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Europa

Machtlos gegen den Terror?

Am Dienstag (7.9.) versammelten sich in Russland Hunderttausende zu Antiterror-Demonstrationen. Im TV wurde ein Video der Geiselnahme ausgestrahlt. Es dokumentiert die Grausamkeit und Entschlossenheit der Terroristen.

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Das Volk geht auf die Straße


Allein in Moskau kamen am Dienstag 130.000 Menschen zu einer von den Gewerkschaften organisierten Großdemonstration zusammen. "Mit Terroristen nur mit Kugeln verhandeln!" oder "Gegen Kinder kämpfen nur Schufte und Feiglinge!" stand auf den Spruchbändern. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde Putin aufgefordert, "alles Nötige und Mögliche zu unternehmen", um den Terrorismus im Land effektiver zu bekämpfen. Der Terrorismus müsse "in die Knie gezwungen und vernichtet werden".

Russische Medien reagierten mit Ironie auf die von oben verordnete Kundgebung. Die Zeitung "Iswestija" titelte auf der ersten Seite: "Das Treffen wird sich nicht gegen die Regierung richten" und kommentierte, die Botschaft der Organisatoren sei klar: "Keine kritischen Fragen an die Regierung, nur an sich selbst."

Video der Geiselnahme aufgetaucht

Terroristen filmten Geiselnahme

Ausschnitt aus dem Video

Vier Tage nach dem blutigen Ende des Geiseldramas in Beslan hat ein russischer Fernsehsender ein Terroristenvideo aus der Turnhalle der Schule gesendet. Auf dem vom halbstaatlichen Kanal NTW am Dienstag (7.9.2004) gezeigten Film ist zu sehen, wie die Geiselnehmer vermutlich wenige Stunden nach dem Überfall inmitten der gefangenen Menschen Sprengfallen in der Halle installieren. Die Kamera schwenkt über eine große Menschenmenge in der Halle. Von Panik sei nichts zu spüren, kommentierte NTW die Aufnahmen.

Der Sender machte keine Angaben, wie diese Bilder in seinen Besitz gelangten. Zu sehen ist auch eine der in schwarz gekleideten Selbstmord-Attentäterinnen, die einen Sprengsatz und eine Pistole in den Händen hält.

Putin bleibt unnachgiebig

Trotz der anhaltenden Kritik am Vorgehen der Behörden wandte sich Präsident Putin gegen eine öffentliche Untersuchung der Geiselnahme und ordnete stattdessen eine interne Prüfung an. Wenn das Parlament ebenfalls eine Untersuchungskommission einrichten wolle, habe er nichts dagegen, solange keine "Politshow" daraus werde, zitierte ihn die britische Zeitung "The Guardian". Eine Untersuchung durch das russische Parlament würde nur in einem "politischen Spektakel" enden, hatte Putin am Montagabend ausländischen Korrespondenten erklärt.

Gleichzeitig lehnte er Verhandlungen mit tschetschenischen Rebellen ab, die nach Ansicht Moskaus für die Tat von Beslan verantwortlich sind. "Warum treffen Sie nicht Osama bin Laden, laden ihn nach Brüssel ein oder ins Weiße Haus und verhandeln mit ihm, fragen ihn, was er will und geben ihm alles, so dass er Sie in Ruhe lässt?", sagte Putin. "Niemand hat das moralische Recht, uns zu sagen, wir sollen mit Kindermördern reden."

Jene, die Russland zu Gesprächen mit den Rebellen aufriefen, hätten kein Gewissen, sagte Putin. Einen Zusammenhang zwischen seiner Tschetschenien-Politik und der Geiselnahme in Beslan wollte er allerdings nicht erkennen.

Russland und NATO gemeinsam

Die NATO und Russland wollen künftig gemeinsam gegen den Terrorismus vorgehen. Die Botschafter der 26 NATO-Staaten und Russlands erklärten nach einer Sitzung im NATO-Russland-Rat am Dienstag in Brüssel, die gemeinsamen Anstrengungen zur Bekämpfung dieser Sicherheitsgefahr sollten verstärkt werden. Die Partner wollen einen Aktionsplan mit praktischen Maßnahmen ausarbeiten, hieß es in einer Erklärung. "Diese (terroristischen) Aktionen sind eine direkte Herausforderung an unsere gemeinsame Sicherheit, an die von uns geteilten demokratischen Werte, die Menschenrechte und die Grundfreiheiten." Der Rat verurteilte die Terrorattacken scharf, die durch nichts gerechtfertigt seien. Das Gremium, das die Zusammenarbeit der westlichen Allianz mit Russland organisiert, war zu einer Sondersitzung zusammengekommen. (arn/kas)

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