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Alltagsdeutsch – Podcast

Mailmentoring

Viele Erstsemester beginnen ihr Studium an einer unbekannten Universität. Die Ruhr-Universität Bochum bereitet interessierte Schüler aus dem In- und Ausland mit ihrem „Mailmentoring“-Programm darauf vor.

Sprecher:
Die Zeiten, in denen man sich in Deutschland einfach an der Uni einschrieb, sind endgültig vorbei. Es gibt inzwischen immer vielfältigere Studiengänge, die Studienanforderungen sind anspruchsvoller geworden. Viele Hochschulen bemühen sich darum, die zukünftigen Erstsemesterstudenten schon während ihrer Schulzeit mit der Universität vertraut zu machen – etwa durch besondere Vorträge oder Kennenlerntage. An der Ruhr-Universität Bochum geht man noch einen Schritt weiter: Im sogenannten „Mailmentoring Plus“-Programm betreuen Studentinnen und Studenten jeweils zum Sommer- und zum Wintersemester interessierte Schülerinnen und Schüler – auch solche, die aus dem Ausland kommen. Der Begriff und die Bedeutung von „Mentoring“ geht übrigens auf die antike griechische Mythologie zurück. Mentes, ein Freund des verschollenen Odysseus, hilft dessen Sohn bei der Suche nach seinem Vater. Zur Betreuung in Bochum gehört auch, sich auf dem Universitätsgelände erst einmal zurechtzufinden. Ein Lageplan hilft. Etwas ratlos steht die 17-jährige Schülerin Annika davor. Ihre Mentorin, die Medizinstudentin Friederike, hilft:

Friederike / Annika:
„Also, hier haben wir den großen Campusplan. Wir stehen jetzt gerade hier. / Ja, und wo müssen wir jetzt gleich hin? / Wir gehen jetzt gleich hier in das Medizingebäude. Das ist hier mit MA abgekürzt. Da sind die Vorlesungssäle für die Mediziner drin und auch die Labore und Büros.“

Sprecher:
Nach dem Blick auf den Campusplan ist klar: Wer sich an der Ruhr-Universität Bochum zurechtfinden will, der muss gut zu Fuß sein. Denn zwanzig Fakultäten verteilen sich auf einem Gelände, das mehr als 49 Fußballfelder umfasst. An der Universität gibt es 153 Studiengänge und fast 37.000 Studierende. Annika möchte im nächsten Jahr gerne Medizin studieren. Friederike erklärt ihr, in welche Gebäude sie gehen muss. Die Mentorin und ihre sogenannte Mentee stehen schon seit einiger Zeit im E-Mail-Kontakt. Manche Frage konnte so vorab schon geklärt werden. Allerdings hat der direkte Kontakt vor Ort seine Vorteile, wie Friederike sagt:

Friederike:
„Im persönlichen Gespräch kann man halt oft viele Fragen noch viel besser klären, als das dann manchmal so schriftlich möglich ist. Aber das ist immer für beide Seiten, glaube ich, ’ne schöne Erfahrung, dann auch den Menschen hinter den E-Mails dann noch besser kennenzulernen.“

Sprecher:
Friederike, die im 10. Semester Medizin studiert, findet es gut, ihre Mentees persönlich kennenzulernen oder, wie sie sagt, den Mensch hinter den E-Mails kennenzulernen. Die Studentin gehört zu den erfahrenen Mentoren, da sie schon einige Schüler und Schülerinnen betreut hat. So kannte sie schon Fragen zum Medizinstudium wie diese:

Annika:
„Wie sieht’s aus mit Physik? Das habe ich zum Beispiel abgewählt. Ist das schlimm, dass ich das nicht mehr habe? Und wie komme ich zu dem Studium? Also, man hört ja immer von außerhalb viel: Ah, das ist alles so schwierig – und der NC. Und ob das wirklich alles so stimmt.“

Sprecher:
Annika ist sich unsicher, ob sie Physik für ihr Studium braucht, denn sie hat es in der Schule nicht mehr belegt. Sie hat es abgewählt. An deutschen Gymnasien kann man, abhängig von den Bestimmungen des jeweiligen Bundeslandes, bestimmte Fächer in der Oberstufe nicht mehr weiterführen. Was Annika und die meisten Schülerinnen und Schüler in der Regel allerdings am meisten beschäftigt, ist der sogenannte Numerus Klausus, der NC. Für die meisten Studienfächer gilt dieser Notendurchschnitt. Wer zum Medizinstudium zugelassen werden will, braucht im Abitur einen sehr guten Durchschnitt mit einer Eins vor dem Komma. An vielen Universitäten können die Bewerber schlechtere Noten allerdings durch Tests aufbessern – auch ein soziales Engagement oder Praktika sind vorteilhaft. All das hat Friederike ihrer Mentee Annika bereits vorab erklärt. Heute geht es darum, ihr zu zeigen, wo die Vorlesungen stattfinden, wie man die Bibliothek benutzt oder im Labor arbeitet.

Friederike:
„Wir sind jetzt hier in dem Labor, wo ich meine Doktorarbeit anfertige. Ich bin noch in der experimentellen Phase, das heißt, ich mach’ noch die Versuche, wo ich dann halt Daten bekomme, die ich dann hinterher auswerten werde. Es geht um die mechanischen Eigenschaften eines Proteins in Muskelzellen, was bei der Kontraktion eine Rolle spielt, und da soll ich eben die Kontraktionsgeschwindigkeiten messen an einzelnen Muskelfibrillen und da verschiedene Fragestellungen versuchen, zu beantworten.“

Sprecher:
Friederike forscht im Labor für ihre Doktorarbeit. Sie führt bestimmte Experimente durch, sie ist in der experimentellen Phase. Die Medizinstudentin will die Rolle eines bestimmten Eiweißmoleküls, eines Proteins, in den Muskelzellen, den Fibrillen, klären. Sie interessiert, welche Auswirkungen dieses Protein beim Anspannen von Muskeln, bei der Kontraktion, hat. Für Schülerin Annika ist es gar nicht so einfach, die medizinische Fachsprache zu verstehen. Doch einiges wird ihr klar, als sie die kleinen Muskelfasern durchs Mikroskop betrachtet. Die Arbeit im Labor findet sie richtig spannend und ist jetzt umso überzeugter, dass sie es unbedingt mit diesem Studium versuchen möchte. So wie Annika geht es in der Regel den meisten Mentees, beobachtet Magdalena Zomerfeld, die Koordinatorin für das „Mailmentoring“-Programm. Es gebe nur seltene Ausnahmen:

Magdalena Zomerfeld:
„Da[s] sind aber sehr wenige, die aufgrund des Kontakts zum Mentor oder zur Mentorin merken: ‚Okay, das ist nichts für mich.’ Das passiert durchaus auch, aber das sind, wenn wir pro Staffel gucken, vielleicht 10, 15 Prozent derjenigen, die sich tatsächlich umentscheiden würden.“

Sprecher:
Magdalena Zomerfeld erzählt, dass sich nur ein geringer Prozentsatz in den Teilnehmergruppen oder, wie sie sagt, Staffeln, nach dem Mentoring doch für ein anderes Studienfach entscheidet, sich umentscheidet. Die meisten Schüler wissen schon recht genau, was sie studieren möchten und dass sie dafür an die Ruhr-Universität kommen wollen. Aufgrund des großen Fächerangebots haben sich auch schon Schüler aus dem Iran oder Südamerika fürs „Mailmentoring“ beworben. Ein Besuch der Uni Bochum kam leider nicht zustande, wie Magdalena Zomerfeld berichtet:

Magdalena Zomerfeld:
„Das wär’ jetzt ’n Riesenzufall, wenn die Jugendlichen auch hier vor Ort gewesen wären, aber die haben eben per E-Mail sehr schönen Kontakt gehabt und haben sich eben allgemein über das Studium in Deutschland ausgetauscht und haben dadurch so ’ne kleine Idee davon kriegen können, worauf es ankommt, eben an ’ner deutschen Hochschule zu studieren.“

Sprecher:
Magdalena Zomerfeld benutzt beschreibende Adjektive, um das Gesagte zu verdeutlichen: wie zum Beispiel ein riesiger Zufall. Ein Riesenzufall ist etwas, was wirklich sehr überraschend passiert. Sofort wird klar, was sie meint. Das Interesse an dem Programm ist groß. Noch gibt es ein derart umfangreiches Angebot für Schülerinnen und Schüler laut Magdalena Zomerfeld nur an der Bochumer Ruhr-Universität. Eigentlich schade, meint Annika. Denn der Austausch mit Mentorin Friedrike hat sie in ihrem Vorhaben, Medizin zu studieren, richtig bestärkt.

Annika:
„Ja, ich denke, dass es auf jeden Fall anstrengend ist, aber da ich das gerne machen möchte, bin ich mir sicher: Wenn man sich dafür wirklich interessiert und es machen möchte, kann man das auch schaffen.“




Fragen zum Text

Mentor …
1. ist ein lateinisches Wort.
2. stammt aus der griechischen Mythologie.
3. ist ursprünglich ein Begriff aus der englischen Sprache.

Steht jemand im Rampenlicht, gibt es sprichwörtlich auch eine Person … dem Erfolg.
1. vor
2. hinter
3. neben

Treffen sich zwei Personen überraschend, kann die eine zur anderen sagen: …
1. „Was für eine riesige Begegnung. Ich wollte dir gestern schreiben.“
2. „Diese Riesenbegegnung hätte ich nicht erwartet.“
3. „Das ist aber ein Riesenzufall. Ich habe heute noch an dich gedacht.“


Arbeitsauftrag
Arbeitet in Zweiergruppen. Sucht euch einen Beruf, den ihr gerne ausüben möchtet. Einer von euch übernimmt die Rolle der Mentorin, des Mentors, der oder die andere die Rolle der oder des Mentee. Startet ein E-Mail-Mentoring, in dem Fragen rund um den möglichen Beruf gestellt und beantwortet werden.

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