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Wirtschaft

Made in Puerto Rico

Puerto Rico ist spanisch und bedeutet "Reicher Hafen" – und für viele europäische Unternehmen ist die Insel in der Karibik tatsächlich ein attraktiver Produktions-Standort. Auch für das deutsche Unternehmen Sartorius.

Foto: Miriam Braun

Diese Fabrikhalle könnte überall auf der Welt stehen. Dass draussen die Sonne scheint und Palmen stehen, kann man in den sterilen Räumen nicht erahnen. Marcos López, Direktor von Sartorius Stedim auf Puerto Rico läuft durch die Abteilung Biowissenschaft. "Hier werden Monitore gefertigt, mit denen Kunden aus der Nahrungsmittelindustrie ihre Produktion überwachen", sagt er. Coca Cola oder auch Pepsi Cola sind Kunden von Sartorius und nutzen diese Monitore.

Das Gebäude der Sartorius-Niederlassung in Puerto Rico ©Sartorius AG

Die Sartorius-Niederlassung in Puerto Rico

Sartorius ist ein deutsches Unternehmen, das Labor- und Prozesstechnologien fertigt, sowohl für die Biotechnologie als auch für die Mechatronik. Die Kunden sind neben der Nahrungsmittelindustrie auch Pharma- oder Chemiefirmen. Sartorius Hauptstandort ist Göttingen in Niedersachen, aber nach mehr als 140 Jahren Firmengeschichte hat Sartorius inzwischen Standorte in rund 110 Ländern.

Hier auf Puerto Rico werden hauptsächlich Teile für Filteranlagen für den nordamerikanischen Markt hergestellt. "Das muss man sich vorstellen wie bei einem Kaffeefilter", erklärt Rainer Lehmann von der Sartorius Group Americas. "Man gießt was durch und auf der anderen Seite kommen nur bestimmte Produkte raus". Nach diesem einfachen Prinzip funktionieren auch die Hochleistungsfilter für die biotechnische Industrie.

Rechtssicherheit und niedrige Löhne

Seit über 30 Jahren besteht das Sartorius Werk auf Puerto Rico. Die Insel wird als US-amerikanisches Außengebiet regiert. Das gibt Unternehmen die rechtliche Sicherheit der USA, Löhne und Steuern sind jedoch attraktiver als auf dem Festland. Schon seit den siebziger Jahren sind viele Betriebe der Elektronikindustrie auf Puerto Rico ansässig, die unter anderem Halbleitertechnologien fertigen. In den 80er Jahren kam schließlich die Biotechnologie hinzu. "Sowohl unsere Mitbewerber als auch unsere Kunden sind auf der Insel versammelt", sagt Lehmann.

Die Altstadt von San Juan, der Hauptstadt Purto Ricos. Foto: Puerto Rico Tourism Company 2010

Puerto Ricos Hauptstadt San Juan

Unter jungen Puerto Ricanern ist es seit Jahren sehr populär, einen Ingenieurberuf zu erlernen. Rund 100 öffentliche und private Hochschulen gibt es auf der Insel, der Ausbildungsstandard ist hoch. "Der Wettbewerb um Jobs ist beängstigend", sagt Victor M. Merced von der Abteilung Förderung der Industrieentwicklung auf Puerto Rico. "Schon im Kindesalter kriegen Puerto Ricaner von ihren Eltern erklärt: Geh zu Schule und mach' eine ordentliche Ausbildung, dass du einen guten Job bekommst." 33.000 Studenten machen pro Jahr ihren Abschluss hier, das sei prozentual so viel wie nirgendwo sonst in den USA. Mehr als ein Drittel der Studenten schließt sein Studium in einem Ingenieurberuf ab.

Halb Europa auf Puerto Rico

Ob spanische, britische oder dänische Firmen – halb Europa ist auf Puerto Rico vertreten. Beispielsweise auch das französische Unternehmen Essilor. Die Firma ist international tätig und stellt auf Puerto Rico optische Linsen her. "Die Erfahrungen sind ausgezeichnet", sagt die Puerto Ricanerin Sobeida Irizarry, die schon seit einigen Jahren für Essilor arbeitet. Es mache keinerlei Unterschied, ob man für Amerikaner oder Europäer arbeite, denn alle wollen das Gleiche: "Die Besten sein", sagt sie lächelnd.

Autos vor gepflegten Häusern in San Juan. Foto: Miriam Braun

Puerto Rico ist ein Freistaat der USA. Es wird mit US-Dollar bezahlt und Staatsoberhaupt ist US-Präsident Barack Obama.

Rund 220 Mitarbeiter fertigen bei Essilor auf Puerto Rico rund sechs Millionen optische Linsen im Jahr. Die Konkurrenz der Wachstumsmärkte Indien und China dürfe man in den Bereichen Pharma-, Medizin- und Biotechnologien nicht unterschätzen, aber gerade für die Belieferung des amerikanischen Marktes blieben Standorte wie Puerto Rico wichtig, sagt Francois Deterre, Manager der Produktionsstätte. "Auch wenn viel Produktion nach Asien abwandert, sollte man mit Bedacht handeln und auch an Anlagen in der Nähe des Marktes festhalten."

Die Regierung bemüht sich, die Insel für ausländische Investoren attraktiv zu halten: Die Einkommenssteuer ist besonders niedrig. Dazu gibt es Steuererleichterungen, wenn Jobs geschaffen werden, in Forschung und Entwicklung investiert wird und lokale Produkte für die eigene Herstellung genutzt werden.

Reger Austausch mit Deutschland

Im 21. Jahrhundert sei es logistisch kein Problem mehr, weit weg auf einer Insel zu produzieren, meint Rainer Lehmann von der Sartorius Group Americas. Bei Sartorius finde trotz der großen Entfernung ein regelmäßiger Austausch zwischen dem Hauptwerk in Göttingen und dem Standort in Puerto Rico statt. "Jeden Monat ist jemand aus Deutschland hier oder ein Mitarbeiter von Puerto Rico in Deutschland, alleine um den Know-How-Transfer zu gewährleisten." So sei man auch auf einer Insel in der Karibik nicht abgeschnitten vom Rest der Welt.

Sartorius wird die Investitionsanreize der Insel-Regierung nutzen und plant, 17 Millionen US-Dollar in die Erweiterung des Werkes auf Puerto Rico zu stecken und damit 85 neue Jobs zu schaffen.

Autorin: Miriam Braun
Redaktion: Dirk Kaufmann