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Wirtschaft

Machtwechsel bei DaimlerChrysler

Zehn Jahre stand er an der Spitze der DaimlerChrysler AG. Zum Jahresende gab der Vorstandsvorsitzende Jürgen Schrempp sein Amt ab - an den ehemaligen Chrysler-Chef Dieter Zetsche. Der gilt als harter Sanierer.

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Vorsichtig anfassen

Es war die größte Rückruf-Aktion der Mercedes-Geschichte: Im Frühjahr 2005 ruft der neue Mercedes Chef Eckhard Cordes insgesamt 1,3 Millionen Karossen mit dem Stern in die Werkstätten. Die Elektronik, die Bremsen, das Licht machen Probleme. Besonders betroffen: die E-Klasse, einer der wichtigsten Gewinnbringer des Unternehmens. Cordes musste handeln, nachdem die Medien voll waren von Taxifahrern, die sich über die schlechte Qualität ihrer Fahrzeuge beschwerten.

Rücktritt oder Rückzug?

Aber nicht nur die Fahrer, auch die Bosse waren sauer auf Mercedes. Immer mehr Meinungsführer in Baden-Württemberg stiegen auf Audi um - vor Jahren ein undenkbarer Vorgang. Letztendlich war es dann auch die Krise bei Mercedes, die für den überraschend schnellen Abgang des Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp im Sommer sorgte. Noch heute ist nicht ganz klar, ob Schrempp gehen musste oder freiwillig ging, wie er behauptet: "Der Aufsichtsrat und ich sind übereingekommen, dass dies der optimale Zeitpunkt ist für einen Wechsel", sagte er seinerzeit.

Rücktritt oder Rückzug - die Wahrheit liegt wohl dazwischen. Tatsache ist, dass der Mann, der zehn Jahre an der Spitze des Konzerns stand, überraschend wenig Rückhalt hatte. Die Börse bejubelte den Abgang. Die DaimlerChrysler-Aktie machte einen Freudenhüpfer um zehn Prozent nach oben. Die Mitarbeiter, die ihrem Chef in das Abenteuer Welt AG folgten, waren am Ende enttäuscht. "Am Anfang war es gut, aber es wurde immer schlimmer", sagte einer.

Schrempps Traum: Die Welt AG

Daimler kauft Chrysler

Daimler kauft Chrysler: das war Schrempps Traum

Die Welt AG - das war der große Traum des Jürgen E. Schrempp. Unbemerkt von der Öffentlichkeit fädelte Schrempp mit einer Hand voll Vertrauten die Fusion mit Chrysler ein. Nur kurze Zeit später die Beteiligung an Mitsubishi. Doch das böse Erwachen kam rasch. Chrysler entpuppte sich als Sanierungsfall, bei Mitsubishi war die Lage noch schlimmer. Schrempp musste harte Schnitte verkünden: "Den Abbau von 9.500 Arbeitsplätzen, die Verringerung von Plattformen, den Komponentenaustausch und gemeinsame Elektronikarchitekturen sowie auf der Marktseite eine Qualitäts- und, sehr wichtig, eine Glaubwürdigkeitsinitiative."

Unbeirrt ging der Mann, den sie auch Rambo nannten, seinen Weg weiter. Bis die Krise bei Mercedes angekommen war. Der Boxer geriet ins Straucheln. Mit letzter Kraft sicherte Schrempp den Beschäftigten in Deutschland ihre Arbeitsplätze bis 2012. Für diesen Beschäftigungspakt werden ihm die Mitarbeiter noch dankbar sein, denn der Neue ist ein Sanierer.

Zetsche - ein Kommunikationstalent

Dieter Zetsche, fuer Chrysler zustaendiges Vorstandsmitglied der DaimlerChrysler AG

Dieter Zetsche will Daimler wieder wettbewerbsfähiger machen

Dieter Zetsche, der Mann der bei Chrysler 26.000 Stellen gestrichen hat, wird neuer DaimlerChrysler-Chef. Seine erste Amtshandlung: Er versucht trotz Beschäftigungsgarantie 8.500 Jobs abzubauen - mit Abfindungen, mit Vorruhestandsregelung. Seine Begründung: "Um wieder voll wettbewerbsfähig zu werden, sind große Produktivitätsverbesserungen Pflicht, und zwar von A bis Z, denn unsere Kosten liegen in vielen Bereichen über denen der besten Wettbewerber", sagt Zetsche.

Nicht nur, dass Mercedes zu teuer produziert: Rivale BMW verkauft auch noch mehr Autos und das Vertrauen in die Luxusmarke muss erst wieder hergestellt werden. Doch der Neue ist ein Kommunikationstalent, er redet mit jedem, Chefallüren sind ihm fremd. Sein Motto: "Darüber hinaus heißt mehr Erreichen auch: kein Fingerzeigen bei Fehlschlägen oder zeitraubende Rechtfertigungen. Hier gilt künftig wie im Sport: Aufstehen, weiter geht's, und zwar im Team."

Auch sportlich soll ein neuer Fahrer Erfolge bringen. Formel Eins-Weltmeister Fernando Alonso soll Mercedes bei der Formel Eins zum Sieger machen. Nicht jeder im Konzern hat allerdings dafür Verständnis, dass der 24-Jährige für vier Jahre 80 Millionen Euro bekommt.

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