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Politik

Macht der "Gringo" das Rennen?

Bei den Wahlen in Bolivien (30. Juni 2002) kam der Liberale Sánchez de Lozada auf knapp 23 Prozent der Stimmen und erklärte sich sofort zum Sieger. Gemäß der Verfassung muss er sich jedoch einer Stichwahl stellen.

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Rund vier Millionen Bolivianer waren zur Wahl aufgerufen

Nach den bisher von den bolivianischen Medien veröffentlichten Hochrechnungen lag der frühere Staatschef Sánchez de Lozada (1993-1997) mit etwa 1,5 Prozent vor dem zuvor favorisierten Rechtspopulisten Manfred Reyes Villa, dem Kandidaten der "Neuen Republikanischen Kraft" (NFR).

Auf den dritten Platz kam mit etwa 18 Prozent der sozialistische Kandidat und Anführer der Kokabauern, Evo Morales. Da keiner der elf Präsidentschaftskandidaten mehr als 50 Prozent erreichte, werden beide Parlamentskammern im August auf einer gemeinsamen Sitzung unter den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen das neue Staatsoberhaupt wählen.

Die beiden Gegenspieler

Der Millionär Sánchez de Lozada, der in den USA studierte und Spanisch mit amerikanischem Akzent spricht, will die neoliberale Politik seines Vorgängers Quiroga fortsetzen. Im Wahlkampf hatte der "Gringo" genannte Kandidat, der am Montag seinen 72. Geburtstag feierte, angekündigt, dass er weitere Staatsunternehmen privatisieren, das staatliche Sozialsystem dezentralisieren und die Korruption bekämpfen wolle.

Sein Gegenspieler bei der Stichwahl im Kongress, Reyes Villa, versprach eine politische Erneuerung und die Bekämpfung der Armut, unter der zwei Drittel der Bevölkerung leiden. Doch es ist nicht sein in Wirtschaftsfragen äußerst vages Programm, das dem 47-Jährigen Stimmen einbrachte. Seit dem Tod des Ex-Diktators Hugo Banzer ist er vielmehr das neue Idol der zwischenzeitlich führungslosen Konservativen. Unklar bleiben nicht nur die politischen Vorstellungen des rechtspopulistischen Präsidentschaftsanwärters, sondern auch die Herkunft seines Vermögens und seine Verbindungen zur Moon-Sekte.

Aufgaben des neuen Präsidenten

Der neue Präsident wird schnelle Erfolge bei der Armutsbekämfung, der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Ankurbelung der Wirtschaft erzielen müssen, um soziale Unruhen zu verhindern, Ein weiterer Brennpunkt ist die Vernichtung illegaler Kokafelder, gegen den sich die Bauern mit Straßenblockaden und Auseinandersetzungen mit der Polizei und dem Militär wehren.

Ergebnisse der Parlamentswahlen

Auch bei der gleichzeitig stattfindenden Parlamentswahl wurde die liberale Partei "Nationale Revolutionäre Bewegung" (MNR) von Sánchez de Lozada Hochrechnungen zufolge stärkste Kraft. Überraschend stark schnitt die "Bewegung für den Sozialismus" (MAS) von Morales ab und wird vermutlich zweitstärkste Gruppierung im neuen Parlament. Auf Platz drei liegt den Hochrechnungen zufolge Paz Zamoras "Bewegung der Revolutionären Linken" (MIR).

Große Verliererin des Urnengangs war die "Demokratisch-Nationalistische Aktion" (ADN) des verstorbenen Ex-Diktators Hugo Banzer und des scheidenden Präsidenten Jorge Quiroga. Ihr Kandidat Ronald McLean erreichte laut Hochrechnungen nur drei Prozent der Stimmen. Im Kongress stellt die Partei nur noch sechs Abgeordnete und Senatoren gegenüber 27 nach der Parlamentswahl von 1997.

Mit Reyes Villas neugegründeter NFR und Morales‘ MAS zeichnet sich ein Ende der Dominanz der traditionellen Parteien ab. Seit der Rückkehr des Andenlandes zur Demokratie vor 20 Jahren hatten sich die drei großen Formationen ADN, MIR und MNR regelmäßig an der Macht abgewechselt. (fro)

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