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Sport

"Macht acht Tore!"

Selbst nach dem historischen Halbfinale halten viele Brasilianer im Finale zu Deutschland. Das Team ist beliebt. Aber auch Argentinien hat brasilianische Fans auf seiner Seite - trotz der alten Rivalität.

Nur kurz nachdem Argentinien sich im Elfmeterschießen gegen die Niederlande durchgesetzt hatte, kursierte in den sozialen Medien bereits der Hashtag "SomosTodosAlemanha" - "Wir sind alle Deutschland". Die brasilianische Sportzeitung "Lance" titelte "Deutsche von klein auf". Ein andere Tageszeitung forderte: "Macht gegen Argentinien bitte acht Tore!"

Die Solidarität der Deutschen Nationalspieler mit Brasilien nach der 1:7-Klatsche im Halbfinale hat ihnen weitere Sympathien eingebracht. Gleich nach Abpfiff trösteten mehrere deutsche Spieler die niedergeschlagenen Brasilianer, insbesondere die Bayern-Spieler kümmerten sich um ihre Teamkollegen Dante und Luiz Gustavo.

Wenig später twitterte Mesut Özil auf Englisch: "Ihr habt ein wunderschönes Land, wunderbare Menschen und großartige Fußballer. Dieses Spiel sollte euren Stolz nicht zerstören."

Lukas Podolski schrieb sogar auf Portugiesisch: "Die Welt des Fußballs schuldet Brasilien sehr viel. Es ist und wird immer das Land des Fußballs sein." Und Bastian Schweinsteiger drückte sein Mitleid mit den Brasilianern in einem Interview aus.

Deutschland - respektvoll und respektiert

Deutschland WM 2014 Podolski auf dem Cover der brasilianischen Zeitung Lance

Lance: "Deutsche von klein auf"

Ob die großen Gesten die Brasilianer wirklich getröstet haben, ist fraglich. Sicher aber haben sie ihre Sympathien für die Deutschen gestärkt.

Den Fußballtrainer Renato Correia hat die Haltung jedenfalls beeindruckt: "Im umgekehrten Fall hätten wir vermutlich mit Hackentricks angefangen und uns über die Gegner lustig gemacht. Die Deutschen haben einfach einen Gang zurückgeschaltet, um uns eine noch größere Blamage zu ersparen."

Auch der Fußballfan Tiago Rios findet, dass sich die deutsche Mannschaft rundum vorbildlich verhält: "Sie sagen immer 'Seleção', wenn sie von unserer Nationalmannschaft sprechen. Es sind solche kleinen Dinge, mit denen man Respekt zeigt."

Sauer auf die Deutschen zu sein, kommt dem 32-Jährigen gar nicht in den Sinn: "Das Problem war die Unfähigkeit von Brasilien. Die Deutschen dafür zu hassen, würde bedeuten, unsere eigenen Fehler zu vertuschen", sagt er. "Deutschland hat gewonnen, weil es gut und sauber gespielt hat."

Für Rios war Deutschland von Anfang an zweiter Top-Favorit hinter Brasilien. Fußballtrainer Correia meint: "Deutschland ist das beste Team des Turniers, deshalb verdienen sie den Titel."

Nachbarschaftliche Rivalität

Es ist aber auch die Rivalität mit dem Nachbar Argentinien, die manche Brasilianer in den deutschen Fanblock treibt. Neben allgemeinen und historischen Ressentiments stehen zwischen den beiden größten Ländern Südamerikas auch mehr als sechs Jahrzehnte fußballerischer Auseinandersetzungen. Und natürlich die größte Frage von allen, wer der beste Fußballer aller Zeiten war: Pelé oder Maradona.

Schon vor dem Halbfinale der Argentinier gegen die Niederlande titelte der Sportteil der Tageszeitung Estadão "Alle außer Argentinien". Gemeint war, dass alle in Brasilien gewinnen dürfen, nur eben nicht die Weißblauen. Natürlich spiele auch das eine Rolle, räumt Fußballfan Rios ein: "Wenn Argentinien im Maracanã den Titel holt, wäre das der Weltuntergang!"

Latinos halten zusammen

Bildkombo Trikot Flamengo Rio de Janeiro Auswärtstrikot Deutsche Nationalmannschaft

Rot-Schwarz und zum Verwechseln ähnlich: Flamengo- und Deutschlandtrikot

Viele Brasilianer sehen das genauso. Aber eben doch nicht alle. Für sie steht ein anderer Aspekt im Vordergrund: "Ich will nicht, dass ein europäisches Team auf unserem Kontinent gewinnt", sagt der Taxifahrer Manuel Messias. Die Argentinier stünden den Brasilianern kulturell viel näher: "Sie leiden genau so sehr wie wir, wenn es um Fußball geht." Der WM-Titel würde den Nachbarn sicher sehr viel Freude bringen - und die könnten sie inmitten ihrer Wirtschaftskrise gut gebrauchen.

Während Taxifahrer Messias mit seiner Solidarität unter Latinos sicher nicht alleine ist, müsste André Rodrigues wohl lange suchen, um unter seinen brasilianischen Landsleuten einen Gesinnungsgenossen zu finden. Er sei Brasilianer durch und durch, nur beim Fußball, da sei er schon als Kind etwas auffällig gewesen, weil er Poster von Diego Maradona und Gabriel Batistuta im Zimmer hängen hatte.

Nur einmal habe er zu Brasilien gehalten, berichtet er: "Das war 2002, weil da Marcos, der Torwart meines Vereins Palmeiras São Paulo mitspielte." Ansonsten sei er seit der WM 1990 Argentinien-Fan. Als Brasilien Argentinien 1995 aus der Copa América warf, habe er fürchterlich geweint. "Ich habe noch nie gesehen, wie Argentinien die WM gewinnt", klagt er.

Begeisterung für deutsches Team

Rodrigues' Traum von einem Sieg Argentiniens würde auch sein Frau Ellen unterstützen, wenn …: "Wenn Argentinien gegen - sagen wir - Frankreich spielen würde, wäre ich für die Hermanos."

Doch die 22-Jährige ist einfach zu begeistert von der deutschen Mannschaft. Zwei Spiele hat sie sich im Stadion angesehen und dabei das schwarz-rot-gestreifte Trikot der DFB-Elf angehabt, das sie an ihren Lieblingsclub Flamengo Rio de Janeiro erinnert. Einmal ist sie sogar zum Hotel der Deutschen gefahren, um einen Blick auf die Spieler zu erhaschen: "Sie sind einfach fantastisch, so charismatisch - unmöglich nicht zu ihnen zu halten!"

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