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Politik

Madrid 2004 und die Folgen

Die verheerenden Anschläge brachten den islamistischen Terror nach Europa. Die Abwägung zwischen Sicherheit und Freiheit ist schwierig geblieben.

Einer der zerfetzten Vorortzüge in Madrid (Foto: AP)

Strafe für Kriegsteilnahme? Einer der zerfetzten Vorortzüge in Madrid

Fast 200 Menschen werden getötet, als am 11. März 2004 Sprengsätze zeitgleich in mehreren Madrider Vorortzügen explodieren. Gut ein Jahr später, am 7. Juli 2005, sterben mehr als 50 Menschen in London nach Anschlägen auf U-Bahnzüge und einen Bus. Die Regierungen beider Länder unterstützen zum jeweiligen Zeitpunkt der Attentate den Irakkrieg von US-Präsident George W. Bush. Auch wenn die Anschläge unbeteiligte Pendler treffen, sehen viele Menschen darin eine Art Bestrafung durch Islamisten.

Auch Deutschland im Fadenkreuz

Einer der zerfetzten Vorortzüge in Madrid

Vom BKA veröffentlichtes Foto eines Verdächtigen des versuchten Zuganschlags in Köln

Andererseits wird auch Deutschland, das den Irakkrieg entschieden ablehnt, 2006 Ziel eines Attentatsversuchs. Die in Koffern versteckten Bomben in Regionalzügen explodieren jedoch nicht. Doch fest steht seit 2004, der islamistische Terror hat Europa erreicht - in einem Ausmaß, das viele zuvor nicht für möglich gehalten haben.

Der damalige deutsche Außenminister Joschka Fischer forderte nach Madrid, "wir müssen alles tun, um möglichst präventiv grenzüberschreitend agieren zu können. Wir dürfen uns vom Terrorismus nicht in die Knie zwingen lassen."

Muslime unter Generalverdacht

In der Folge beschlossen die EU-Staaten, dass Polizei- und Justizbehörden sowie Nachrichtendienste stärker zusammenarbeiten sollen. Außerdem wurde mit dem Niederländer Gijs de Vries ein Koordinator für Antiterrormaßnahmen ernannt. De Vries warnte unter anderem davor, in einem Klima der Angst alle Muslime zu verdächtigen. "Wir müssen gemäßigte Muslime ermutigen, sich zu äußern und klarzustellen, dass ihr Verständnis des Islam das richtige ist und nicht das einiger mörderischer Radikaler."

Bleiben die Bürgerrechte auf der Strecke?

Sicherheit gegen Freiheit: Passagierkontrolle am Flughafen (Foto: AP)

Sicherheit gegen Freiheit: Passagierkontrolle am Flughafen

Die deutlich verschärften Sicherheitskontrollen in den Flughäfen nahmen die meisten Europäer hin. Doch als die USA von Fluggästen aus der EU zahlreiche persönliche Daten forderten, ist für viele das Maß voll.

Überhaupt werden seit Beginn der Antiterrormaßnahmen zunehmend kritische Fragen gestellt - etwa, wer wie lange und welche Daten speichern darf, oder auch, wie stark ein Verdacht für verdeckte Ermittlungen sein muss. Ganz allgemein klagen Datenschützer und Bürgerrechtler, der Kampf gegen den Terror diene Behörden als Vorwand. Sie spionierten die Bürger in einem Maße aus, das unter normalen Umständen niemals geduldet würde. Auch dieser verschärfte Interessenskonflikt zwischen Sicherheit und Freiheit ist eine Folge der Anschläge in Europa seit 2004.

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