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Aktuell Asien

Machtkampf im Inselparadies

Die Situation auf den Malediven ist weiterhin unklar: Der frühere Präsident Nasheed behauptet, mit Gewalt aus dem Amt gedrängt worden zu sein. Sein Nachfolger Waheed hält dagegen: Nasheed sei freiwillig zurückgetreten.

Anhänger vom Expräsidenten Nasheed liefern sich Straßenkämpfe mit der Polizei in Male (Foto:dapd)

Anhänger vom Expräsidenten Nasheed liefern sich Straßenkämpfe mit der Polizei in Male

"Ich wurde mit Gewehren um mich herum gezwungen zurückzutreten", sagte der ehemalige Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed, der Presse gegenüber. Der erste demokratische Präsident des Inselstaats akzeptiert diesen Putsch nicht und möchte, dass die obersten Richter des Landes die Verantwortlichen für seine Entmachtung zur Rechenschaft ziehen. In einer Rede vor circa 2000 Parteiangehörigen forderte Nasheed seinen Nachfolger Mohammed Waheed Hassan zum sofortigen Rücktritt auf. Am Nachmittag demonstrierte er gemeinsam mit seinen Anhängern in der Hauptstadt Male gegen den Staatsstreich. Die zunächst friedliche Demonstration geriet außer Kontrolle und Nasheed-Anhänger lieferten sich eine Straßenschlacht mit Polizei und Sicherheitskräften. Aus Parteikreisen heißt es, dass der Expräsident und weitere Mitglieder seiner Demokratischen Partei (MDP) verprügelt worden seien. Eine offizielle Stellungnahme der Polizei blieb zunächst aus. Zuletzt wurden von einer Ausweitung der Proteste auf zwei weiteren Inseln im Süden des Archipels berichtet.

Neuer Staatschef spricht von freiwilligem Rücktritt Nasheeds

Der ehemalige Vizepräsident und jetzige Staatschef Waheed will von einem Putsch nichts wissen. Der Expräsident sei freiwillig zurückgetreten. Waheed rief zur Bildung einer Regierung der nationalen Einheit auf, um die Krise zu überwinden. Gleichzeitig versprach er, Nasheed vor Vergeltungsschlägen zu schützen und, dass dieser sich auf dem Inselarchipel frei bewegen könne und auch das Land verlassen dürfe. Nasheed und Hassan waren 2008 gemeinsam als Präsident und Vizepräsident gewählt worden.

Wochenlange Proteste der Opposition

Der neue Präsident der Malidiven Waheed Hassan (Foto:dapd)

Der neue Präsident der Malidiven Waheed Hassan

Wochenlang demonstrierte die Opposition gegen Nasheed in Male. Ausgelöst wurden die Proteste, nachdem er die Armee aufgefordert hatte, den Obersten Richter des Landes abzusetzen. Dieser wurde beschuldigt, den langjährigen autokratischen Regierungschef Maumun Abdul Gayum, den Vorgänger Nasheeds, zu unterstützen. Gayum und Nasheed sind langjährige Rivalen. Der Oberste Richter wurde zusätzlich für die Freilassung des Oppositionsführers Mohamed Jameel Ahmed kritisiert. Nasheed wiederum wurde von der Opposition beschuldigt, unislamisch zu sein, obwohl ein Großteil der Bevölkerung der Malidiven Muslime sind. Das lenkte zusätzlich den Zorn der Islamisten auf Nasheed. Während der Proteste der Opposition schlossen sich außerdem viele Polizisten und Soldaten an. In der vergangenen Woche verlor der erste demokratische Präsident die Kontrolle über den Inselstaat. Als Waheed am Dienstag das Amt übernahm, sagten ihm die Anhänger Gayums ihre Unterstützung zu.

UN-Delegation soll vermitteln

Das Auswärtige Amt appellierte an die Verantwortlichen im Urlaubsparadies "demokratische und verfassungsrechtliche Prinzipien zu achten". Alle Seiten müssten sicherstellen, dass es "kein Zurück zu Zeiten der Einparteienherrschaft gibt". Der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon kündigte derweil an, dass sein Vize Oscar Fernandez-Taranco Ende der Woche mit einer UN-Delegation auf den Inselarchipel reisen werde, um zwischen den rivalisierenden Gruppen zu vermitteln.

gco/sti (dapd/afp/epd/dpa/rtr)