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Wirtschaft

München setzt auf erneuerbare Energien

Großstädte gehören zu den größten Verursachern von CO2-Emissionen. Die bayerische Landeshauptstadt München setzt deshalb als erste deutsche Millionenstadt konsequent auf die Nutzung erneuerbarer Energien.

Solaranlage auf den Dächern der Messestadt München Riem (Foto: dpa)

Solaranlage auf den Dächern der Messestadt München Riem

Der Vizepräsident des Deutschen Städtetages und Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (Foto: dpa)

Münchens Oberbürgermeister Dr. Christian Ude (SPD): Umweltfreundliche Energiegewinnung gefragt

Die Stadt München geht bei der Produktion erneuerbarer Energien mutig voran. Zwar setzt die Millionenstadt am Rande der Alpen auch künftig auf einen bezahlbaren Energiemix, der auch Strom aus traditionellen Kohlekraftwerken und Atomstrom umfasst, aber darüber hinaus hat man ehrgeizige Pläne. Die bayerische Landeshauptstadt mit ihren rund 1,3 Millionen Einwohnern will als erste deutsche Millionenstadt bis zum Jahr 2015 soviel Strom aus erneuerbaren Energien ins Netz einspeisen wie sämtliche Münchner Privathaushalte verbrauchen.

Ökologische Zielmarke 2025

Bis 2025 sollen die Münchner Stadtwerke SWM sogar soviel Ökostrom produzieren wie private Haushalte und das Gewerbe der Stadt gemeinsam verbrauchen. Die Stadt setzt dabei auf alle erneuerbaren Energien von der Solartechnik, über die Wasserkraft bishin zur Geothermie. Um die benötigten 7,5 Milliarden Kilowattstunden zu produzieren, muss die Stadt viel Geld in die Hand nehmen. Insgesamt sind Investitionen von neun Milliarden Euro geplant. Dazu muss sie sich auf einen finanzstarken und kalkulierbaren Investor verlassen können. Den glaubt Oberbürgermeister Christian Ude in den örtlichen Stadtwerken SWM gefunden zu haben, denn ganz bewusst hat die bayerische Landeshauptstadt im Gegensatz zu anderen Großstädten in Deutschland darauf verzichtet, den städtischen Energieversorger zu privatisieren.

Keine Energiepolitik ohne kommunalen Versorger

Wärmetauscher im geothermischen Heizwerk (Foto: Stadtwerke München)

Wärmetauscher im geothermischen Heizwerk der Messe

"Eine Stadt muss finanziell in der Lage sein, Förderprogramme etwa für das Energiesparen aufzulegen und sie muss eigene Stadtwerke besitzen, um dort Energiepolitik machen zu können", sagt der Sozialdemokrat, der in seiner Stadt energiesparendes Bauen und Renovieren mit jährlich zehn Millionen Euro fördert. Auch die Einführung der Solartechnik wird in der Kommune mit großzügigen Summen bezuschusst. An der Isar wird gegenwärtig ein neues Wasserkraftwerk gebaut, das 4000 Haushalte mit sauberem Strom beliefern wird. Schon früh hat die bayerische Landeshauptstadt auf die Nutzung regenerativer Energien gesetzt. Als Miteigentümer der Münchner Messe im Stadtteil Riem ist man schon seit 1997 Betreiber eine größten Solardachanlagen Europas. Die auf sechs Dächer verteilte Großanlage hat seit ihrer Inbetriebnahme weit über zehn Millionen Kilowattstunden Strom produziert, was dem Strombedarf von weiteren 4000 Privathaushalten entspricht.

Windkraft und Geothermie am Rande der Stadt

Früher galt München als energiepolitischer Exot. Zum Beispiel als man 1999 das von weithin sichtbare Öko-Wahrzeichen der Stadt auf dem Müllberg im Stadtteil Fröttmaning in Betrieb nahm. Dort, wo in 70 Meter Höhe ein etwas frischeres Lüftchen weht, generiert eine Windkraftanlage 2,3 Millionen Kilowattstunden Ökostrom. Allerdings nur bei durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von 5,3 Metern pro Sekunde, die sich andernorts im flachen Becken der Stadt nirgendwo erreichen lassen.

Die engen Grenzen der Wirtschaftlichkeit gelten auch für eine andere erneuerbare Energiequelle tief unter dem Meeresspiegel, die ein örtlicher Hobby-Höhlenforscher vor einiger Zeit für München entdeckt hat. Bei Temperaturen von etwa 90 Grad lässt sich Wasser sinnvoll als Wärmequelle für bestehende Fernwärmenetze nutzen. So warm ist das "kostbare Nass" im Erdinnern unter dem Stadtteil Riem, wo man nach Probebohrungen in bis zu 3000 Metern Tiefe sich vor einigen Jahren zum Bau des ersten kommerziell genutzten Geothermie-Heizwerks in Deutschland entschloss. Das Prinzip der Anlage ist denkbar einfach und wird so oder ähnlich heutzutage in 55 Ländern der Erde genutzt.

Energieträger heißes Wasser

Geothermieanlage, die mit einer Photovoltaikanlage gekoppelt ist (Foto: Stadtwerke München)

Die seit 2004 genutzte Geothermieanlage der Messe ist mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach gekoppelt

"Wir haben hier in dieser Tiefe eine Wassertemperatur von 90 Grad und wir greifen eigentlich nur dieses Wasser ab, indem wir es über Pumpen nach oben fördern und es an Wärmetauscher abgeben. Danach wird das Wasser abgekühlt wieder in den Wasserkreislauf zurückgegeben", erläutert Stephan Schwarz, Geschäftsführer für Versorgung und Technik bei den Stadtwerken München, die Betreiber der Anlage sind.

Das Einsparvolumen des mit einer Solaranlage gekoppelten Kraftwerks beläuft sich seit 2004 auf über 34.000 Tonnen CO2. Immerhin fast zehn Prozent dessen, was der Straßenverkehr Münchens in einem Jahr an CO2 Emissionen in die Luft abgibt. In einem nächsten Schritt wollen die Stadtwerke mit einer neuen Anlage im benachbarten Sauerlach, wo die Wassertemperatur in rund 4000 Meter Tief "heiße" 143 Grad beträgt, sogar Strom erzeugen. Auch bei diesem hochmodernen Verfahren wird nur der Energiegehalt des heißen Wassers genutzt.

Doch ebenso wie die Sonnenergie in Deutschland und die Windkraft in München ganz besonders unterliegt auch die Geothermie auf der begrenzten Fläche einer Stadt engen Nutzbarkeitsgrenzen. Deshalb investiert die Stadt München auch außerhalb der Region in Großanlagen zur Erzeugung von Energie aus erneuerbaren Quellen:

"Wenn man wirklich die erneuerbaren Energie im großen Stil nach vorne bringen will und nicht nur, indem man Mosaiksteinchen zu Mosaiksteinchen zusammenfügt, dann muss man dorthin gehen wo riesige Kapazitäten schlummern", sagt Oberbürgermeister Christian Ude. Aus diesem Grund beteiligt sich München auch an einem der größten Offshore-Windparks in der Nordsee und an einem solarthermischen Großkraftwerk in Andalusien, das 2011 ans Netz gehen soll. Die Kraftanstrengungen werden belohnt: im Monat Oktober wurde die bayerische Landeshauptstadt von der Agentur für Erneuerbare Energien zur Energiekommune 2009 gekürt.

Autor: Daniel Scheschkewitz

Redaktion: Klaus Ulrich