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Kultur

M wie Mutter

Die Künstlerin Eli Cortiñas Hidalgo reflektiert in ihrer Kunst eine Beziehung, die jeden angeht: die Eltern-Kind-Beziehung. Jetzt ist sie vom Bildungsministerium mit einem wichtigen Kunstpreis geehrt worden.

Eli Cortiñas blickt aus dem Fenster (Foto: Daniel Müller)

Portrait Eli Cortiñas

Eli Cortiñas Hidalgo ist etwas außer Atem, als wir uns bei ihrem Kölner Galeristen treffen, um ihre aktuelle Arbeit anzuschauen. Kein Wunder - denn die junge Künstlerin hat mittlerweile landesweiten Erfolg mit einer Mischung aus Video-Arbeiten und Collage-Bildern. Später wird sie in ihrem Atelier in Köln-Ehrenfeld mehr über sich erzählen. Zum Beispiel darüber, dass es für sie keine objektive Realität gibt, aber jeder seine ganz Eigene hat. Die Videoarbeit selber bleibt mir bis dahin problemlos im Gedächtnis haften.

Spannung zwischen Zweien

Videoarbeit Dial M For Mother zeigt Gena Rowlands in zwei Posen (Foto: Eli Cortinas)

Videoarbeit "Dial M for Mother"

Das elfminütige Zwei-Kanal-Video "Dial M for Mother", setzt sich stark mit Frauenfiguren auseinander. Bilder springen hin und her wie bei einem Tischtennis-Match oder ergeben eine breitformatige Fläche. Die amerikanische Schauspielerin Gena Rowlands ist – zusammengeschnitten aus mehreren Filmen des Regisseurs John Cassavetes – in den Bildern zu sehen: mal weinend, verzweifelt, dann wieder lächelnd und verklärt. Über den Bildern liegen ein penetrantes Telefonklingeln und eine spanische Telefon-Stimme. Eine spürbare Last liegt auf dem Szenario, etwas das den Betrachter nicht zu Ruhe kommen lässt.

Frühe Flucht von der Insel

Werkzeuge im Atelier Cortiñas (Foto: Daniel Müller)

Atelier Cortiñas

Eli Cortiñas Hidalgo ist im Februar 2009 für diese Arbeit mit dem Förderpreis für Bildende Kunst des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Bonn ausgezeichnet worden. Eine Bestätigung dafür, dass sie auf dem richtigen Weg ist – mit ihrem Thema. Das ist zunächst die Erinnerung, oder das, was wir als Erinnerung begreifen. Denn laut der Künstlerin könnte diese Erinnerung ja auch behauptet, also nur erdacht sein.

Warum sie sich über diese Frage Gedanken macht, erschließt sich teilweise aus ihrer Biografie. Sie wird 1976 auf der Kanaren-Insel Gran Canaria geboren und wächst weitgehend bei ihrer Großmutter auf. Mit 18 verlässt sie die Insel und landet schließlich in Dänemark, wo sie am European Film College studiert. Darauf geht sie nach Deutschland und arbeitet als Cutterin für TV-Produktionen und Experimentalfilme. 2003 beginnt sie ihr Studium an der renommierten Kunsthochschule für Medien Köln. Bei einem solchem Lebenslauf ist die Erinnerung - oder eben die behauptete Erinnerung - ungemein wichtig.

Mütter und Töchter versöhnt

Eli Cortinas arbeitet in ihrem Atelier (Foto: Daniel Müller)

Atelier Cortinas

Dass sie zu diesem Zeitpunkt gute zehn Jahre unterwegs ist, wird zum Treibstoff ihrer Inszenierungen. Eli versucht, sich an ihre Kindheit und ihre Familie zu erinnern und vor allem - etwas von diesen Erinnerungen zu behalten. Dabei spielt ihr das Bewusstsein einige Streiche. So behauptet sie jahrelang, sie habe keine Nachrichten von ihrer Mutter bekommen. Eines Tages findet sie in einem Karton einen Stapel mit Postkarten – von ihrer Mutter. Überhaupt ist, neben der Erinnerung, die Mutter und die Rolle der Frau eine weiteres wichtiges Thema.

In ‚Dial M for Mother’ reflektiert sie eine Mutter-Tochter-Beziehung, die ihre eigene, aber auch die jeder anderen Frau sein könnte. Basis für die Arbeit sind Telefongespräche mit ihrer Mutter, die sie über mehrere Jahre aufgezeichnet hat. Die Aussagen der Mutter montiert sie als Stimme aus dem Off, welche mit der Hauptdarstellerin Gena Rowlands scheinbar ein Telefongespräch führt.

In diesem Zwiegespräch verhandelt Eli Cortiñas Hildalgo die Rollen von Mutter und Tochter, zerrissen zwischen Verpflichtungen und Selbstverwirklichung. Das sind Themen, die nicht nur jede Frau angehen. Es sind Themen, die jedes Individuum ganz essenziell betreffen. Wie stehe ich zu mir und wie zu meinen Eltern? Kann ich mich loslösen und selbstständig agieren, ohne permanent mit meinen Prägungen konfrontiert zu sein?

Autor: Daniel Müller

Redaktion: Conny Paul