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Afrika

Machtkampf hinter den Kulissen in Nigeria

Nach dem Tod von Präsident Yar'Adua kämpfen die Eliten des Landes um ihre Pfründe. Der neue Präsident Goodluck Jonathan ist Christ – und die islamischen Spitzen erwarten, dass er einen Muslim zum Vizepräsidenten ernennt.

Jonathan Goodluck (Bild: AP)

Im Zentrum der Macht: Goodluck Jonathan

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz in Nigeria: Die Macht im Land wird geteilt – zwischen Muslimen und Christen. Denn das entspricht auch der religiösen und geografischen Aufteilung des Landes. Im Norden leben überwiegend Muslime und im Süden Christen und Animisten. Durch den Tod von Yar'Adua, einem Muslim, ist mit Goodluck Jonathan vorzeitig ein Christ an die Macht gelangt. Erst in elf Monaten steht die nächste reguläre Präsidentschaftswahl an. Bis dahin könnte Jonathan sein Amt benutzen, um den christlichen Machtblock zu stärken – befürchten muslimische Politiker.

Ein starker Mann im Machtvakuum

 

Umaru Yar'Adua, rechts, Ex-Präsident Obasanjo, links und Goodluck Jonathan (Bild: AP)

Diese drei bestimmten Nigerias Schicksal in den vergangenen Jahren: Umaru Yar'Adua, rechts, Ex-Präsident Obasanjo, links und Goodluck Jonathan.

Zumal Jonathan als äußerst durchsetzungsfähig gilt. Er hat während Yar'Adua krank daniederlag als "acting president", die  Lage im ölreichen Nigerdelta beruhigt und den als korrupt geltenden Chef der Wahlkommission gefeuert. Zudem setzte er die Truppen ein, um die religiös motivierten Auseinandersetzungen in Zentral-Nigeria einzudämmen. Ein starker Mann in Zeiten des Machtvakuums aber erscheint den muslimischen Eliten, darunter einflussreiche Militärs und Gouverneure, als große Gefahr.

Sie wollen als kommenden Präsidenten wieder einen Muslim sehen und verlangen deshalb, dass Goodluck Jonathan schon jetzt einen der ihren zum Vizepräsidenten ernennt - innerhalb der kommenden Woche. So soll der Einfluss der islamischen Gruppen bis zur Wahl gesichert werden.

Bedrängt fühlen sich viele Muslime durch den wirtschaftlichen Erfolg vor allem von Mitgliedern der überwiegend christlichen Ethnien der Yoruba und Igbo aus dem Süden. Als Reaktion darauf versuchen die im Norden lebenden, muslimischen Hausa-Fulani, ihren Machtbereich auf Zentral-Nigeria auszudehnen. Auch mit Gewalt, wie bei den Massakern in Jos mit über Hundert Toten.

Gewalt als Antwort auf Machtverlust

Brennende Pipeline (Bild: dpa)

Anschläge im ölreichen Nigerdelta erschüttern auch das Machtgefüge im Land

Sollten die muslimischen Eliten im Kampf um die politische Vorherrschaft den Eindruck gewinnen, dass der christliche Machtblock sie ins Abseits drängt, könnte das die Spannungen zwischen den Lagern noch erhöhen. Der Norden, in dem vor einigen Jahren bereits die Sharia-Rechtssprechung eingeführt wurde, steht nach Ansicht von Experten im Zentrum der Expansionspläne der El-Kaida des Maghreb stehen. Immer wieder habe die Terrorgruppe angeboten, islamische Kämpfer aus Nordnigeria zu trainieren und mit Waffen auszurüsten, sagen Experten. Der Hintergrund ist klar: Ein Bürgerkrieg im bevölkerungsreichsten Land Afrikas und Haupt-Öllieferanten der USA wäre ein Meilenstein in der Strategie der El-Kaida.

Autor: Dirk Bathe

Redaktion: Christine Harjes

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