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Korruptionsprozess in Rom

"Mafia Capitale"-Prozess: Überraschendes Ende

Hatte die Mafia auch Rom fest im Griff? Diese Frage sollte in dem aufsehenerregenden Prozess geklärt werden. Beim Urteil gegen den "Einäugigen" und seine Partner folgte das Gericht der Staatsanwaltschaft aber nicht.

Seit 2015 lief das spektakuläre Verfahren in der italienischen Hauptstadt; 46 Angeklagte standen vor dem Richter: Unterweltgrößen, Lokalpolitiker und Geschäftsleute. Laut Anklage sollen die "Mafia Capitale"-Mitglieder jahrelang die Vergabe öffentlicher Aufträge in Rom unter sich ausgemacht haben und gegen Schmiergelder lukrative Aufträge für ihre Firmen an Land gezogen haben. Unter anderem Flüchtlingsunterkünfte und die Müllversorgung der Stadt gehörten zu ihrem Geschäftsfeld.

Lange Haftstrafen für den "Einäuigen" und seinen "Geschäftspartner"

Als Kopf der Bande machten die Ermittlungsbehörden den frühere Rechtsterrorist Massimo Carminati - genannt der "Einäugige" aus. Die Richter verurteilten ihn zu einer 20 Jahre langen Gefängnisstrafe. Carminatis "Geschäftspartner", der Unternehmer Salvatore Buzzi, bekam eine Haftstrafe von 19 Jahren.

 Italien Prozess - Mafia Capitale - Festnahme von Massimo Carminati (picture alliance/dpa/Italien Carabinieri Press Officei)

Festnahme von Massimo Carminati, genannt der "Einäugige", im Dezember 2014

Allerdings hatte die Staatsanwaltschaft weit höhere Strafen gefordert: 28 Jahre für Carminati und 26 für Buzzi. Doch dazu hätten beiden Mafia-Delikte nachgewiesen müssen. Überraschender Weise fand das Gericht für diese Art von Delikten keine Hinweise.

Verteidigung jubelt über Urteil

Die Verteidigung feierte das fast wie einen Sieg: "Die Mafia in Rom existiert nicht", sagte Carminatis Anwalt, Giosuè Naso. Der 59-jährige Carminati sitzt derzeit im Hochsicherheitsgefängnis im norditalienischen Parma und ließ sogleich wissen, dass er dort nun entlassen werden müsse.

Italien Prozess - Mafia Capitale - Urteil (picture-alliance/dpa/AP/M. Percossi)

Das Gericht im "Mafia Capitale"-Prozess folgte der Forderung der Staatsanwaltschaft nicht

Der Korruptions-Skandal um die "Mafia Capitale" wirft immer noch Schatten auf die Politik der Hauptstadt und verfolgt auch die jetzige Bürgermeisterin Virginia Raggi, die seit einem Jahr im Amt ist. "Es ist eine sehr tiefe Wunde im Gewebe der Stadt Rom", sagte die Politikern der Fünf Sterne Bewegung nach der Urteilsverkündung, bei der sie dabei war. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

ww/fab (afp, dpa)

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