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Asien

"'Made in Germany' hat im Iran einen guten Klang"

Kommen die Atomverhandlungen mit den Iran zu einem Abschluss, werden die Wirtschaftsanktionen gelockert. Die Chancen für die deutsche Wirtschaft erläutert Helene Rang vom Nah- und Mittelost-Verein im DW-Interview.

Frau Rang, alle Welt schaut auf die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm. Viel steht auf dem Spiel. In erster Linie die Sicherheit der Region, aber eben nicht nur: Der Iran ist auch ein Markt von Millionen Menschen. Wie schaut die deutsche Wirtschaft auf die Möglichkeit einer Einigung im Atomstreit und damit einen Abbau der Wirtschaftssanktionen?

Deutsche Unternehmen hatten in der Vergangenheit traditionell gute Beziehungen mit iranischen Firmen. Nach Beendigung der Sanktionen werden diese sicherlich wiederbelebt werden. Der Iran ist mit seinen 80 Millionen Menschen ein besonders attraktiver Markt. Die Bevölkerung zeichnet sich durch sehr viele junge und gut ausgebildete Menschen aus.

Infografik Geplante Einschränkungen des iranischen Atomprogramms

Wie bereiten sich deutsche Unternehmen auf ein mögliches Ende der Sanktionen vor? Werden da schon Unternehmensrepräsentanzen in Teheran aufgebaut?

Der Nah- und Mittelostverein (NUMOV) hat als traditionell mit dem Iran verbundene private Organisation auch in den Zeiten der Sanktionen die Beziehungen gepflegt. Im Frühjahr 2014 kam beispielsweise der neue iranische Industrieminister mit einer großen Delegation nach Deutschland und zum NUMOV. Rund 300 Wirtschaftsvertreter waren anwesend. Im Mai 2014 hat der NUMOV eine kleine Delegationsreise nach Teheran organisiert. Im Dezember 2014 hat der NUMOV eine große deutsche Unternehmerdelegation mit fast 50 Teilnehmern nach Teheran organisiert. Das große Interesse von beiden Seiten war beeindruckend.

Viele deutsche Unternehmen bekamen eine Perspektive für neue Geschäfte. Viele Firmen hatten über all die Jahre ihre Repräsentanz in Teheran behalten. Neue Repräsentanzen sind besonders in diesem Jahr dazu gekommen. Im Mai 2015 hat der NUMOV wieder eine große Iran-Konferenz wieder mit fast 300 Teilnehmern durchgeführt. Wenige Tage später hat der iranische Ölminister Berlin besucht und es war hocherfreulich, dass er auch vom Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel empfangen wurde.

Gibt es bereits Aktivitäten iranischer Behörden, um deutsche Unternehmen und Investoren für das Land zu interessieren?

Bei den eben erwähnten Aktivitäten war immer auch die Trade Promotion Organization of Iran anwesend mit dem stellvertretenden Minister Afkhami. Außerdem waren Vertreter weiterer Organisationen vertreten wie etwa der Behörde für Erneuerbare Energien.

Es besteht sehr großes Interesse daran, deutsche Unternehmen beim Markteinstieg zu unterstützen. Hierbei ziehen verschiedene iranische Ministerien, staatliche Agenturen, Banken und Unternehmen, was Deutschland betrifft, gern an einem Strang. "Made in Germany" hat im Iran noch immer einen besonders guten Klang.

Der Iran und Deutschland haben traditionell sehr enge Wirtschaftsbeziehungen gepflegt. Haben inzwischen andere Spieler die durch die Sanktionen entstandenen Lücken gefüllt?

In den vergangenen Jahren haben Firmen aus Asien die Lücken zu füllen versucht. China war zeitweise der größte Handelspartner vom Iran. Nicht zu unterschätzen sind aber auch Aktivitäten anderer westlicher Länder. Das Wall Street Journal hat 2014 die offizielle Liste mit den erteilten Sanktionslizenzen vom US-Finanzministerium analysiert. Das Ergebnis: 296 Firmen haben so eine Lizenz für Geschäfte mit dem Iran erhalten. 75 % davon waren US-Firmen.

Was Deutschland anbelangt, so kann es zusätzlich festgestellt werden, dass uns iranische Firmen eine große Loyalität entgegenbringen.

Welche Sanktionen schädigen den Wirtschaftsaustausch aus Ihrer Sicht besonders stark?

Hier ist die Sperrung des Finanztransaktionsdienstes SWIFT das größte Hindernis. Internationale Finanztransaktionen sind dadurch fast unmöglich geworden. Dadurch werden legale Geschäfte schwierig und teuer. Dies sofort nach Aufheben der Sanktionen zu ändern, wäre aus meiner Sicht der erste und wichtigste Punkt.

Helene Rang ist Geschäftsführerin des Nah- und Mittelost-Vereins (NUMOV) in Berlin.

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