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Frankreich

Macron und Le Pen kämpfen um den Sieg

Nach der ersten Runde der Präsidentenwahl steht Frankreich vor einem Duell mit klaren Fronten: In die Stichwahl am 7. Mai haben es der europafreundliche Emmanuel Macron und die EU-feindliche Marine Le Pen geschafft.

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Frankreich: Macron und Le Pen in der Stichwahl

Frankreich schickt den parteilosen früheren Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und die Chefin des rechtsextremen Front National (FN), Marine Le Pen, in die Stichwahl um das Präsidentenamt.

Polit-Jungstar Macron holte in der ersten Wahlrunde am Sonntag mit 23,9 Prozent die meisten Stimmen. Platz zwei belegte Rechtspopulistin Le Pen, für die sich 21,4 Prozent der Wähler entschieden.

Emmanuel Macron (picture alliance / Christophe Ena/AP/dpa)

Feiert seinen Sieg: Emmanuel Macron

Debakel für die Sozialisten

Erstmals seit Jahrzehnten ist kein Kandidat der Sozialisten oder der bürgerlichen Rechten mehr in der Endrunde vertreten. Mit lediglich etwa sechs Prozent musste vor allem Benoît Hamon - der Kandidat der Partei des scheidenden sozialistischen Präsidenten François Hollande - eine herbe Wahlschlappe hinnehmen. Der lange als Favorit gehandelte Konservative François Fillon, der durch eine Scheinbeschäftigungsaffäre in die Tiefe gezogen wurde, verfehlte mit 20 Prozent der Stimmen ebenfalls die Stichwahl. Nur knapp hinter Fillon belegte Linkspartei-Gründer Jean-Luc Mélenchon Rang vier.

Fillon und Hamon riefen ihre Anhänger dazu auf, am 7. Mai für den Mitte-Kandidaten Macron zu stimmen, um eine Präsidentin Le Pen zu verhindern. "Es gibt keine andere Wahl, als gegen die Rechtsextreme zu votieren", sagte etwa Fillon. Auch Premierminister Bernard Cazeneuve betonte, nun gehe es darum, den Front National zu schlagen und sein "unheilvolles Programm eines Rückschritts Frankreichs und der Spaltung der Franzosen" zu verhindern.

"Ein neues Kapitel" für Frankreich

Le Pen selbst, die ihr Wahlergebnis als "historisch" bezeichnete, meinte hingegen: "Es ist Zeit, das französische Volk von den arroganten Eliten zu befreien, die ihm sein Verhalten vorschreiben wollen."

Marine Le Pen (picture alliance/AP Photo/F. Augstein)

Macron-Herausforderin: Marine Le Pen

Die 48-Jährige sprach von einer Entscheidung zwischen der "totalen Deregulierung ohne Grenzen und ohne Schutz" und "Grenzen, die unsere Jobs schützen, unsere Kaufkraft, unsere Sicherheit, unsere nationale Identität". Mit Macron, den sie als Erbe des amtierenden Präsidenten Hollande titulierte, würde sich nichts ändern: "Frankreichs Überleben steht auf dem Spiel", so Le Pen.

Das sieht Macron erwartungsgemäß anders: "Wir schlagen heute eindeutig ein neues Kapitel im politischen Leben Frankreichs auf", jubelte er 39-Jährige am Sonntagabend. "In einem Jahr haben wir das Gesicht der französischen Politik verändert", sagte Macron, dessen Bewegung "En marche!" (Vorwärts!) erst vor einem Jahr gegründet wurde. Jetzt wolle er "Präsident des ganzen Volks" werden und mit dem System brechen, "das unfähig sei, auf Probleme zu reagieren".

Am Sonntagabend kam es in Paris am Bastille-Platz und am Platz der Republik zu Ausschreitungen. Die Polizei hat in der Hauptstadt 29 Personen in Gewahrsam genommen. Bei Zusammenstößen zwischen der Polizei und linksradikalen Demonstranten seien zwischenzeitlich 143 Menschen vorläufig festgenommen worden, sagte ein Sprecher der Polizeipräfektur am Morgen. Sechs Polizisten und drei Demonstranten wurden leicht verletzt. Antifaschistische und antikapitalistische Gruppierungen hatten im Voraus mit Plakaten und Graffiti zu einer "Nacht der Barrikaden" am Wahlabend aufgerufen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort.

Unverhohlene Freude in Berlin

In Deutschland wurde Macrons Sieg in der ersten Wahlrunde mit Freude und Erleichterung aufgenommen. "Gut, dass Emmanuel Macron mit seinem starken Kurs für eine starke EU und soziale Marktwirtschaft Erfolg hatte", twitterte Steffen Seibert, der Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Macron sei "der einzige wirklich pro-europäische Kandidat" unter den elf Bewerbern gewesen, bilanzierte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel. "Ich bin sicher, er wird der neue französische Präsident."

Jüngste Umfragen geben Gabriel recht. Demnach dürfte sich Macron in der Stichwahl klar gegen Le Pen durchsetzen - mit einem Stimmenanteil von dann mehr als 60 Prozent.

wa/wo (dpa, afp, rtr)

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