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Politik

Magere Halbzeitbilanz der Millenniumsziele

Die Vereinten Nationen haben im Jahr 2000 acht ehrgeizige Entwicklungsziele formuliert, die bis 2015 erreicht sein sollen. Jetzt ist Halbzeit und es zeigt sich: Von einem Erfolg kann nicht die Rede sein.

Eine Klasse von dunkelhäutigen Schülern, viele melden sich, im Hintergrund ist eine vollgeschriebene Tafel zu sehen.

Grundschulbildung für alle - eines der acht Milleniumsziele.

"Die Millenniumsziele sind nur Minimalziele", meint Jens Martens, Leiter des Europabüros des Global Policy Forums. Es könne nicht nur darum gehen, den Anteil der Menschen die von weniger als einem US-Dollar am Tag leben zu halbieren und zu glauben, dann seien die Probleme der Entwicklungsländer gelöst. "Sie zu erreichen kann wirklich nur ein Zwischenschritt sein."

Aber selbst vom Erreichen dieser Minimalziele ist die Welt noch weit entfernt. Im Jahr 2000 hatten sich die Vereinten Nationen auf acht Millenniumsziele geeinigt. Den Anteil der Menschen, deren Einkommen weniger als einen Dollar pro Tag beträgt, halbieren, die Kindersterblichkeit um Zweidrittel senken, allen Kindern eine abgeschlossene Grundschulbildung ermöglichen – nur drei der acht ehrgeizigen Zielen, die bis 2015 umgesetzt werden sollen.

Noch fehlt der Gesamterfolg

Anfang Juli stellte die UNO eine Halbzeitbilanz vor. Die Fortschritte fallen je nach Ziel und je nach Region sehr unterschiedlich aus. Der UN-Jahresbericht sieht aber Gesamterfolge noch in weiter Ferne. Besonders die steigenden AIDS-Raten und die sinkenden Entwicklungshilfebudgets der reichen Staaten werden kritisiert. UNICEF bemängelt auch die weiterhin hohe Kindersterblichkeit.

Trotz dieser Ergebnisse sieht Stephan-Klaus Ohme, Beauftragter für die Millenniumsziele beim Bundesentwicklungsministerium, den Zwischenbericht als Chance: "Man braucht so eine klare, detaillierte Darstellung, um voran zu kommen". Ob die Ziele erreicht werden, könne man nicht pauschal sagen. Es müsse stark nach Themen und Regionen differenziert werden. Die Armut in Afrika, die Kindersterblichkeit und AIDS seien eher problematisch, besser sähe es im Bildungsbereich aus.

Markus Loewe vom deutschen Institut für Entwicklungshilfe zieht eine durchmischte Bilanz. Es gebe aber durchaus positive Entwicklungen, beispielsweise was die Halbierung der extremen Armut oder den Zugang zu Trinkwasser angehe. Es sei möglich, alle Ziele zu erreichen: "Noch haben wir eine Chance, aber wenn die Entwicklung noch zwei Jahre so weiter geht, dann ist die Chance vertan".

Loewe bemängelt, dass die Regierungen der Entwicklungsländer und die der industrialisierten Länder getrennt voneinander agieren. "Man muss schon zusammen arbeiten", aber genau dafür böten die Millenniumsziele ja eine Chance. Ebenso wie er die Länder als Gemeinschaft sieht, betrachtet Loewe auch die Ziele selbst en bloc. "Die Ziele sind nicht von ungefähr so zusammengestellt worden. Man hat erkannt, dass keines davon isoliert erreichbar ist."

Regional große Unterschiede

Besonders düster fällt die Zwischenbilanz laut Loewe vor allem in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara aus. Hier sei es momentan unwahrscheinlich, dass überhaupt eines der Ziele erreicht werde. "Trotzdem sollte man nicht sagen, Afrika hat gar keine Chance, egal wie sehr es sich anstrengt." In einzelnen, auch sehr armen Ländern gebe es hervorragende Fortschritte, nur als Gesamtregion ist die Entwicklung in allen Zielen unzureichend.

Relativ positiv verlaufe die Entwicklung hingegen in Südost- und Ostasien. In dieser Region sei das erste Ziel, die Reduzierung der Armut, bereits realisiert und auch die Bildungs- und das Trinkwasserziele könnten erreicht werden. "Problematisch sieht es in dieser Region mit der Bekämpfung von HIV/AIDS aus", schränkt Loewe ein. Die Zahl der Neuinfektionen und der Erkrankungen steige sogar weiter an.

Der Blick in die Zukunft

Eine globale Partnerschaft für Entwicklung, wie es Ziel acht beschreibt, und die ökologische Nachhaltigkeit aus Ziel sieben haben für den NGO-Vertreter Jens Martens eine besondere Bedeutung - vor allem mit Blick auf die Zukunft. Die Industrieländer hätten hier die Verantwortung, sich zu fairen Handelsbeziehungen, mehr Entwicklungshilfe und dem Abbau von Schulden zu verpflichten. "Ziel acht ist allerdings sehr vage formuliert und müsste, das ist eine unser Forderungen, erweitert und konkretisiert werden", betont Martens zusätzlich.

Der Klimawandel sei eine vollkommen neue Herausforderung an die Entwicklungspolitik in den nächsten Jahren: "Sei es dadurch, dass Wüsten sich weiter ausbreiten, sei es, dass es zu stärkeren Überflutungen kommt", nennt Martens einige Beispiele, um die Bedeutung von Ziel sieben zu unterstreichen. Diesen Ereignissen müsse man begegnen: "Und das kostet nicht nur Geld. Man braucht auch Ideen."

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