1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Magin-Konietzka: "An künftige Generationen denken"

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung will den vielfältigen Einsatz der Bürger sichtbar machen und zum Mitmachen anregen. "Es soll Denkanstöße geben für zukunftsweisendes Handeln", sagt Projektleiterin Magin-Konietzka.

Deutsche Welle: Frau Magin-Konietzka, wozu brauchen wir einen Rat für nachhaltige Entwicklung?

Isolde Magin-Konietzka: Der Rat für nachhaltige Entwicklung ist ein Beratungsgremium der Bundesregierung. Ihm gehören 15 Mitglieder des öffentlichen Lebens an, die von der Bundeskanzerlin für je drei Jahre berufen werden: Zu den Aufgaben des Rates gehören Impulse zur Weiterentwicklung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, die Benennung von konkreten Handlungsfeldern und Projekten sowie Beiträge, um Nachhaltigkeit zu einem wichtigen öffentlichen Anliegen zu machen. In der Wahl seiner Themen und Aktionsformen ist der Rat unabhängig. Ergebnisse aus der laufenden Arbeit sind zum Beispiel der Deutsche Nachhaltigkeitskodex, Stellungnahmen zur Klimapolitik, zur Rohstoffpolitik und zur fiskalischen Nachhaltigkeit, zum Ökolandbau, die zivilgesellschaftlichen Projekte der Werkstatt N, der Strategiedialog zur nachhaltigen Stadtentwicklung mit Oberbürgermeistern, die Impulse Jugendlicher und junger Erwachsener zur kommunalen Nachhaltigkeit und zur deutschen Nachhaltigkeitspolitik sowie Beiträge zur "Green Economy".

Isolde Magin-Konietzka (Foto: Rat für Nachhaltigkeit)

Isolde Magin-Konietzka wirbt für Nachhaltigkeit

Was ist Ihre Aufgabe?

Meine Kolleginnen und Kollegen in der Geschäftsstelle des Nachhaltigkeitsrates und ich bereiten derzeit die Aktionstage und auch die Jahreskonferenz des Rates am 3. Juni vor.

Den Gedanken einer nachhaltigen Entwicklung fest in politischen Entscheidungen und im gesellschaftlichen Handeln zu verankern, das ist unser Ziel. Die Beratung der Bundesregierung ist dabei eine Aufgabe, eine andere wichtige ist die Ansprache möglichst vieler gesellschaftlicher Gruppierungen, unter anderem mit Projekten wie den Deutschen Aktionstagen Nachhaltigkeit. Wir bringen wir uns auch ein in den Bereichen Wissenschaft und Bildung, beraten darüber, wie man Nachhaltigkeit in Bildung integrieren kann. Es gibt bereits Projekte in Schulen, wo Schülerinnen und Schüler als Stromdetektive eingesetzt sind und zum Stromsparen anleiten. Auch veranstalten wir Dialoggespräche, zum Beispiel mit Oberbürgermeistern und Kommunalpolitikern zum Thema nachhaltige Stadtentwicklung. Hier bieten wir dann eine Plattform zur Vernetzung und zum Austausch relevanter Themen.

Wie definieren Sie nachhaltige Entwicklung?

Heute nicht auf Kosten von morgen, hier nicht auf Kosten von anderswo. Nachhaltig leben heißt, an die Lebensgrundlagen auch künftiger Generationen zu denken, das eigene Handeln zu reflektieren und zum Beispiel durch bewusste Ernährung, Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und umweltfreundlichen Reisen den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren. Anders konsumieren, ohne Lebensqualität zu verlieren.

Tiny Houses: Mini-Häuser in den USA (Foto: Andrew Heben)

Reicht ein Mini-Haus zum Leben?

Warum ist Nachhaltigkeit so wichtig?

Das, was wir Menschen als wichtig erachten, wie gesundes Leben und eine intakte Umwelt, müssen wir für die nachkommenden Generationen bewahren. Die Weltbevölkerung verbraucht mit ihrem aktuellen Konsumverhalten und Lebensstil derzeit Ressourcen von zweieinhalb "Erden", das muss sich ändern, und alle können mitwirken.

Deutschland und andere europäische Staaten arbeiten inzwischen aktiv daran, nachhaltiges Handeln in das Bewusstsein der Gesellschaft zu bringen. Dies zeigt sich auch in den Budgets der Bundesministerien. Auch hat die Bundesregierung die Initiative "Gutes Leben" gestartet. Die Politik führt mit Bürgerinnen und Bürgern einen Dialog zum Verständnis von Lebensqualität. Auf dieser Basis sollen ein Indikatorensystem und ein Aktionsplan entwickelt werden.

Noch bis zum 5. Juni wollen Sie bei den "Aktionstagen Nachhaltigkeit" für nachhaltiges Leben und Handeln werben und somit der breiten Masse das Spektrum ins Bewusstsein rücken. Auf welche Weise wird das geschehen?

Leere Gläser in einer Papiertüte (Foto: DW)

Gläser - durchaus wiederverwendbar

Der Rat für Nachhaltige Entwicklung hatte anlässlich der Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro erstmals 2012 einen "Deutschen Aktionstag Nachhaltigkeit" ins Leben gerufen. Ziel war und ist es, nachhaltiges Handeln in den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen sichtbar zu machen und die öffentliche Wahrnehmung und Unterstützung für das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung zu fördern. In diesem Sinn richten sich die Aktionstage an Privatpersonen, Vereine, Verbände, Schulen, Stadtwerke, Ministerien.

Insgesamt sind bisher deutschlandweit mehr als 1000 Veranstaltungen und Initiativen auf der Internetseite des Rates eingetragen. Jeder kann mitmachen. Das reicht von sozialen Angeboten wie Umsonstmärkten oder Tauschbörsen für Kleidungsstücke oder Spielzeug, bis zu Umweltverbänden, die Tipps zum Natur- und Artenschutz geben, wie zum Beispiel der Bedeutung von Blumeninseln für Schmetterlinge und Bienen, sogenannte Schmetterlingsinseln. Fragen über Integration, nachhaltigen Konsum, Bauen, Wirtschaften, Klima, Energie, Stadtentwicklung und soziale Gerechtigkeit werden angesprochen und in interessanten Projekte umgesetzt.

Isolde Magin-Koniertzka hat Chemie-Ingenieruwesen studiert und ist als wissenschaftliche Referentin in der Geschäftsstelle des Rates für Nachhaltige Entwicklung beschäftigt. Zuvor war sie in der Umweltverwaltung tätig. In der Organisation arbeiten auch Betriebswissenschaftler, Theologen, Sozialwissenschaftler, Argarwissenschaftler und Geographen.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links