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Kunst

Made in Germany - Wie Künstler in Deutschland produzieren

2. Juni 2017

"Produktion. Made in Germany Drei" - noch vor der documenta will eine museumsübergreifende Ausstellung das Kunstpublikum nach Hannover locken. Dabei lenkt sie den Blick auf die Kunstherstellung in Deutschland.

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Eine Hand hält ein Smartphone. (c) Hito Steyerl
Bild: Hito Steyerl

Bis Kassel ist es nur eine Autostunde. Alle fünf Jahre erwacht die nordhessische Stadt aus dem Dornröschenschlaf und mausert sich zum Hotspot der globalen Kunstszene. In diesem Super-Kunstsommer - mit Biennaleund documenta, mit Skulpturenprojekten Münster und Art Basel - hält Hannover nun dagegen und präsentiert Teil drei seiner Ausstellungsreihe "Made in Germany". Wieder haben sich das Sprengel Museum,der Kunstvereinund die ehrwürdige Kestner-Gesellschaft zusammengetan. In ihrer Gemeinschaftsschau zeigen sie Arbeiten von 41 Künstlern und Künstlerkollektiven. "Wir wollen ein Schlaglicht auf die Kunstproduktion in Deutschland werfen", sagt Kuratorin Gabriela Sand, eine von sechs Machern der eine Million Euro teuren Ausstellung.

Keine Definition "deutscher Kunst"

Wie arbeiten Künstler heute in Deutschland? Welcher, gerade auch digitalen Mittel bedienen sie sich? Welche Rolle spielt die besonders hohe Dichte an Akademien, Kunst- und Kulturinstitutionen in Deutschland? Um solche Fragen kreist die Ausstellung. Das Ergebnis ist eine Bestandsaufnahme und Zustandsbeschreibung der neueren Kunst. "Kunst entsteht heute stärker in kollektiven Prozessen", sagt Carina Plath, die Vizecheffin des Sprengel Museums, "Die Künstler setzen sich mit den Bedingungen ihrer eigenen Produktion ebenso wie mit ihren Herstellungs- und Präsentationsorten auseinander." Was die Schau ausdrücklich nicht will, ist eine Definition nationaler deutscher Kunst.

Ausstellung Made in Germany Drei, Hannover
Menschen auf dem Laufsteg. Arbeiten des niederländischen Konzeptkünstlers Willem de Rooij sind in der Ausstellung "Produktion. Made in Germany Drei" vertreten.Bild: Willem de Rooij

So hat etwa der in Berlin lebende Grieche Yorgos Sapountzis Skulpturen aus der Sammlung des Sprengel Museums zu einer Art Bühnenhow drappiert. "Ich bringe Kunstwerke verschiedener Zeiten in einen Dialog", sagt er gut gelaunt. Der Titel seiner auf Zeit angelegten Arbeit: "Nacktes Erbe: Wir brauchen Euch Alle". Die Künstlerin Schirin Kretschmann bestreute für ihre Arbeit "Physical" den Steinfußboden des Kunstvereins mit blauen Pigmenten, entfernte die Zwischendecke, um zusätzliches Licht einfallen zu lassen, und nahm so Einfluss auf die Wirkung des Ausstellungsraumes. Das Berliner Künstlerkollektiv "Das Numen" baute aus Orgelpfeifen eine raumgreifende Installation, die den Wind an 20 Wetterstationen weltweit in Klänge verwandelt. Der Deutsch-Amerikaner Timur Si Quin wirbt in einer Plakat-Installation für eine neue Weltreligion, deren Mythen helfen sollen, die umwälzenden Veränderungen des Globus zu bewältigen.

Ein Qualitätsversprechen

Unter den beteiligten Künstlern finden sich auch bekanntere Namen wie Julius von Bismarck, Amy Lien & Enzo Camacho, Hito Steyerl, der niederländische Konzeptkünstler Willem de Rooij oder auch der Fotograf Thomas Ruff. Ein Qualitätsversprechen ist "Made in Germany" allemal: Auch wenn die meisten der ausgewählten Künstler in Deutschland arbeiten, sind sie doch weltweit vernetzt. Viele kooperieren in Netzwerken und Kollektiven. Immer häufiger überschreiten Künstler die Gattungsgrenzen zu Theater, Schauspiel und Musik. Und nicht anders als in der zunehmend globalen und digitalisierten Welt der Warenströme wandelt sich auch hier das Produkt: die Kunst.