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Mach dich frei!

Eigentlich ist nackt zu sein unser natürlicher Zustand. Doch heutzutage ist fast nichts komplizierter. Denn seit Bibelzeiten wird Nacktheit in vielen Kulturen gleichgesetzt mit Gefühlen von Scham und Peinlichkeit.

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Mach dich frei!

Wer über die Tatsache, völlig unbekleidet, nackt zu sein, etwas schreiben will, kommt natürlich an ihnen nicht vorbei: Adam und Eva. Denn als die beiden vom Baum der Erkenntnis gegessen hatten, bemerkten sie, dass sie nackt waren. Soweit ist die Geschichte aus der Bibel bekannt. Warum allerdings das Nacktsein von Adam und Eva als peinlich empfunden wurde, steht nicht in der Bibel. Nackt zu sein hat also immer auch etwas mit Scham zu tun. Aber der Reihe nach.

Nacktheit – ein echt menschliches Problem

Ein Orang Utan lehnt über ein Geländer

Menschenaffen und ihre natürliche Kleidung

Alle Säugetiere, sogar die Menschenaffen, haben ein Fell. Darüber, warum das beim Menschen verschwunden ist, gibt es unterschiedliche Theorien. Es heißt, die Menschen hätten es einfach nicht mehr gebraucht, nachdem sie das Feuer entdeckt hatten und es immer schön warm war. Gleichzeitig hätten sich auf unbehaarten Körpern die Parasiten nicht so stark vermehren können.

Eine andere Theorie besagt, die Menschen hätten eine Phase gehabt, in der sie am Wasser lebten und zu viel Behaarung einfach gestört hat. Wie auch immer: Es scheint so zu sein, dass die Menschen und ihre Vorfahren erst einmal mehrere Hunderttausend Jahre ohne Fell, völlig entblößt, splitterfasernackt, durch die Steinzeit streiften, bevor sie Kleidung erfanden.

Nacktheit in der Antike und im Mittelalter

Skulptur eines Läufers, der nackt ist und einen Lorbeerkranz um den Kopf hat.

Hüllenlos zu sportlichen Erfolgen in der Antike

Im antiken Griechenland waren die Menschen zwar bekleidet. Doch beim Sport waren sie nackt. Zumindest die Männer. Schon in der Antike wurde über die Gründe gerätselt.

Auch heutige Historiker suchen nach Erklärungen. Eine davon scheint nachvollziehbar: Die Sportler wollten ihre durchtrainierten Körper zeigen und sich von den bekleideten Barbaren, Menschen, die nicht aus Griechenland stammten, unterscheiden.

Dass wir alle Kleider tragen, ist noch gar nicht so lange her. Bis zum Ende des Mittelalters war es ziemlich normal, unverhüllt zu sein. Nur Reiche konnten sich Kleidung leisten. Angezogen oder nackt war also eine Frage des Wohlstandes. Kleidung wurde zum Statussymbol. Wer nackt war, war arm, und das wollte niemand zeigen. Deshalb war und ist nackt zu sein wohl peinlich. Das sexuelle Begehren ist gar nicht mal das Wichtigste.

Ausweichwörter: nur nicht „nackt“ sagen

Und hier kommen Ausweichwörter ins Spiel, Wörter, die man verwendet, um nicht „nackt“ sagen zu müssen. Man ist nicht nackt, sondern kommt im Adams- oder Evakostüm. Auch der Ausdruck „wie Gott ihn schuf“ ist durchaus noch üblich.

Oder Synonyme wie unverhüllt, bloß, hüllenlos, unbekleidet, entblößt, ausgezogen. Auch Bezeichnungen wie nackig, nackend, manchmal auch nackicht, oder Nackedei sollen den Zustand verharmlosen. Oder der Begriff Freikörperkultur. Auch das ist so ein Ausweichwort. Dass es hier um die Tatsache geht, nackt zu baden oder Sport zu treiben, lässt sich erst einmal nicht erahnen.

Die Freikörperkultur und Textilbader

Zwei nackte Frauen sonnen sich am Strand

Liebhaber der Freikörperkultur schätzen die Textilfreiheit

Doch die Anhänger der FKK, der Freikörperkultur, einer Bewegung, die Ende des 19. Jahrhunderts entstand, hatten genug von zu viel verhüllendem Stoff.

Sie wollten bürgerlichen Zwängen entfliehen. Nackte Körper waren für sie ein Zeichen von Natürlichkeit. Irgendwie sollte das Ganze auch noch der Gesundheit dienen.

In der ehemaligen DDR, wo FKK wesentlich populärer war als in der Bundesrepublik, hießen Menschen, die dennoch Badekleidung trugen und die Hüllen nicht fallen lassen wollten, übrigens Textilbader – im Gegensatz zum Nacktbader.

Nackte Tatsachen

Nicht mal beim Arzt wird das Wort „nackt“ ausgesprochen. „Machen Sie sich mal frei“ ist eine gängige Aufforderung, den Körper für eine Untersuchung zu entblößen. Im übertragenen Sinn kommt das Wort „nackt“ allerdings häufig vor.

Symbolbild: Ein Mann hält nach außen gestülpte Hosentaschen an den Enden fest

Einem nackten Mann kann man nicht mehr in die Taschen greifen

Es gibt nackte Tatsachen, wenn jemand nichts als die Fakten meint. Man spricht von nackter, also reiner Gewalt. Wer mit nackter Haut davonkommt, dem wurde alles genommen.

Und einem nackten Mann, also jemandem, der gar nichts mehr besitzt, kann man dann auch nicht mehr in die Tasche greifen. Wer sich nackig macht, der verrät seine intimsten Geheimnisse. Wer dagegen blank zieht, dem rutscht nur die Hose herunter.

Nackt: vom Anfang bis zum Ende

Vielleicht packt ja den einen oder anderen bei einem solchen Anblick dann das nackte Grausen, vielleicht will er oder sie vor Scham im Boden versinken. Doch eins ist sicher: Geboren werden wir alle nackt, und nackt sind wir, wenn erst einmal das Totenhemd verrottet ist, am Ende alle auch.




Arbeitsauftrag
Was bedeutet für euch persönlich nackt zu sein? Sucht in kleinen Arbeitsgruppen Gründe für und gegen das Nacktsein und fertigt jeweils eine Liste mit Pro- und Kontraargumenten an. Diskutiert in eurer Arbeitsgruppe, inwieweit auch Gesellschaft und Religion Einfluss nehmen und wie sich das Thema in eurer Kultur darstellt.

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