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Wirtschaft

Magere Renditen belasten Stiftungen

Niedrige Zinsen für Anlagen, die nicht einmal die Inflationsrate ausgleichen, machen nicht nur Sparern und Lebensversicherungen das Leben schwer. Auch Stiftungen und ihre Projekte sind betroffen.

Auch wenn die Inflation in Deutschland mit 1,7 Prozent derzeit nicht hoch ist - sie kann durch die 1,1 Prozent Zinsen, die Bundesanleihen im Schnitt abwerfen, nicht ausgeglichen werden. Dementsprechend bereitet die historisch ungewöhnliche Situation mit Niedrigstrenditen sowohl kleinen als auch großen Investoren, die Vermögen anlegen, Kopfzerbrechen. Dazu zählen auch Stiftungen, die in Deutschland nach Branchenschätzungen über ein Vermögen von deutlich mehr als 100 Milliarden Euro verfügen. Sie sind per Gesetz zum Kapitalerhalt verpflichtet. Schütten sie dauerhaft weniger Erträge aus, könnte dies gerade die Schwachen der Gesellschaft treffen.

Sabine Reischmann macht sich Sorgen. Als Leiterin der Sonja- Reischmann-Stiftung, die ihre verstorbene Schwester 2004 gegründet hatte, engagiert sie sich ehrenamtlich für benachteiligte Kinder und Eltern in und um Ravensburg. Schuhgutscheine und Ferienfreizeiten finanziert die Stiftung zum Beispiel in der ländlich geprägten Region. Das Stiftungskapital von 3,4 Millionen Euro muss das Geld dafür abwerfen, und das wird immer schwerer. "Jetzt sind wir schon froh, wenn wir drei Prozent erwirtschaften", meint Reischmann. Die Zusagen für soziale Projekte mussten vereinzelt bereits reduziert werden. "Es geht leider nicht anders."

Bei manchen Stiftungen sprudeln die Einnahmen

Aber nicht alle Stiftungen sind betroffen. Diejenigen, die Geld aus den Gewinnen von Unternehmen erhalten, stehen angesichts der zuletzt guten Konjunktur in Deutschland nicht schlecht da. Doch gerade junge und kleinere Stiftungen treffen die seit Jahren sinkenden Renditen hart. Es sei zwar eine vergleichsweise "weiche Landung", sagt Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stiftungen. Doch sie komme zu einer ungünstigen Zeit, in der sich auch der finanzielle Spielraum von anderen Geldgebern wie Kommunen oder Kirchen immer mehr einengt. "Das bürgerschaftliche Engagement wird es schwerer haben, die nötigen Ressourcen zu bekommen", prognostizierter.

Stiftungenhaben in Deutschland die Vorgabe, ihren Kapitalstock zu erhalten. Zwar ist nicht eindeutig geklärt, ob dies den Schwund durch Inflation mit einbezieht oder nicht, doch besonders renditeträchtige und damit auch riskante Anlagen sind damit für die meisten Stiftungen tabu - was die Situation noch schwieriger macht. Der vermeintlich sichere "Klassiker" Staatsanleihen wiederum bringt inzwischen entweder zu wenig Zinsen oder ist - wie in den Fällen Griechenland oder Portugal - viel zu riskant geworden.

Stiftungen sollen Anlagevermögen streuen

Peter Anders, der für das Deutsche Stiftungszentrum die Vermögensanlage für rund 500 Stiftungen überwiegend in den Bereichen Wissenschaft und Bildung koordiniert, setzt auf eine breite Streuung des Vermögens, darunter auch in Aktien, festverzinsliche Wertpapiere aus Schwellenländern und Immobilien. "Doch vermeiden können wir den Renditeeinbruch auch nicht", räumt er ein. "Wir weisen die Stiftungen darauf hin, dass sie ihre Ausgabenpolitik behutsamer gestalten müssen."

Es gibt aber auch noch Alternativen. Wirft das eigene Kapital zu wenig Ertrag ab, können Stiftungen versuchen, mehr Kooperationen einzugehen oder zusätzlich Spenden zu sammeln. Auch Sabine Reischmann in Ravensburg geht diesen Weg: "Wir wollen mehr Geld von außen einwerben."

Trend zu neuen Stiftungsgründungen

Es gebe nicht nur Anlass zum Pessimismus, betont Verbandschef Fleisch. Der Trend zu neuen Stiftungsgründungen führe dazu, dass sich das Stiftungskapital in Deutschland in den nächsten 25 Jahren insgesamt verdoppeln könnte. Die Renditekrise zwinge Stiftungen, effektiver zu werden - sei es in der Verwaltung oder eben bei der Geldanlage. Zudem seien Stiftungen wortwörtlich für die Ewigkeit gegründet: Selbst wenn die Renditen noch eine Weile niedrig bleiben, dürfe dies nicht alles in den Schatten stellen, meint Fleisch. "Zehn Jahre sind für Stiftungen keine lange Zeit."