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Katholische Kirche

Mailänder Kardinal Dionigi Tettamanzi gestorben

"Freude und Frieden" war sein Bischofsmotto. Der Oberhirte der Mailänder Diözese verband gediegene Theologie und politisches Engagement. Er war sogar als Papstnachfolger im Gespräch.

Kardinal Dionigi Tettamanzi, früherer Erzbischof von Mailand und einer der profiliertesten Kirchenführer Italiens, ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Nach Kirchenangaben erlag er im norditalienischen Triuggio einer Krebserkrankung.

Tettamanzi stand von 2002 bis 2011 an der Spitze der Mailänder Kirche. Sie ist mit rund fünf Millionen Katholiken die größte Diözese Europas und eine der bedeutendsten der katholischen Welt. Zuvor war er Erzbischof von Genua sowie Generalsekretär und Vizepräsident der Bischofskonferenz.

Ebenso konservativ wie sozial

Als Buchautor machte sich Tettamanzi über die Grenzen Italiens hinaus einen Namen. Er verstand sich auf ein breites Themenfeld: Grundlagen der Moral und Sexualethik, Ehe und Familie, bioethische Fragen.

Im Grunde vertrat er konservative Positionen, aber er wusste sie aus der Glaubenslehre der Kirche zu begründen und mit der Seelsorgepraxis zu verbinden. Und er legte sich mit den regierenden Rechtspopulisten in Norditalien an, indem er das Recht von Muslimen auf Moscheen verteidigte oder Roma und Migranten gegen Pauschalverurteilungen in Schutz nahm. Vor der Papstwahl 2005 galt der Kardinal als ein möglicher Nachfolger für Johannes Paul II.

Papst Benedikt und Dionigi Tettamanzi Erzbischof von Mailand (picture-alliance/dpa/dpaweb/G. Napolitano)

Der eine wurde Papst (Benedikt, links), der andere wäre es fast geworden (Tettamanzi)

Tettamanzi wurde am 14. März 1934 in Renate bei Mailand geboren. Er wurde 1957 von Kardinal Giovanni Battista Montini, dem späteren Papst Paul VI. (1963-1978), zum Priester geweiht. Nach der Promotion an der Universität Gregoriana in Rom und einigen Jahren als Seelsorger in seiner Heimat war er zwei Jahrzehnte lang Dozent für Moraltheologie am Priesterseminar von Venegono Inferiore. Zugleich lehrte er in Mailand Pastoraltheologie.

1998 erhob ihn der Papst in den Kardinalsstand, 2002 machte er ihn zum Oberhirten von Mailand. Zwei Jahre nach Erreichen der bischöflichen Altersgrenze von 75 Jahren, im Juni 2011, nahm Papst Benedikt XVI. Tettamanzis Rücktritt an.

jj/se (kna, radio vatikan)

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