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Aktuell Asien

Machtwechsel in Indien erwartet

Jetzt werden die Stimmen der Parlamentswahl ausgezählt. Der regierenden Kongresspartei droht ein historisches Tief. Ein Sieg wird der hindu-nationalistischen BJP prognostiziert, ihr Kandidat Modi als Premier gehandelt.

Noch nie haben bei einer demokratischen Wahl so viele Menschen abgestimmt wie bei der Wahl zum neuen Parlament in Neu Delhi. Mehr als eine halbe Milliarde Menschen wählten in den vergangenen fünf Wochen die Kandidaten für das indische Unterhaus. Auch die Beteiligung erreichte ein Rekordhoch: Sie lag nach Angaben der Wahlkommission bei 66 Prozent. Abgestimmt wurde mit Hilfe von elektronischen Wahlmaschinen, weswegen ein Endergebnis noch an diesem Freitag erwartet wird.

Hindu-Nationalist Modi neuer Regierungschef?

Laut Nachwahlbefragungen und Prognosen steuert Indien auf einen Regierungswechsel zu. Die Nationaldemokratische Allianz unter Führung der oppositionellen hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Partei (BJP) kann danach mit einer Mehrheit rechnen. BJP-Spitzenkandidat Narendra Modi (Artikelbild) wird bereits als neuer Premierminister gehandelt. Die bisher regierende Kongresspartei mit ihrem Spitzenkandidaten Rahul Gandhi muss sich dagegen auf herbe Verluste einstellen.

Das Kabinett des scheidenden Ministerpräsidenten Manmohan Singh hatte in den vergangenen Jahren viele Anhänger verprellt. Grund sind zahlreiche Korruptionsskandale und Missmanagement-Vorwürfe. Viele Wähler zeigten sich wütend über die hohe Inflation. Die Partei der Gandhi-Dynastie wird auch für die schleppende Wirtschaftsentwicklung in der nach wie vor von großer Armut geprägten drittgrößten Volkswirtschaft Asiens verantwortlich gemacht.

Anhänger Modis in Gujarat hoffen auf einen Sieg seiner BJP(Foto: UNI)

Anhänger Modis in Gujarat hoffen auf einen Sieg seiner BJP

Hindu-Mob-Massaker

Davon profitiert Modi, der sich als Regierungschef des Bundesstaates Gujarat in den vergangenen zwölf Jahren einen Namen als unternehmensfreundlicher Reformer und effizienter Verwalter gemacht hat. "Entwicklung", "Wandel" und "Investitionen" gelten als seine Lieblingswörter.

Der 63-jährige Hindu-Nationalist ist allerdings nicht unumstritten. Kurz nach seinem Amtsantritt in Gujarat tötete dort 2002 ein Hindu-Mob mehr als 1000 Menschen, die meisten von ihnen Muslime. Viele Kritiker werfen Modi vor, nicht genug gegen die Ausschreitungen unternommen zu haben. Modi wies die Vorwürfe stets zurück und auch eine Untersuchung des Obersten Gerichtshofs fand keine Hinweise, die eine Anklage gerechtfertigt hätten.

Doch auch Modis "Gujarat-Modell" steht nicht nur für Fabriken und Hochhäuser. Es steht auch für protestierende Bauern und eine tiefe Spaltung der Gesellschaft. In Ahmedabad, der größten Stadt des Bundesstaates, lebt die muslimische Minderheit in strikt abgegrenzten Ghettos.

se/kle (dpa, rtre, afp, ape)