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Wirtschaft

Madoff unter Hausarrest gestellt

Der frühere Chef der New Yorker Technologiebörse Nasdaq und mutmaßliche Milliardenbetrüger Bernard Madoff muss nun eine elektronische Fußfessel tragen.

Bernard Madoff drängt sich durch eine Horde von Reportern (Foto: AP)

Muss Bernard Madoff ins Gefängnis?

Ein US-Bezirksgericht hat Hausarrest für den früheren Chef der New Yorker Technologiebörse, Bernard Madoff, angeordnet. Der 70-Jährige muss nun eine elektronische Fessel tragen und sich an eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 19 Uhr und 9 Uhr halten.

Die Kautionsauflagen seien am Mittwoch (18.12.2008) verschärft worden, weil Madoff nicht die geforderten vier Bürgen präsentiert habe, teilte ein Richter in New York mit. Nach seiner Festnahme vor einer Woche sei es Madoff trotz einer Verlängerung der Frist um 24 Stunden nicht gelungen, vier Bürgen für die festgesetzte Kaution in Höhe von zehn Millionen Dollar zu finden, erklärte Richter Gabriel Gorenstein.

20 Jahre Gefängnis drohen

Um Madoff vor dem Gefängnis zu bewahren, stimmte außerdem seine Frau zu, dass Besitztümer von ihr in New York und Florida als Sicherheit dienen und sie wie zuvor ihr Mann ihren Pass abgibt.

Madoff drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis. Die Ankläger werfen ihm vor, ein gigantisches Schneeballsystem aufgebaut zu haben. Das ist nun zusammengebrochen. Der Schaden für die Investoren beträgt ungefähr 50 Milliarden Dollar.

Betrugsgeschäfte blieben jahrelang ohne Folgen

Madoff hatte von gut betuchten Investoren Geld eingesammelt und ihnen einen horrende Rendite versprochen. Die hat er auch ausgezahlt, aber nicht aufgrund üppiger Gewinne, sondern indem er das Geld frisch angeworbener Investoren verteilte.

Dieses System hat jahrelang funktioniert, doch dann forderte ein Investor Anfang Dezember sieben Milliarden Dollar zurück. Damit geriet das Betrugssystem aus den Fugen.

Versäumnisse der US-Börsenaufsicht

Christopher Cox, Chef der Börsenaufsicht SEC, räumt Fehler ein. (Foto: AP)

Christopher Cox, Chef der Börsenaufsicht SEC, räumt Fehler ein

Madoff konnte sein betrügerisches System fast zwei Jahrzehnte lang betreiben. Zwar hatten seit 1999 Mitarbeiter der US-Börsenaufsicht SEC immer wieder Hinweise über Madoffs Machenschaften bekommen, aber sie sahen nie einen Grund, einzugreifen.

Der Chef der Börsenaufsicht, Christopher Cox, hat jetzt Versäumnisse zugegeben. Doch die Hintergründe müssten noch geklärt werden. Die SEC habe interne Ermittlungen gestartet. Die Kontrolleure sollen herausfinden, ob möglicherweise private Beziehungen zwischen einer Nichte Madoffs und einem früheren SEC-Mitarbeiter dazu geführt haben, dass die Börsenaufsicht "weggeguckt" habe.

Für die SEC kommt dieser Fall höchst ungelegen. Denn im Zuge der Finanzkrise ist sie sowieso schon massiv unter Druck geraten. Kritiker werfen der Behörde vor, dass sie auch im Fall Madoff zu wenig kontrolliert habe. Eine so enorme Schieflage der Banken hätte auffallen müssen, heißt es.

US-Kongreß schaltet sich ein

In den Milliardenskandal schaltete sich nun auch der US-Kongress ein. Gleich nach dem Jahreswechsel will das Repräsentantenhaus eine Untersuchung einleiten, ob die Aufsichtsbehörde versagt hat. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das einer größten Betrugsfälle in der Geschichte der Wall Street.

Die Anleger wissen nicht, ob sie jemals auch nur einen Teil ihres Geldes wiedersehen werden. Frank Lautenberg, der demokratische Senator des US-Bundesstaats New Jersey, hatte 14 Millionen Dollar seiner Wohltätigkeitsstiftung bei Madoff investiert. Auch Stephen Spielbergs Wunderkind-Stiftung hatte einen Großteil ihres Kapitals bei Madoff angelegt.

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