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Wirtschaft

Maßgeschneidert und hübsch gemacht

In der Regel wird ein Hut heute in Kaufhäusern von der Stange gekauft und nicht mehr individuell angefertigt. Aber es gibt sie immer noch, die Hutmacher und Modisten. Die alte Zunft für jede Art von Kopfbedeckung lebt.

Ein Hut gemacht von der Modistin Hannelore Mertesacker aus Bad Honnef (Foto: DW)

Hut von Hannelore Mertesacker

Hutmacher, Putzmacher, Modisten – sie alle haben eines gemeinsam: Sie fertigen Kopfbedeckungen an und gehören zu jener alten Zunft, die es schon im 14. Jahrhundert gab. Die Modistin hingegen befasste sich noch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der modischen Ausstattung von Kleidern. Eine der wohl berühmtesten des letzten Jahrhunderts war im übrigen Coco Chanel, die beides machte: Kleider und Hüte.

Doch die auf individuelle Kundenwünsche eingehenden Handwerker sind nicht mehr allzu häufig im Stadtbild zu finden. Hannelore Mertesacker ist eine Modistin, so werden die weiblichen Hutmacher heute genannt, die seit vierzig Jahren mit Leidenschaft Kopfbedeckungen aller Art herstellt.

Für die Oper hat sie gearbeitet und Auszeichnungen hat sie auch schon bekommen. Geschickt und einfallsreich erfüllt sie die Aufträge ihrer Kunden – mal aus Filz, mal aus Stoff, aus Leder, Pelz oder Stroh - nach dem Motto: "Sie haben den Kopf – und ich den Hut". Derzeit, so Hannelore Mertesacker, seien Kopfbedeckungen für Hochzeiten gefragt: "Ein bisschen angelehnt an die englische Hochzeit oder auch an die monegassische Hochzeit." Diese Ereignisse hätten dem Geschäft sehr gut getan, sagt sie.

Wenige Handwerksbetriebe in Deutschland

Wer die Haare geschnitten bekommt, geht zum Friseur, wer die Wände gestrichen haben will, sucht den nächsten Malermeister auf. Aber wer eine neue Kopfbedeckung braucht, der kommt vielfach heutzutage gar nicht mehr auf die Idee, in ein Hutfachgeschäft zu gehen: "Es gibt, in Deutschland insgesamt - ich will mich nicht auf die genaue Zahl festlegen - noch etwa 250 Handwerksbetriebe, die auch in der Handwerksrolle eingetragen sind."

Arbeitsplatz der Modistin Hannelore Mertesacker in Bad Honnef. Hutkopf aus Lindenholz. Copyright: DW/Monika Lohmüller

Auf dem Lindenholzkopf werden die Hüte gesteckt - das Holz der Linde ist sehr weich.

Im kleinen Laden der Modistin stapeln sich Kappen, Hüte mit breiten Krempen oder mit Deko-Blumen. Auch bunte Fascinators sind dabei. Und wer die noch nicht kennt, der sei nur an die britischen Royals erinnert. Dort waren und sind sie stets zu sehen, die Fascinators, jene Kopfreifen, auf denen mal mehr, mal weniger üppige bunte Federn das hübsche Ganze ausmachen.

Auszubildende sind nicht allzu schwer zu finden

"Hut machen" ist nicht nur ein altes, sondern auch ein ziemlich arbeitsintensives Handwerk. Aber, wie Hannelore Mertesacker erzählt, findet sie immer wieder eine junge Frau, die sich drei Jahre lang von ihr zur Modistin ausbilden lässt. Schließlich könnte das ja die erste Stufe auf der Karriereleiter in die Modebranche sein, wer weiß das schon?

Maß nehmen, Stoffe aussuchen, nähen, kreieren – im kleinen Atelier Mertesacker steht nicht nur die Nähmaschine, da liegen Bänder, Scheren, halbfertige Hüte, da gibt es auch einen Lindenholzkopf, auf dem die Hüte gefertigt werden. Lindeholz deshalb, weil es weich sei, sagt Hannelore Mertesacker, darauf ließen sich die Hüte gut stecken.

Kein Lehrberuf: das Puppenhandwerk

Ein weiteres altes Handwerk ist das des "Puppenmachers". Das lernt man weder in der Schule noch auf der Universität. Es ist kein Lehrberuf. Aber ohne Kurse, ohne jahrelange Beschäftigung mit Puppen, bekommt man keine Reparatur hin. Für Annemarie Beusing ist es ein Hobby. Sie würde ihre Kenntnisse gerne weiter geben, aber für die manchmal knifflige und zeitaufwendige Arbeit können sich nur wenige begeistern.

Puppen in Anna's Puppenstube (Puppendoktor), Inhaberin Annemarie Beusing in St. Augustin-Hangelar.. (Foto: DW)

Gefragt bei Sammlern sind beispielsweise immer noch Puppen von Schildkröt.

Annemarie Beusing hat bei Puppenmachern Kurse belegt, die ersten Reparaturen mit "learning by doing" verfeinert: "Und ich habe bestimmt eine halbe Wand voll Literatur über Puppen, Puppen herstellen und Puppen reparieren." Dabei sei das passende Werkzeug äußerst wichtig, sagt Beusing: "Man muss richtig ausgestattet sein, um es machen zu können."

Reparaturen sind nicht billig

In der "Praxis" von Annemarie Beusing werden Stoffkörper oder Celluloid-Puppen wieder hergerichtet. Manche sind fünfzig und mehr Jahre alt. Da wird eine Puppe neu aufgezogen, die andere bekommt neue Arme, Puppen werden frisch bemalt oder die Augen werden ersetzt. Die Reparaturpreise sind unterschiedlich und richten sich nach den Modellen und natürlich nach dem Zustand der Puppe. Es können Kosten entstehen von bis zu 350 Euro.

Dass was Annemarie Beusing macht, lässt Kinderaugen glänzen. Doch Kinder kommen in ihren Laden sehr selten, denn die wenigsten spielen noch mit Käthe-Kruse- oder Schildkröt-Puppen oder gar antiken Exemplaren. Davon gibt es in der Puppenausstellung Beusing jede Menge. Bei diesen nicht eben preiswerten Exemplaren lohne sich auch eine aufwendige Reparatur. "Es sind die alten Tanten wie ich", sagt Annemarie Beusing lachend, "die ihre Schmuckstücke aus längst vergangenen Jahrzehnten zu mir bringen." Vielleicht werden die Puppen ja wieder schick gemacht - für die Enkelkinder.

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