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Afrika

Machar: "Wir könnten Juba einnehmen"

Seit mehr als drei Monaten führt Riek Machar die Rebellen im Bürgerkrieg des Südsudan. Im DW-Interview spricht er über seine Ziele, die Rolle ausländischer Truppen im ölreichen Land und Wege, den Konflikt zu beenden.

DW: Was ist das Ziel ihres Kampfes?

Riek Machar: Ich wurde mit Waffengewalt gezwungen, die Hauptstadt Juba zu verlassen und meinen Posten als stellvertretender Chef der Regierungspartei SPLM aufzugeben. Da haben wir uns entschlossen, Widerstand zu leisten und zwar so lange, bis die Regierung einsieht, dass sie Fehler gemacht hat. Unser Ziel als Opposition ist es, den Südsudan zu einem demokratischen Staat zu reformieren. Das bedeutet etwa, dass es eine neue Verfassung geben muss und dass sich Parteien frei entfalten können.

Was ist das für ein Konflikt, den der Südsudan gerade erlebt? Ein Machtkampf? Ein ethnischer Konflikt?

Als im Dezember 15 Mitglieder aus der obersten Führung der SPLM demokratische Reformen forderten und später verhaftet wurden, kamen die aus dem ganzen Land von ganz verschiedenen Volksgruppen. Man kann also nicht sagen, dass es ein ethnischer Konflikt ist. Der Südsudan ist mit mehr als 60 Völkern ein ethnisch sehr vielfältiges Land. Wir wollen diese Vielfalt zusammenbringen, um einen lebensfähigen Staat zu bilden.

Bereits im Januar hatten Sie bei den Verhandlungen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba einer

Waffenruhe

zugestimmt. Dennoch gehen die Kämpfe weiter.

Das Abkommen dazu sah vor, dass Uganda seine Truppen abzieht, mit denen es in die Kämpfe auf Seite der Regierung eingegriffen hat. Das hat es aber nicht getan. Die Ugander besetzen unser Land, und wir haben das Recht, sie zu bekämpfen. Auch eine zweite Bedingung der vereinbarten Waffenruhe wurde nicht eingehalten: Von elf hochrangigen politischen Gefangenen hat die Regierung nur sieben frei gelassen. Den anderen vier wird mit gefälschten Vorwürfen der Prozess gemacht. Die Frage, warum die Kämpfe andauern, sollte also nicht an mich gerichtet werden.

Die ostafrikanische Staatengemeinschaft IGAD will eine Beobachtertruppe in den Südsudan schicken, um die Waffenruhe zu überwachen und Einrichtungen der Ölindustrie zu schützen, die seit Monaten still stehen. Wie stehen Sie zu diesem Beschluss?

Wir lehnen das ab. IGAD, an deren Treffen auch die südsudanische Regierung teilgenommen hat, kann keine Truppen hierher schicken. Das Öl hier ist südsudanesisches Öl und nicht das der IGAD. Außerdem: Es heißt, die Truppe solle zur Abschreckung dienen. Wen wollen sie denn abschrecken? Uns! Nicht die Regierung, die ja selbst an dem entsprechenden IGAD-Beschluss mitgewirkt hat. Es gibt schon im Rahmen der UN-Militärmission hier Truppen aus IGAD-Ländern: Die Äthiopier haben Truppen in der Region Abyei. Die Kenianer haben Truppen im Bundesstaat Unity. Die Ruander sind auch schon da. Warum brauchen wir noch eine extra Militärmission? IGAD will ihre Soldaten in den Ölfeldern stationieren. So will die Regierung wieder an Ölgeld kommen und Waffen kaufen, um uns zu töten.

Wie stark ist Ihre Armee? Können Sie Juba angreifen?

Wir standen kurz vor der Einnahme Jubas. Aber wir waren nicht darauf vorbereitet, dass Uganda militärisch eingreift. Wir waren auch nicht darauf vorbereitet, dass uns im Norden Rebellengruppen aus dem Sudan in den Rücken fallen. Wir mussten unsere komplette Strategie überdenken. Zudem ist Trockenzeit. Trockenzeit ist immer schlecht für Aufstände. Wenn die Friedensgespräche zu keinem Ergebnis führen, werden wir Juba angreifen, auch wenn ugandische Truppen da sind.

Sind Sie bereit, sich an einer Interimsregierung mit Salva Kiir zu beteiligen, um den Konflikt beizulegen?

Eine Interimsregierung wäre möglich, wenn wir uns vorher auf eine grundlegende Reform des Staates einigen. Das Problem liegt in der autokratischen Art der Herrschaft von Präsident Salva Kiir, in der Verfassung, in der fehlenden Freiheit für Parteien, in der Angst, in der die Menschen leben. Wenn wir diese Ursachen des Konflikts behandelt haben, dann können wir darüber nachdenken, wie wir das umsetzen - etwa mit einer Übergangsregierung. Die Übergangsregierung selbst ist aber keine Lösung der Probleme.

Riek Machar war bis Sommer 2013 Vizepräsident des Südsudan. Seit Dezember 2013 kämpft er an der Spitze einer Rebellenallianz gegen Staatschef Salva Kiir.

Das Interview führte Coletta Wanjohi.

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