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Kultur

Maidan: Reif fürs Museum?

Autoreifen, Molotow-Cocktails und Ziegelsteine – das Berliner Mauermuseum zeigt in einer neuen Dauerausstellung, wie sich Ukrainer auf dem Maidan den Weg in die Freiheit erkämpfen.

Am Checkpoint Charlie war der Kalte Krieg zum Greifen nah. Nun zeigt das Berliner Mauermuseum die Dauerausstellung "Majdan. Ukraine. Der Weg zu Freiheit" und erzählt von Ukrainern, die für eine moderne Ukraine kämpfen. Die Ausstellung ist überschaubar. Ein paar Dutzend Fotos, Kinderzeichnungen und Plakate, einige Bilder ukrainischer Maler. In den Vitrinen liegen Gegenstände, die schon aus den Fernsehberichten über den Maidan bekannt sind: Ziegelsteine, Autoreifen, Luftschutzmasken, selbstgebastelte Schutzwesten und Blechschutzschilde, Helme aus Stahl und Plastik, Schlagstöcke aus Holz und Eisenrohren und Molotow-Cocktails aus Bierflaschen. Alles echt, beteuern die Austeller, alles komme direkt vom Maidan.

Zeigen, wie es wirklich war

"Wir wollen den Deutschen zeigen, wie es wirklich war", sagt der Ausstellungs-Koordinator Sergej Fomenko im Gespräch mit der DW. "Vor allem aus Sicht der Künstler." In Kiew ist Fomenko besser bekannt als "Foma", so der Künstlername des Sängers. Er ist davon überzeugt, dass alle Kiewer Kulturschaffenden auf dem Maidan waren.

Der Vize-Chef der Kulturabteilung des ukrainischen Außenministeriums, Juri Nikitjuk, ist extra nach Berlin gereist, um die Ausstellung zu eröffnen. "Die Europäer sollen mehr über unsere ukrainische Seele erfahren - und das war der Maidan", sagt er. Er wolle sein Land in all "seiner Schönheit und seinem Drama" präsentieren und die Ukrainer vorstellen als "einfache und gutgläubige Menschen, die glücklich und friedlich mit all ihren Nachbarn leben möchten". Er habe aber noch ein weiteres Anliegen. Man wolle, so der Diplomat, der erschreckenden Welle der Desinformation und Propaganda in den russischen Medien, die auch teilweise die europäische Öffentlichkeit erfasst habe, etwas entgegensetzen.

Bilder der Ausstellung Majdan. Ukraine Der Weg zur Freiheit (Foto: DW/Olena Volkova)

Bilder vom Maidan

Igor Gaidai, dessen Fotos einen Großteil der Ausstellung bilden, meint, dass die Europäer nur eine sehr vage Vorstellung von der ukrainischen Realität hätten, und davon, wie brutal die Staatsmacht mit den Menschen umginge. Die Leute gingen auf die Straße, um ein System zu schaffen, das ein zivilisiertes Verhältnis zwischen den Bürgern und der Staatsmacht ermögliche, sagt der Fotograf.

Im Zug nach Sibirien

Die ukrainischen Künstler erlebten die Ereignisse der letzten Monate in ihrer Heimat auf unterschiedliche Weise. Der Regisseur Christian Jeregi, dessen Kurzfilme auch Bestandteil der Ausstellung sind, vergleicht die Ukraine mit einem Zug der unaufhaltsam Richtung Sibirien rollt. Doch plötzlich erwachen die Passagiere und beginnen, Fragen zu stellen: Müssen wir überhaupt dorthin? Sie beschließen den Zug anzuhalten und eine andere Richtung einzuschlagen. "Das Maß der Ungerechtigkeit war so extrem geworden, dass es einfach keine Möglichkeit gab, nicht auf dem Maidan zu sein", sagt der ukrainische Maler Matvej Vaisberg.

Maidan-Ausstellung soll aufklären

Die ukrainischen Künstler wollen ähnliche Ausstellungen in andere europäische Länder exportieren, nach Kanada, in die USA - und in den Osten der Ukraine. "Wenn der Krieg vorbei ist, kommt die Ausstellung in die Städte, deren Einwohner hinters Licht geführt wurden, zu den Menschen, die geglaubt hatten, das Ruder in Kiew hätten die übernommen, die sie hassen", sagt Fomenko. In Wahrheit aber habe es überhaupt keinen Hass auf dem Maidan gegeben. Fomenko erzählt von einer jungen Russin aus Moskau, die schon seit einigen Jahren in Kiew lebe und auch auf dem Maidan gewesen sei. "Sie hat alles selbst erlebt, doch weder ihre Mutter noch ihr Bruder in Moskau glauben ihrer Darstellung", berichtet Fomenko. Das sei eine menschliche Tragödie. Aber ist der Maidan schon reif fürs Museum? Ist die ukrainische Wende unumkehrbar? Fomenko ist davon überzeugt. Sein Land, sagt er, sei dabei, die totalitäre sowjetische Lebensweise endgültig zu überwinden.

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