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Nahost

Macht und Verantwortung

"George W. Bush sieht sich als Politiker mit einer historischen Mission", meint Professor Richard Jensen in einem Interview mit DW-WORLD. Er hat den heutigen US-Staatschef in Yale im Fach Geschichte unterrichtet.

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Mann mit Überzeugungen

In der aktuellen Irak-Krise gibt es eine weit verbreitete These: US-Präsident George W. Bush wolle mit seiner politischen Forderung nach einem Regimewechsel im Irak den US-amerikanischen Zugriff auf die irakischen Ölreserven erreichen. Nach dieser Lesart sind seine Äußerungen von Demokratie, Menschenrechten und der "Achse des Bösen" bloße Rhetorik, um vom eigentlichen Kriegsziel "Öl" abzulenken.

Ein Mann mit einer Mission

Der Historiker und mittlerweile emeritierte Professor der Universität von Illinois-Chicago, Richard Jensen, sieht dagegen andere Motive bei George W. Bush. Nach seiner Auffassung sieht sich der jetzige US-Präsident mit einer historischen Mission betraut - ähnlich wie die Generation amerikanischer Politiker in den 1940er Jahren. Damals bedrohten Hitler und der deutsche Nationalsozialismus die Welt. Heute gebe es eine ähnliche tödliche Gefahr. Die sich selbst auferlegte Mission von US-Präsident George W. Bush beschreibt Professor Jensen daher so: "Seine Mission seit dem 11. September 2001 ist es, das Böse zu zerstören, das Amerika bedroht." Zwar erschrecke Bushs Rhetorik Europäer, aber ohne das Verständnis für die tiefe Religiosität vieler Amerikaner sei es schwer nachvollziehbar, wie man in den USA über Politik und Diplomatie denke. Und diese Geisteshaltung - so der US-Historiker - hat sehr tiefe Wurzeln in der amerikanischen Geschichte.

Gelehriger Student

Professor Richard Jensen muss es wissen. Denn der Historiker gehörte in den 1960er Jahren zum Team an der Yale Universität, das auch den jungen Studenten George W. Bush in Geschichte unterrichtete. Das Hauptthema der Geschichtsseminare und Vorlesungen sei damals "hohe Politik" gewesen. Ein Kurs von Professor John Blum habe vor allem die Thematik "Macht und Verantwortung" betont. Im Vordergrund dieser Vorlesung standen amerikanische Politiker wie Franklin D. Roosevelt, Harry Truman, Henry Stimson, Eleanor Roosevelt und George Marshall, die den amerikanischen Isolationismus überwunden hätten. Ihr Ziel sei der aktive und auch militärische Einsatz für die Demokratie auf der Welt gewesen.

Von diesem damals in Yale vorherrschenden Geschichtsverständnis ist US-Präsident George W. Bush nach Sicht von Richard Jensen noch heute stark beeinflusst. Hinzugekommen sei später die religiöse Seite im Denken von George W. Bush. Die aktuelle US-Außenpolitik in der Irak-Krise zeige jedoch deutlich, dass der Präsident den Leitgedanken aus dem Kurs von Professor John Blum verinnerlicht habe. Denn schließlich glaube Bush, dass Amerika die Macht und die Verantwortung habe, das von Saddam Hussein verkörperte Böse zu vernichten - mit oder ohne UN-Beschluss.

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