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Deutschland

Maaß: "Die jungen Leute sind ohne Orientierung"

Beim Großeinsatz der Berliner Polizei gegen Islamisten ging es auch um Männer aus Tschetschenien und Dagestan. Über die potentiellen Gefahren dieser Gruppe spricht Kaukasus-Kenner Ekkehard Maaß mit der DW.

DW: Herr Maaß, bisher ist eine Islamistenszene aus dem Kaukasus in Deutschland nicht besonders in Erscheinung getreten. Was können Sie darüber sagen?

Maaß: Ich würde gar nicht von einer ausgeprägten Islamistenszene sprechen. Ich kann nur nach 18 Jahren Arbeit mit tschetschenischen Asylbewerbern und Flüchtlingen sagen, dass ich in den letzten ein, zwei Jahren eine stärkere Betonung der Religion beobachte. Das heißt, besonders junge Leute, die auch schon in Deutschland herangewachsen sind, sind ohne Orientierung, sind unsicher und haben Angst, dass sie das Paradies verfehlen. Und deswegen gehen sie auf Nummer sicher und lassen sich Bärte wachsen, die Frauen tragen plötzlich arabische Kleidung und Kopfumhüllungen, die nur das Gesicht frei lassen. Es ist schon auffällig, dass Religion eine größere Rolle spielt als früher. Aber sie sind deswegen nicht gleich Islamisten.

Könnte es einen Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen geben?

Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Aber es gibt hier junge Leute, die in bestimmten Moscheen in Kontakt kommen mit Islamisten. Und einige haben sich auch anwerben lassen, und ein paar wenige tschetschenische junge Leute aus Berlin sind auch nach Syrien gegangen.

Deutschland Asylbewerberin Havsa aus Dagestan in Berlin

Dagestanische Asylbewerberin in Berlin: "Die Rolle der Religion wächst."

Muss man von denen auch Anschläge hier in Deutschland befürchten?

Das glaube ich nicht. Wenn hier Tschetschenen zu irgendwelchen terroristischen Aktionen verleitet werden sollten, dann sind sie nach meiner Überzeugung angeleitet, ähnlich wie in Boston, von anderen Organisationen. Denn die Tschetschenen, die hierher kommen, sind Flüchtlinge, die aus ihrem Land geflohen sind, weil sie dort politisch verfolgt werden. Die wollen hier irgendwie überleben. Aber es gibt auch bei den Tschetschenen, die hier leben, eine starke Verärgerung über diese Karikaturen. Und ich bedaure, dass es bei den vielen wunderbaren Manifestationen, die wir jetzt erleben, eigentlich keine inhaltliche Diskussion dazu gibt. Man kann nicht einfach so tun, als gäbe es da kein Problem. Ich denke, dass fast alle Moslems durch diese Karikaturen beleidigt sind. Und das wird noch ein langer Prozess sein, bis diese Religion sich läutern wird und sich aus ihren aus dem Mittelalter stammenden Vorstellungen nach und nach löst und sich zu einer offenen und demokratischen Gesellschaft bekennen kann.

Hätten Sie Ratschläge, wie man mit Leuten speziell aus dem Kaukasus umgehen sollte?

Was ich mir für meine Leute in Berlin wünschen würde: Es würde die Tschetschenen in ihrer gemäßigten #link:http://de.qantara.de/inhalt/interview-mit-gerhard-schweizer-sufismus-ist-der-unbekannte-islam:Sufi-Tradition# bestärken, wenn sie eigene Räume hätten, eine eigene kleine Moschee, weil sie jetzt immer gezwungen sind, in arabische oder türkische Moscheen zu gehen. Denn es ist wichtig, dass man diesen jungen Menschen eine Orientierung gibt, und das sollen eigentlich die Älteren tun, die hier sind.

Ekkehard Maaß ist Vorsitzender der #link:http://www.d-k-g.de/:Deutsch-Kaukasischen Gesellschaft# in Berlin.

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