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Russland

Mafia-Kontakte des Ex-Rosneft-Chefs Eduard Chudajnatow?

In Deutschland wird über den russischen Ölkonzern Rosneft derzeit gesprochen, weil Altkanzler Schröder dort einen Posten im Aufsichtsrat beziehen soll. In Russland berichtet ein Senders über zweifelhafte Geschäfte.

Eduard Khudainatov (picture-alliance/dpa/Photoshot)

Ein Bild aus der Rosneft-Zeit: Eduard Chudajnatow beim Weltwirtschaftsforum 2011

Der private russische Pay-TV-Kanal "Doschd" (Regen) ist bekannt für seine Kreml-kritische Haltung und brisante Enthüllungen. Zuletzt hat der Sender, der auch Partner der DW in Russland ist, einen Ex-Chef von Rosneft, Eduard Chudajnatow, unter die Lupe genommen. Reporter von "Doschd" wollen ein gemeinsames Geschäft zwischen ihm und kriminellen Kreisen entdeckt haben. Die Spuren führen nach Sankt Petersburg. 

Firma Rosneft Deutschland GmbH - Chef Igor Setschin (DW/N. Jolkver)

Führt jetzt die Geschäfte von Rosneft: Vorstandsvorsitzender Igor Setchin

Rosneft beschreibt sich selbst als "Marktführer der russischen Ölbranche und weltweit größter Öl- und Gaskonzern". Das staatlich kontrollierte Unternehmen mit dem Motto "Zum Wohle Russlands" gründete im Mai eine Tochtergesellschaft in Berlin und kündigte Investitionen im dreistelligen Millionenbereich an, obwohl sie wegen der russischen Ukraine-Politik auf der EU-Sanktionsliste steht. Bald dürfte der SPD-Altbundeskanzler Gerhard Schröder im Rosneft-Aufsichtsrat sitzen. Schröder steht deshalb in Deutschland immer stärker in der Kritik. Der Vorstandschef von Rosneft Igor Setschin gilt als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er war früher unter anderem dessen stellvertretender Büroleiter. Auch Chudajnatow hatte alte Verbindungen zu Putin. Im Jahr 2000 habe er Putins Wahlkampfteam geleitet, so "Doschd".

Tambower Mafia und ein Grundstück bei St. Petersburg

Als Setschins Vorgänger stand der 56-jährige Chudajnatow Rosneft von 2010 bis 2012 vor. "Doschd" will aufgedeckt haben, dass der Unternehmer über ein kaum durchschaubares Geflecht von zypriotischen Offshore-Firmen Mehrheitsanteile (62,5 Prozent) an einer weitgehend unbekannten Firma namens "Fort" besitzen soll. "Fort" soll vor einigen Jahren ein rund 3600 Hektar großes Grundstück im Hafen von Primorsk bei St. Petersburg gekauft haben. Laut früheren Plänen sollte dort eine neue Ölraffinerie entstehen.

Dieses lukrative staatliche Grundstück hatte vorher einer anderen Firma gehört, die es zu einem Spottpreis gekauft haben soll. Deren Chefs sollen Verbindungen zu der sogenannten "Tambow Mafia" aus St. Petersburg haben. Die Gruppe war in den 1990er Jahren landesweit berüchtigt und auch in Ölgeschäfte involviert.

Primorsk Hafen Öllager Ölhafen Russland (Imago)

Ein Filetstück im Hafen von Primorsk weckte offenbar viele Begehrlichkeiten

Spuren in Spanien

Das Brisante ist, wem die restlichen Anteile von "Fort" gehören. "Doschd" behauptet, es handele sich um eine weitere Offshore-Firma mit Verbindungen zur Tambow Mafia. Der Sender erwähnt namentlich einen gewissen Geschäftsmann Ilja Traber. Medienberichten zufolge wird Traber zusammen mit einem Dutzend russischer Geschäftsleute seit 2016 von spanischen Behörden wegen Verbindungen zu Tambow Mafia gesucht. "Auf der Grundlage der vorhandenen Daten kann man behaupten, dass das Aktiv (die Firma "Fort", Anmerkung der Redaktion) zwischen Chudajnatow und der Umgebung von Traber aufgeteilt wurde", so die Bilanz von "Doschd".

Ein weiteres pikantes Detail: An der Firma "Fort" soll früher laut "Doschd" der Geschäftsmann und Bankier Nikolaj Schamalow beteiligt gewesen sein. Sein Sohn Kirill Schamalow ist russischen Medienberichten zufolge Ehemann einer der Putins Töchter.

In Spanien wird seit Jahren gegen die russische Mafia unter anderem wegen Geldwäsche ermittelt. 2008 wurden rund 20 mutmaßliche Mitglieder der Tambow Mafia in Spanien festgenommen. Als die spanische Justiz 2016 Haftbefehle gegen weitere zwölf Russen erlassen hatte, darunter Traber, war auch ein Abgeordneter des russischen Parlaments auf der Fahndungsliste.

Orden von Putin

Über Chudajnatows Reaktion auf den "Doschd"-Bericht ist bisher nichts bekannt. Er war zuletzt Eigentümer eines anderen Öl-und Gasunternehmens und bekam im März von Putin einen Orden verliehen. Die Begründung: für Verdienste bei der "Stärkung der russischen Stellung" auf dem globalen Energiemarkt und für ein besseres Investitionsklima.

Die Moskauer Wirtschaftszeitung "Wedomosti" berichtet am Freitag, Chudajnatow und die chinesische Firma China Energy könnten demnächst als neue Aktionäre bei Rosneft einsteigen.  

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