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Aktuell Deutschland

Machtkampf unter Bischöfen?

Die katholische Kirche steht nach dem Stopp der Studie zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der Kritik. Die Deutsche Bischofskonferenz wies Zensurvorwürfe nochmals zurück.

Bischöfe beim Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung im Dom in Fulda (Foto: dpa)

Symbolbild Missbrauch in der Kirche

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat der katholischen Kirche vorgeworfen, sie sei womöglich nicht an der vollständigen Aufklärung von Missbrauchsfällen interessiert. Die Entscheidung, die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen zu beenden, erwecke den Eindruck, als wollten Kirchenvertreter letztlich doch nicht alles unabhängig aufklären lassen, sagte die Ministerin am Donnerstag dem Deutschlandfunk. Möglicherweise habe die Kirche am Ende ihre Hand auf gewonnenen Erkenntnisse halten wollen.

Auch der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, sprach der Kirche den Willen zur Aufklärung ab. "Ich habe den Verdacht, dass starke Kräfte in der katholischen Kirche jetzt nach der Methode Vergessen-und-Vergeben arbeiten", sagte Hilgers der "Saarbrücker Zeitung".

"Angst vor Untersuchungsergebnis"

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Missbrauchsstudie gestoppt

Der Münsteraner Theologe Klaus Müller vermutet einen Machtkampf unter den Bischöfen hinter dem vorläufigen Scheitern des Projekts. Insbesondere konservative Geistliche hätten Angst vor den Ergebnissen der umfassenden wissenschaftlichen Untersuchung, sagte der Wissenschaftler von der Universität Münster.

Hinter dem Vertrauensverlust zum Kriminologen Christian Pfeiffer, der von der Kirche als offizieller Grund für die Vertragskündigung angeführt wurde, stecke auch der Druck konservativer Priester von außen, mutmaßte er. Müller war bis 2012 zwölf Jahre lang in der Medien- und in der Pastoral-Kommission Berater der deutschen Bischöfe.

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DW-Kirchenexperte zur Missbrauchs-Studie

Christian Pfeiffer, der dem renommierten Kriminologischen Forschungsinstitut vorsteht, will das Projekt trotzdem fortsetzen - auch ohne Unterstützung der Bischöfe. "Für die Opfer ist der Stopp der Studie sehr enttäuschend. Wir werden die Opfer bitten, mit uns weiter zusammen zu arbeiten", bekräftigte Pfeiffer in der "Passauer Neuen Presse".

"Gutachten nach ihrem Geschmack"

Den Bischöfen warf er nochmals versuchte Zensur vor: "Die katholische Kirche wollte offenbar ein Gutachten ganz nach ihrem Geschmack." Die Hauptwiderstände seien aus der Diözese München/ Freising gekommen, in der Papst Benedikt XVI. einst Erzbischof war. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass dieser Zusammenhang eine Erklärung sein könnte, räumte Pfeiffer zugleich ein.

Die Deutsche Bischofskonferenz sucht nun ebenfalls nach einem neuen Projektpartner, wie ihr Missbrauchsbeauftragter, Bischof Stephan Ackermann, im Ersten Deutschen Fernsehen bekräftigte. Er führte nochmals ein zerrüttetes Vertrauensverhältnis als Grund für den Bruch an. Zensurvorwürfe wies der Bischof von Trier ebenso zurück wie Matthias Kopp, der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Kopp warf Pfeiffer zudem vor, "eine nicht akzeptable Kommunikation an den Tag" gelegt zu haben.

Der Sekretär der Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, erklärte im Deutschlandfunk, es habe Differenzen mit Christian Pfeiffer über die Auswertung von auf Tonband aufgezeichneten Interviews gegeben. Langendörfer wandte sich auch gegen Berichte, es seien von kirchlicher Seite Akten zu Missbrauchsfällen vernichtet worden. Dafür gebe es keine Anhaltspunkte.

se/qu/gri (dpa, KNA, dapd, Tagesthemen, AFP)

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