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Kultur

Münchner Residenztheater zeigt Stück über den Völkermord an den Armeniern

Ein brisantes Stück feiert am 13. Mai im Münchner Residenztheater Premiere: "Die vierzig Tage des Musa Dagh" nach dem Roman von Franz Werfel beschäftigt sich mit dem Völkermord an den Armeniern.

"Die Türkei ist für mich Heimat und Hölle zugleich", sagte Regisseur Nuran David Calis. Widerstand gegen sein Projekt "Die vierzig Tage des Musa Dagh" (Artikelbild) hat er allerdings bisher nicht erlebt. "Aber ich weiß nicht, was passiert, wenn ich das nächste Mal in die Türkei fahre." Calis, der armenische Wurzeln hat, scheint politisch brisante Themen zu mögen: In seinem Stück "Die Lücke" hatte er sich mit dem rechtsextremen NSU auseinandergesetzt - mit dem Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße aus dem Jahr 2004.

Streit um den Begriff "Völkermord"

Der türkische EU-Botschafter hatte vor einigen Wochen von der Europäischen Union gefordert, die Fördergelder für das Konzertprojekt "Aghet" zu streichen, das sich ebenfalls mit dem Völkermord an den Armeniern beschäftigt. Um das Jahr 1915 kamen schätzungsweise 800.000 bis 1,5 Millionen Angehörige der christlichen Minderheit im Osmanischen Reich ums Leben. Die Türkei als dessen Nachfolger sieht den Begriff "Völkermord" allerdings als ungerechtfertigte Anschuldigung.

Deutschland Regisseur Nuran David Calis, (c) picture-alliance/dpa/B. Schultejans

Regisseur Nuran David Calis

Der Autor Franz Werfel (1890-1945) hat in seinem Buch "Die 40 Tage des Musa Dagh" den Massenmord an den Armeniern thematisiert und so das Thema in Deutschland bekannt gemacht. Sein Werk erschien 1933, im selben Jahr wurden seine Bücher in Deutschland verbrannt, später floh er vor den Nazis nach New York. In Deutschland ist der in Prag geborene Autor relativ unbekannt – in Armenien wird er verehrt: Am Mahnmal Zizernakaberd in der armenischen Hauptstadt Jerewan wurde sein Name auf einer Gedenkplatte verewigt.

"Eine dramatische Zeit verlangt auch Dramatik"

Martin Kušej, der Intendant des Münchner Residenztheaters, will die Spielzeit 2016/2017 bewusst politisch gestalten: "Eine dramatische Zeit verlangt auch Dramatik. Wir haben versucht, eine klare politische Richtung einzuschlagen." Es sei erschreckend, "wie sehr sich plötzlich die Geschichte wiederholt", sagte Kušej mit Bezug auf die Erfolge der Rechtspopulisten in Europa - vor allem in seinem Heimatland Österreich: "Ich finde das alles höchst irritierend, was da passiert."

js/nf (dpa/Residenz Theater)

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