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Kultur

Maja Haderlap gewinnt Bachmann-Preis

Eigentlich wollte sie nie mitmachen, dann hat sie sich doch getraut und gewonnen: Die Österreicherin Maja Haderlap wurde am Sonntag mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet, einem der höchsten Literaturpreise.

Die Preisträger des Ingeborg-Bachmann-Preises 2011 (dapd)

"Im Moment fühle ich mich wie über den Wolken schwebend, es ist alles unwirklich", so die erste Reaktion von Maja Haderlap auf die Auszeichnung ihres Romans "Engel des Vergessens". Dabei hatte die Kärntner Slowenin schon oft im Zuschauerraum gesessen und applaudiert, wenn Autorenkollegen ihre Werke in Klagenfurt der Jury des Bachmann-Preises präsentierten. Aber selbst aus ihren Werken vorlesen? "Ich habe mir immer gedacht, dass ich da nie mitmachen würde", gibt die zurückhaltende Frau mit dem dunklen Lockenkopf zu. Kein Wunder, allzu oft hatte die Jury Texte im Anschluss an die Lesungen vernichtend zerrissen. Im Alter von 50 Jahren ließ sich Maja Haderlap dann doch überreden - und gewann prompt den renommierten Literaturpreis.

Ein Stück österreichische Geschichte

Maja Haderlap beleuchtet in ihrer Südkärntner Dorf- und Familiengeschichte den Widerstand der Slowenen gegen die deutsche Wehrmacht. Der Umgang mit der slowenischsprachigen Minderheit in Österreichs südlichstem Bundesland Kärnten sorgt bis heute für Debatten. Vor allem rechts-orientierte Gruppierungen versuchen sich mit Ablehnung und Ausgrenzung zu profilieren. Erst in der vergangenen Woche einigten sich die Parteien im Parlament nach jahrzehntelangem Streit auf eine Regelung zur Aufstellung zweisprachiger Ortstafeln.

Die Gewinnerin des Ingeborg-Bachmann Preises 2011, die oesterreichische Schriftstellerin Maja Haderlap, haelt am Sonntag (10.07.11) bei der Preisverleihung des 35. Ingeborg-Bachmann-Preises in Klagenfurt (Oesterreich) einen Strauss Blumen in den Haenden. Der Preis gilt als eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen im deutschsprachigen Raum und wird in Anlehnung an die oesterreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926 bis 1973) jaehrlich vergeben. Foto: Gert Eggenberger/dapd

Bachmann-Preis für Maja Haderlap

Die österreichisch-slowenische Vergangenheit sei zwar historisch, aber bisher kaum literarisch aufgearbeitet worden, erläuterte die Jurorin Daniela Strigl die Wahl der Jury. Maja Haderlap sei vor diesem Hintergrund ein "Glücksfall". Als makellos, präzise gearbeitet, poetisch und tiefgründig beurteilte die sonst so strenge Jury den Auszug "Im Kessel", den die Autorin aus ihrem Buch vorstellte. Der Roman "Engel des Vergessens" sei ein Stück österreichische Geschichte und ein Stück Geschichte Europas des 20. Jahrhunderts, lobte auch Österreichs Kulturministerin Claudia Schmied.

Hoffnung auf eine Bestseller-Karriere

"Das sind Geschichten, die mich mein ganzes Leben begleitet haben", erklärt Maja Haderlap, die auf Deutsch und Slowenisch schreibt. Ihre Familie spricht Slowenisch. Erst in der Schule lernte sie Deutsch. Schon als Kind begann sie zu schreiben, studierte später Theaterwissenschaften und Deutsche Philologie in Wien, arbeitete dann als Dramaturgieassistentin in Triest und Ljubljana. Seit 2007 ist sie Chefdramaturgin am Stadttheater Klagenfurt. Seit Anfang der 1990er Jahre gibt sie in Kärnten eine solwenischsprachige Literaturzeitschrift heraus. Jetzt kann sie sich über ein Preisgeld von 25 000 Euro freuen und auf eine Karriere als Schriftstellerin hoffen. Frühere Gewinner des Bachmann-Preises wie Ulrich Plenzdorf, Uwe Tellkamp oder Tilman Rammstedt konnten sich danach in der Verlagswelt und bei den Lesern durchsetzen.

Keine leichte Entscheidung

Bachmann-Preis Logo 2011 35. Tage der deutschsprachigen Literatur

In diesem Jahr hat sich die Jury spät festgelegt: Maja Haderlap setzte sich erst im vierten Wahlgang gegen den Deutschen Steffen Popp durch. Der in Berlin lebende Autor erhielt dann aber für seine Spurensuche in einem thüringischen Dorf den mit 10 000 Euro dotierten Kelag-Preis. Der mit 7500 Euro dotierte Preis des TV-Senders 3sat ging an die junge deutsche Autorin Nina Bußmann.

Bei den Zuschauern kam daneben besonders der Berliner Thomas Klupp an, der mit seinem Text "9to5 Hardcore" das Thema Pornografie im Universitätsbetrieb aufgriff. Klupp bekam denn auch den Publikumspreis. Maja Haderlaps Roman wird übrigens bei Wallstein verlegt und ist ab der kommenden Woche in den Buchläden erhältlich.

Autor: Gudrun Stegen (dpa)
Redaktion: Sabine Damaschke

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