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Wirtschaft

Mageres Geschäft für Terrorversicherer

Nach 9-11 wurde der deutsche Versicherer Extremus gegründet. Die weltweite Bedrohung durch den internationalen Terrorismus versprach ein gutes Geschäft. Die Bilanz ist eher nüchtern.

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Verletzte nach dem Anschlag in London

Nach dem 11. September 2001 erschien der damaligen deutschen Regierung und den Versicherungsunternehmen die Schaffung einer Versicherung gegen Terrorschäden unerlässlich. Doch reißenden Absatz fanden die neuen Verträge der Gemeinschaftsgründung Extremus nicht gerade. Nüchtern fällt die Bilanz des Terrorversicherers Extremus auch in diesem Jahr aus. Der Vorstandsvorsitzende Bruno Gas räumt ein, dass er selbst darüber überrascht war. Aber: "Die Terrorversicherung ist inzwischen eine Basisdeckung geworden bei einem bedeutenden Kundenkreis."

Vermögenswerte ab 25 Millionen Euro können Unternehmen bei Extremus gegen Terrorschäden versichern. Was darunter liegt, wird von den normalen Feuerversicherungen abgedeckt. Mehr Geld in Extremus-Policen investiert zurzeit vor allem die Immobilienbranche. Industrieunternehmen hingegen - die bisher größte Kundengruppe - stecken immer weniger Euros in die Terrorversicherung. Weitere wichtige Kunden sind Tourismus, Verkehr und Finanzindustrie.

Keine Panik nach Anschlägen von London

Nach Ansicht von Gas nimmt die "gefühlte Bedrohung" zu. Der Karikaturenstreit habe gezeigt, wie schnell ein Land - in diesem Fall Dänemark - in den internationalen Fokus rücken kann. Dass auch in Deutschland akute Terrorgefahr herrscht, scheinen genau 1109 Unternehmen zu denken - so viele Verträge hatte Extremus 2005 laufen. Das sind gerade 39 mehr als im Jahr 2004.

Auch die Anschläge von London im Juli 2005 haben nicht zu Panikabschlüssen der deutschen Unternehmen geführt. Nur 64 neue Unterschriften wurden über den Sommer unter Extremusverträge gesetzt. Die absoluten Einnahmen aus den Versicherungsprämien sind 2005 sogar gesunken. Statt 77,5 Millionen Euro wie im Jahr 2004 nahm Extremus 2005 nur noch 60,2 Millionen Euro ein. Der Grund: Vor allem den großen Kunden ist die Prämie zu hoch. Statt der bisherigen Prämie von 0,15 Promille nutzen sie die neugeschaffene Möglichkeit ihre Prämie zu senken. Dafür nehmen sie das Risiko eines höheren Selbstbehalts in Kauf.

Staat füllt Lücke

Diese Gelassenheit teilen die Versicherer übrigens nicht. "Es ist nach wie vor sehr schwer, Rückversicherungen für zwei Milliarden Euro auf den internationalen Märkten für die deutschen Terrorrisiken einzukaufen", sagt Gas.

Die Lücke zwischen der gefühlten Bedrohung der deutschen Unternehmen und der kalkulierten Risikobereitschaft der Rückversichererer füllt der Staat aus. Am 8. Juli, einen Tag nach den Anschlägen von London, hat die Regierung ihre Haftung über 8 Milliarden Euro erneuert.

Für das sicherheitspolitisch so heiß diskutierte WM-Jahr hat die Versicherung ihre Kalkulation übrigens nicht geändert. Die fünf WM-Stadien, die Kunde von Extremus sind, bleiben zu den gleichen Bedingungen versichert wie 2005. Nur wer sich ausschließlich für das Sportereignis versichern will, muss tiefer in die Tasche greifen. Der WM-Tarif kostet für zwei Monate 55 Prozent der üblichen Jahresprämie.

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