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Aktuell Nahost

Machtkampf ohne Ausweg in Kairo

Der gestürzte Staatschef sitzt nun offiziell in Untersuchungshaft, und landesweit gehen die Menschen auf die Straße. Wie Ägypten zur Ruhe kommen soll, ist völlig unklar. Der Machtkampf hält an - und wieder gab es Tote.

In diesem Machtkampf haben Gegner und Anhänger des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi erneut Hunderttausende Menschen auf die Straßen gebracht. Landesweit gab es Massenkundgebungen der verfeindeten Lager. Bei Zusammenstößen in der Hafenstadt Alexandria wurden sieben Menschen getötet. Knapp 200 Menschen seien trotz eines massiven Sicherheitsaufgebotes in der Nacht zum Samstag verletzt worden, teilte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums mit. In Kairo kamen nach Angaben von Ärzten mindestens zehn Menschen ums Leben.

Unterstützung für das Militär

Video ansehen 01:39

Riskanter Machtkampf in Ägypten

Die Mursi-Gegner waren einem Aufruf der Armee gefolgt und stärkten der Militär-Führung auf den Plätzen des Landes den Rücken. Hauptschauplatz dieser Kundgebungen war der Tahrir-Platz im Herzen von Kairo. Hubschrauber kreisten im Tiefflug über den Demonstranten, die ihnen begeistert zujubelten. Feuerwerksraketen stiegen auf. Armeechef Abdel Fattah al-Sisi hatte dazu aufgerufen, in "millionenfacher Zahl" auf die Straße zu gehen, um ihm ein "Mandat zur Bekämpfung des Terrors" zu geben. An den Zugängen zu dem Platz waren Panzer aufgefahren.

Auch vor der Raba-al-Adawija-Moschee in Kairo, dem Zentrum der Pro-Mursi-Proteste, versammelten sich Zehntausende. Sie riefen Parolen wie: "Weg mit Al-Sisi! Mursi ist mein Präsident!" Die Muslimbruderschaft sieht sich trotz ihrer Dauerproteste zunehmend in die Defensive gedrängt.

Bei den Zusammenstößen in Alexandria mit fünf Toten hatten Zivilisten nach Medienberichten einen Demonstrationszug der Mursi-Anhänger angegriffen. Bei ähnlichen Ausschreitungen wurden im Kairoer Armen-Viertel Schubra und in der Stadt Damietta mehr als zwanzig Menschen verletzt.

Was dem Präsidenten vorgeworfen wird

Protestierende in Kairo (Foto: EPA)

Friedliche Proteste? Kairo an diesem Freitag

Mursi, der bisher vom Militär an einem unbekannten Ort festgehalten wurde, sitzt seit Freitag auf richterliche Anweisung formell in Untersuchungshaft. Wie "Al-Ahram" berichtete, will der Untersuchungsrichter Mursi zu Verschwörungsvorwürfen befragen. Der Ex-Präsident werde beschuldigt, sich mit der palästinensischen Hamas-Bewegung zur "Ausführung feindlicher Akte" in Ägypten abgesprochen zu haben. Die radikal-islamische Hamas herrscht seit 2007 im benachbarten Gazastreifen.

Mursi wird unter anderem ein Gefängnisausbruch während der Revolution von 2011 vorgeworfen, den er mit Hilfe der Hamas organisiert haben soll. Die Muslimbruderschaft bezeichnete die Vorwürfe als falsche Anschuldigungen.

Das Militär hatte mit Mursi den ersten frei gewählten Präsidenten Ägyptens am 3. Juli nach tagelangen Massenprotesten gegen ihn abgesetzt. Seither haben die Behörden rund 600 Muslimbrüder verhaftet. Die Islamisten sprechen ihrerseits von einem "Militärputsch" und wollen so lange protestieren, bis Mursi wieder im Amt ist. Doch ein erster Schritt könnte zunächst die Freilassung Mursis sein, wie sie UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nun verlangte. Danach sieht es aber derzeit nicht aus.

ml/haz (rtr, dpa, ap)

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