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Kultur

Mahner, Warner, Brückenbauer: Paul Spiegel ist tot

Paul Spiegel, der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland ist tot. Er starb im Alter von 68 Jahren nach langer, schwerer Krankheit in Düsseldorf.

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Kein zweites öffentliches Amt in der Bundesrepublik bringt wohl ein solches Wechselbad der Gefühle mit sich: Paul Spiegel, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, waren die Anstrengungen seines Amtes anzusehen. Am Sonntag (30.4.) ist der oberste Repräsentant von mehr als 100.000 Juden nach langer, schwerer Krankheit im Alter von 68 Jahren gestorben. Als Nachfolger des von ihm hochverehrten Ignatz Bubis hatte der Düsseldorfer das Amt des Zentralratspräsidenten seit Januar 2000 inne.

Konzilianter Brückenbauer

Spiegel, am 31. Dezember 1937 geboren, war nicht nur Warner vor anti-semitischen Tendenzen und Mahner für eine kämpferische Demokratie, sondern auch konzilianter Brückenbauer zur nichtjüdischen Mehrheit. Er konnte sich im Januar 2003 über den Abschluss des ersten Staatsvertrages zwischen Zentralrat und Bundesregierung freuen. Ein weiterer Höhepunkt seiner Amtszeit war der erste Besuch eines israelischen Staatspräsidenten bei einer Synagogen-Eröffnung auf deutschem Boden. Doch immer wieder rissen öffentliche Äußerungen wie etwa das israel-kritische Flugblatt des FDP-Politikers Jürgen W. Möllemann schmerzhafte Wunden auf.

Eigene Kontur

Wie bei fast allen deutschen Juden war auch der Lebenslauf Spiegels von Schrecken und Erinnerung geprägt. Den NS-Rassenwahn überlebte er als Kind versteckt im besetzten Belgien. Nach dem Vorbild seines Vaters widmete er sich bald dem Aufbau eines jüdischen Gemeindelebens. Spiegel arbeitete von 1965 an als Redakteur und gründete 1986 auf Anregung des TV-Entertainers Hans Rosenthal eine Künstleragentur. 1993 wurde er zunächst Vizepräsident des Zentralrates. Nach dem Tod von Bubis trat er dessen Nachfolge an und gewann rasch eine eigene Kontur.

Paul Spiegel war verheiratet und hatte zwei Töchter. (wga)

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