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Top-Thema – Podcast

"Macht unsre Bücher billiger!"

Der Vorläufer des ersten deutschen Taschenbuchs wird 60. Doch obwohl sich über die Jahrzehnte viel verändert hat, ist das Taschenbuch auch heute noch das, was es schon damals war - ein Kassenschlager.

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Gerade Vielleser profitieren von Taschenbüchern.

Die Vorläufer der modernen Taschenbücher hätten Kurt Tucholsky gefallen. Sie waren zwar so groß und unhandlich wie eine Zeitung und aus dünnem Papier, kosteten aber nur 50 Pfennig. Zu teuer seien seine Bücher, schrieb ein Oberrealschüler Anfang der 1930er-Jahre in einem Leserbrief an den Autor: "Hoffentlich sterben Sie recht bald, damit Ihre Bücher billiger werden." Tucholsky reagierte und schrieb an seine Verleger: "Lieber Meister Rowohlt, liebe Herren Verleger! Macht unsre Bücher billiger!"

Leider erlebte Tucholsky nicht mehr mit, was sich Heinrich Maria Ledig-Rowohlt nach dem zweiten Weltkrieg nicht ganz freiwillig einfallen lassen musste. Im Krieg waren viele Druckmaschinen zerstört worden, das Papier war knapp und die meisten Menschen hatten kein Geld für teure Bücher. Ledig-Rowohlt ließ die Bücher einfach in den vorhandenen Rotationsmaschinen auf Zeitungspapier drucken. In einer Auflage von 100.000 Stück brachte er 1946 die Vorläufer des Taschenbuchs auf den Markt – der Beginn einer großen Erfolgsgeschichte.

Schon 1950, als das Papier nicht mehr so knapp war, wurde die erste Reihe von dem abgelöst, was wir heute als Taschenbuch kennen. Rowohlts Rotations-Romane, kurz rororo, fanden reißenden Absatz. Immer mehr Verlage taten es Rowohlt in den 50er-Jahren gleich. Aber die Händler fürchteten um ihren Umsatz, waren doch die Taschenbücher vergleichsweise billig. Die Kritiker befürchteten einen Qualitätsverlust und dass die Leser eher nach den bunten Umschlägen und nicht nach dem Inhalt wählen würden. Nicht einverstanden waren sie außerdem mit der Zigarettenwerbung, die in die Taschenbücher gedruckt wurde, um den Preis niedrig zu halten. Doch das Lesepublikum blieb den Taschenbüchern treu. In den 70er-Jahren waren sie voll etabliert und es gab immer mehr Reihen für die unterschiedlichsten Interessen.

GLOSSAR:

Vorläufer, der – eine frühe Form eines Produkts

Taschenbuch, das – ein kleines, verhältnismäßig preiswertes Buch ohne festen Einband

ein Kassenschlager, der – ein Produkt, dass sich sehr gut verkauft

unhandlich – unpraktisch; nicht einfach zu benutzen, weil es so groß oder breit ist

Verleger, der – der Besitzer eines Verlags; jemand, der Bücher macht und verkauft

unsre - umgangssprachlich für unsere (Possessivpronomen)

freiwillig – ohne Zwang

sich etwas einfallen lassen (müssen) – eine Lösung für ein Problem finden (müssen)

knapp sein – nur in geringer Menge vorhanden sein

vorhanden sein – zur Verfügung stehen; existieren

reißenden Absatz finden – sich sehr gut verkaufen

es jemandem gleich tun – etwas genauso machen

um etwas fürchten – wegen etwas besorgt sein

befürchten – etwas Negatives / Unangenehmes vermuten

etabliert sein – zum Alltag gehören; nicht mehr ungewöhnlich sein

Fragen zum Text

Warum ließ Heinrich Maria Ledig-Rowohlt nach dem Krieg Bücher auf Zeitungspapier drucken?

  1. weil viele Druckmaschinen zerstört worden waren, das Papier knapp war und die meisten Menschen kein Geld für teure Bücher hatten
  2. weil er fand, dass Bücher zu schwer waren
  3. weil er nach den schweren Kriegsjahren die Lust am Lesen wieder wecken wollte

    Für welches Produkt wurde früher in den Taschenbüchern geworben?

    1. für Taschentücher
    2. für Zigaretten
    3. für Schokolade

      Etwas findet reißenden Absatz, wenn…

      1. sich etwas schlecht verkauft.
      2. sich etwas sehr gut verkauft.
      3. sich etwas gar nicht verkauft.

        Arbeitsauftrag

        Lesen - für die einen ist es die spannendste Beschäftigung der Welt, für die anderen nur langweilige Zeitverschwendung. Wie denken Sie darüber? Lesen Sie gerne oder ungern? Schreiben Sie Ihre Lesegewohnheiten auf.

        Schreiben Sie außerdem Ihr Lieblingsbuch auf einen Zettel, mischen Sie die Zettel in einem Hut oder einem Topf und ziehen Sie jeder einen. Versuchen Sie dann zu erraten, wessen Lieblingsbuch Sie gezogen haben und begründen Sie Ihre Meinung. Vorsicht, niemand darf seinen eigenen Zettel ziehen!


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