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Verkehr

Maastricht: Per Tunnel durch die Innenstadt

Nach zehn Jahren Bauzeit ist "Avenue 2", der erste doppelstöckige Autobahntunnel Europas, eröffnet. Das Projekt zeigt, wie man dicht befahrene Stadtzentren in grüne Oasen verwandelt - nicht nur in Maastricht.

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Maastrichter Wundertunnel: Ein Vorbild für Europa

Beim Durchfahren des frisch eröffneten König-Willem-Alexander-Tunnels im Zentrum Maastrichts stellt man zunächst nichts Außergewöhnliches fest: Er wirkt wie ein herkömmlicher Tunnel. Nur mit viel Phantasie lässt sich erahnen, dass sich entlang der Tunneldecke eine zweite Tunnelebene befindet und darüber eine Grünanlage, wo bald das städtische Leben florieren soll.

Tunneleröffnung in Maastricht (DW/R. Kalus)

DW-Reporter Daniel Bellut im Gespräch mit Bart Grote

Als ich mich jedoch mit dem einen oder anderen Maastrichter unterhalte, kann ich schnell nachvollziehen, was den Tunnelbau so besonders macht. Die Menschen in der limburgischen Metropole haben die Fertigstellung des Bauprojekts herbeigesehnt. Denn Dauerstau und Straßenlärm standen hier auf der Tagesordnung. Aber auch im überregionalen Durchgangsverkehr war der stockende Verkehrsfluss ein Problem.

Wie eine Erlösung für Maastricht

Die A2 ist die wichtigste Autobahn der Niederlanden, und Maastricht ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte im Land. Wenn man mit dem Auto Richtung Süden unterwegs ist, führen nicht viele Wege an Maastrichts Zentrum vorbei. Das kann eine entnervende Erfahrung sein, denn für den Autobahnabschnitt von weniger als drei Kilometern brauchte man oftmals mehr als 30 Minuten. Unzählige Ampeln entlang der Autobahn sorgten für Stillstand. 

Damit soll nun Schluss sein: Der neue Tunnel beschleunigt die Durchquerung der Innenstadt auf nur drei Minuten. 80 Prozent des bisherigen Verkehrsaufkommens zwischen den Verkehrsknotenpunkten "Geusselt" und "Europaplein" werden unter die Erde verlegt.

Modellansichten Maastricht Tunnel (avenue2)

Oben Stadtverkehr, unten überregionaler Verkehr

Europas erster doppelstöckiger Tunnel

Was den Tunnel technisch so besonders macht, ist, dass er doppelstöckig ist: Es gibt vier Tunnelröhren auf zwei Ebenen. Auf der unteren Ebene ist der überregionale Verkehr unterwegs, auf der oberen der innerstädtische. 

Es ist die erste Konstruktion dieser Art in Europa, sagt Bart Grote, Projektmanager des Bauprojekts "Avenue 2": "Wir kamen zu dem Entschluss, dass es am sinnvollsten ist, den Durchgangsverkehr auf der Autobahn und den lokalen Verkehr zu trennen." Nur so blieben Autofahrer, die Maastricht durchfahren, nicht im Stau stecken. Auf der unteren Ebene sind 100 km/h gestattet, in den oberen beiden Röhren 80 km/h.  

Eine grüne Ader entsteht

Viel Zeit und Geld floss in das Megaprojekt. Zehn Jahre dauerte die Fertigstellung von der Planung bis zum Bau. Die technische Ausstattung verschlang gut eine Milliarde Euro.

Das Tunnelprojekt soll nicht nur den Verkehr geschmeidiger machen, sondern das Stadtzentrum auch grüner und lebenswerter. "Avenue 2" sind eigentlich mehrere Projekte in einem, sagt Grote. "Wir haben den Verkehr mit all seiner Luftverschmutzung und dem Lärm kurzerhand unter die Erde befördert. Stattdessen haben wir mitten im Stadtzentrum Lebensraum geschaffen. Durch diesen Grünstreifen erobern die Fußgänger und Radfahrer die Stadt zurück." 

Modellansichten Maastricht Tunnel (avenue2)

Grüne Allee statt Blechwüste

Ein von tausend Linden gesäumter Erholungsstreifen, eine Parkallee sowie Spazier- und Fahrradwege sollen oberhalb des Tunnels entstehen. Außerdem investiert ein großer niederländischer Baukonzern in circa 1100 Wohnungen, die entlang der neuen Grünfläche entstehen sollen. Ein neues Stadtviertel entsteht. 

Ein Vorbild-Projekt für Europa?

Würde sich ein solches Bauprojekt, das die Innenstadt verkehrsberuhigt und Grünflächen entstehen lässt, nicht in vielen europäischen Städten anbieten? Projektmanager Grote glaubt schon. Zwar habe jede Stadt ihre eigenen Bedürfnisse, aber europäische Städte haben oft das gleiche Problem: zu viele Autos, die durch das Stadtzentrum fahren.

Wie eine Studie des Verkehrsinformationsanbieters Inrix zeigt, ist Maastricht bei weitem nicht die einzige europäische Stadt mit einem Verkehrsproblem. Auch deutsche Städte sind von städtischen Staus betroffen. Im europaweiten Vergleich liegt Deutschland mit durchschnittlich 38 verschwendeten Stunden pro Autofahrer hinter Belgien und den Niederlanden auf dem dritten Platz. Gleich vier deutsche Städte befinden sich in den Top Ten der staureichsten Städte Europas.

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