefährlichsten Abschnitt der Reise. Hier treiben Banditen und Islamisten ihr Unwesen, verschleppte Ausländer sind eine Menge Geld wert oder ein gutes Argument bei politischen Verhandlungen. "Risiko: extrem", schätzt ein renommiertes Sicherheitsunternehmen die Lage in diesem Gebiet ein.

Enge Zusammenarbeit mit lokalen Journalisten

Der Fahrer werkelt hektisch am Motor herum, Benzin läuft aus. Er ist Tuareg und trägt Turban. Wir auch - so fallen wir nicht allzu sehr auf. Ismail Dicko hilft dem Fahrer. Und er beruhigt uns. Er ist unser Mann vor Ort, arbeitet für uns als Stringer. Der Malier organisiert Interviews, übersetzt, kümmert sich um unsere Reiserouten. Er weiß, welche Straße wann sicher ist. Ohne ihn hätten wir die Reise auf dem Landweg niemals gewagt. Zwei volle Tage wird sie dauern, inklusive einer weiteren sechsstündigen Panne, gezählten neun Unfällen auf der Strecke.

Lokale Journalisten wie Dicko ermöglichen uns die reibungslose Arbeit in Krisengebieten. Gerade bei der Berichterstattung über islamistischen Terror werden wir als westliche Journalisten nicht als neutrale Berichterstatter wahrgenommen. Für extremistische Gruppen sind wir der Feind und ein lukratives Entführungsziel. Im Norden Malis wurden im November 2013 zwei französische Journalisten entführt und ermordet. Auch in Somalia kommt es immer wieder zu Entführungen und Anschlägen auf Reporter. Darum müssen wir bei der Einschätzung der Gefahrenlage häufig voll und ganz auf unsere lokalen Kollegen, ihr Urteilsvermögen und ihre - meist hervorragenden - Kontakte vertrauen.

Adrien Kriesch (rechts) und Jan-Philipp Scholz in Begleitung von lokalen Sicherheitskräften in Mogadischu, Somalia

Die DW-Reporter in Begleitung von lokalen Sicherheitskräften in Mogadischu, Somalia

Bedrohungen und Gewalt sind Alltag

Und manchmal auch auf unser Glück. Eine Woche nach unserem Dreh in Mogadischu explodiert nur wenige Meter vor unserem Hotel eine Autobombe, sechs Menschen kommen ums Leben. Nicht nur von Extremisten und Terroristen droht Gefahr. Auf dem Rückflug aus dem Nord-Osten Nigerias, wo wir eine Reportage über Boko Haram produziert haben, in die Hauptstadt Abuja kommt es bei der Landung fast zu einem fatalen Absturz.

Für uns sind die Reisen ein Risiko auf Zeit. Unsere Kollegen vor Ort leben permanent mit der Gefahr. In Mogadischu arbeiten wir mit einem Journalisten, der wegen der akuten Bedrohung bereits einige Jahre in Europa Schutz gesucht hatte. Er ist zurückgekehrt, um weiter über die Missstände in seinem Land zu berichten - deshalb nennen wir seinen Namen hier auch nicht. Er wird weiterhin von der islamistischen Gruppe Al-Shabaab bedroht. Er lebt in preiswerten Pensionen, zieht ständig um. Selbst seine Kopfbedeckung wechselt er täglich. Bloß keine Routine in den Tagesabläufen erkennen lassen, sonst wird man für die Terroristen zu leicht ausrechenbar.

Mut, der Respekt verdient

Die deutschen Korrespondenten mit dem nigerianischen Kollegen Ibrahim Abubakar bei Recherchen in Nordost-Nigeria

Die deutschen Korrespondenten mit dem nigerianischen Kollegen Ibrahim Abubakar bei Recherchen in Nordost-Nigeria

Auch im Nordosten Nigerias arbeiten viele Kollegen unter größter Gefahr. Ibrahim Abubakar in Yola, der für uns den Kontakt zur einer Bürgerwehr gegen Boko Haram herstellt, ist nach Überfällen der Terror-Sekte häufig einer der ersten Journalisten in den Dörfern. Erst vor wenigen Monaten wurde der Korrespondent des Haussa-Radioprogrammes der DW in Gombe von einem Soldaten bei seiner Arbeit verprügelt.

Diesen einheimischen Kollegen gilt nicht nur unser Dank für ihre gute Arbeit, sondern auch unsere höchste Anerkennung. Ohne sie wären unsere Berichte nicht möglich gewesen.