1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Machtgerangel in Asien

Die anti-japanischen Ressentiments kommen den Machthabern in China und Südkorea gerade recht. Sie nutzen sie, um ihre eigene Macht zu festigen. Japan gerät mehr und mehr an den Rand und ist dabei nicht ganz schuldlos.

default

Provoziert die Nachbarn: der Yasukuni-Schrein in Tokio

Die Rituale haben Tradition, neu ist jedoch die Vehemenz, mit der sich die anti-japanischen Proteste derzeit entladen: Bei einer der täglichen Protestaktionen vor der japanischen Botschaft in Seoul zündete sich kürzlich ein Demonstrant selber an, andere hackten sich vor der Gesandtschaft ihre Finger ab. Und auch in China flogen Steine und Flaschen gegen japanische Supermärkte, Restaurants und Banken, japanische Studenten wurden verprügelt und japanische Waren boykottiert. Eine solch massive Welle antijapanischer Proteste hat Asien schon lange nicht mehr erlebt: Es geht um ein Schulbuch, das mal wieder die japanische Aggression während der Besatzungszeit verharmlost, es geht auch mal wieder um den japanischen Anspruch auf kleine unbewohnte Inseln, es geht aber vor allem um den von Tokio angestrebten Sitz für Japan im UN-Sicherheitsrat.

Peking schürt alte Ressentiments

Der Katzenjammer in Japan ist groß und Tokio fand die verschiedensten Gründe für die anti-japanischen Ausschreitungen bei den Nachbarn, nur praktisch keinen auf Seiten Japans. Dass Japan die eigene Geschichte, besonders seinen Aggressionskrieg verklärt, ist kein neues Phänomen. Denn eine kritische Aufarbeitung hat im Land der aufgehenden Sonne nie stattgefunden. Gefährlich ist jedoch, wie die Nachbarn darauf reagieren. Denn das Regime in Peking ließ den anti-japanischen Krawallen nicht nur freien Lauf, es schürte auch noch die alten Ressentiments und heizte die Stimmung damit zusätzlich an.

China Anti-Japan Proteste Schulbücher Protestaktion Japans Gechichte im 2. Weltkrieg

Anti-Japan Proteste in Peking



Mit "spontanem Volkszorn", wie es in den offiziellen Verlautbarungen heißt, hat das nicht viel zu tun, nicht in einem Land, in dem normalerweise schon die gemeinsame Meditation einer spleenigen Sekte Großeinsätze der Staatsmacht auslöst.

Südkoreas Abschied von der stillen Diplomatie

Roh Moo-hyun Präsident Südkorea

Angeschlagen: Präsident Roh

Schon seit einiger Zeit nutzen die Machthaber in Peking den Nationalismus als Instrument, um ihre Herrschaft zu stabilisieren. Ähnliches gilt auch für Südkorea. Natürlich sitzt die Schmach der harschen japanischen Kolonialherrschaft von 1910 bis 1945 noch immer tief. Doch ganz bewußt macht sich der angeschlagene südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun die alte koreanischen Wut über die Ignoranz der Japaner jetzt zu eigen und spricht auf einmal wieder von Reparationszahlungen für die erlittenen Gräueltaten.

Mit dieser Forderung verabschiedet sich Seoul von der bisher in dieser Frage verfolgten "stillen Diplomatie", denn eigentlich haben sich die Beziehungen zwischen Japan und Südkorea ungeachtet der Streitthemen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Noch nie sind so viele japanische Touristen nach Südkorea gereist. Koreanisch ist neuerdings schwer angesagt in Japan, Essen oder Fernsehserien aus Korea sind "in". Umgekehrt ist japanische Mode und Musik bei der südkoreanischen Jugend schon seit Jahren äußerst beliebt.

Japanisches Kaufhaus in Peking

Japanisches Kaufhaus in Peking

Ähnlich eng verbandelt sind auch Japan und China, das geistige Mutterland der Japaner. Und auch die wirtschaftlichen Beziehungen sind hervorragend: Japan profitiert gewaltig vom chinesischen Boom und ist nun einmal der wichtigste Handelspartner der Volksrepublik.

Streit um Inseln

Trotzdem ist der alte Streit eskaliert, vordergründig ausgelöst durch zwei japanische Provokationen: Zum einen hat Tokio unnötig deutlich erneut seinen Anspruch auf zwei umstrittene Seegebiete unterstrichen und damit den Nachbarn vor den Kopf gestoßen. Kernpunkt des Streits ist eine von Japan gezogene Mittel-Linie im Ostchinesischen Meer, die die Nachbarstaaten nicht akzeptieren. Denn mit der Mittel-Linie würden nicht nur jene unbewohnte Felseninsel Japan zugeschlagen, die die Koreaner "Tokdo" und die Japaner "Takeshima" nennen, sondern auch eine kleine unbewohnte Inselgruppe nördlich von Taiwan, die auf Chinesisch Diaoyu und auf Japanisch Senkaku genannt wird.

Japan China Gasfeld Ostchinesisches Meer

Streit um Inseln und Seegebiete im Ostchinesischen Meer

Im Fall Takeshima/Tokdo machen Japan und Südkorea geschichtliche Gründe für ihre Ansprüche auf die Insel geltend, die nicht nur über reiche Fischgründe, sondern angeblich auch über Gasvorkommen verfügen soll. Japan hatte die 700 Kilometer von Tokio und 450 Kilometer von Seoul entfernte Insel während des russisch-japanischen Krieges 1904/05 aus strategischen Gründen einverleibt, doch seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges erhebt Südkorea Anspruch auf sie.

Während es im Fall Takeshima/Tokdo vorrangig ums Prestige geht, ist die Inselgruppe nördlich von Taiwan auch aus ganz handfesten wirtschaftlichen Gründen für Japan und China interessant, denn dort werden tatsächlich gewaltige Öl- und Gasvorkommen vermutet. Und der Streit könnte eskalieren, da beide Seiten mit Bohrungen möglichst schnell Fakten schaffen wollen.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie die territorialen Streitigkeiten durch ein neues Schulbuch angeheizt wurden und warum Japan der große Verlierer der Konfrontationen mit China und Korea sein könnte.

Die Redaktion empfiehlt