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Global Ideas

Müllentsorgung zur Klimarettung

Stinkende Müllhalden ohne nachhaltiges Konzept sind wahre Klimakiller. Sie stoßen Methan aus, das weit schädlicher ist, als CO2. Wie Mensch und Klima auch vom Müll etwas haben können, zeigen Beispiele aus Indonesien.

Eine riesige Müllhalde aus der Dampf steigt (Foto: Atmosfair)

In vielen Ländern türmt sich der Müll zu einem dampfenden Berg auf

Am Rand der indonesischen Stadt Tangerang steht eine Abfallanlage, die für das Glück der Menschen in ihrer Umgebung verantwortlich ist. Seit 2010 sorgt sie für saubere Straßen und neue Jobs. Auf 300 Quadratmetern wird hier Abfall gesammelt, sortiert und weiterverarbeitet, entweder im Recycling oder als Kompost. Täglich sind bis zu 15 Motorräder mit Anhängern in der Stadt unterwegs, um den Abfall einzusammeln, knapp 400 Kilogramm am Tag.

Ein Komposthaufen, in den Belüftungsschläuche geführt werden. (Foto: myclimate)

Bei der Kompostierung wird die Biomasse belüftet, damit kein Methan entsteht

Die Mitarbeiter der Anlage sortieren den Müll: Papier, Glas, Kunststoff, organische Abfälle – alles wird per Hand sorgfältig voneinander getrennt. Was recycelt werden kann, geht zurück in den Handel. Einige Menschen fertigen sogar vor Ort nützliche Dinge daraus, etwa Portemonnaies oder Taschen aus alten Plastiktüten oder Saftkartons. Organische Abfälle,wie Obstschalen oder Gemüse- und Getreidereste werden kompostiert und später als Dünger verkauft. Vor allem Baumschulen und Gärtnereien gehören zu den Kunden, die den natürlichen Dünger in Säcken kaufen. Nur ein Drittel des Abfalls kann nicht verwertet werden und landet doch auf der Deponie.

Einwohner nehmen Müllproblem selbst in die Hand

Für die Menschen des Dorfes hat die Müllsortierstelle ein neues wirtschaftliches Standbein geschaffen, auf das sie bauen können. Dass sie dabei auch noch einen Beitrag zum Klimaschutz liefern, geschieht quasi nebenbei. Denn mit ihrer Arbeit verringern sie die Methanemissionen, die auf einer Müllhalde entstehen. Methan hat auf das Klima eine mehr als 20-fach schädliche Wirkung als CO2. In Tangerang sind es mehr als 130 Tonnen Methan im Jahr, die eingespart werden, sagt die Entwicklungsorganisation „BORDA Germany“.

Ein Müllberg vor einer Baracke (Foto: myclimate)

Vor dem Umbau zur Kompostierungsanlage war das Grundstück eine Müllhalde

Sie war es auch, die die Einwohner von Tangerang bei der Errichtung ihrer Anlage unterstützt hat. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet die vom Bundesentwicklungsminsterium finanzierte Einrichtung an der Verbesserung der Lebensumstände in ärmeren Ländern. „Es gibt zwar eine städtische Müllentsorgung in Indonesien, die ist aber ineffizient“, sagt ihr Direktor Andreas Ulrich. Pro Tag entstünden dort tausende Tonnen Müll. „Die öffentlichen Einrichtungen sind damit überfordert.“

Auch auf der indonesischen Insel Bali nehmen die Menschen das Müllproblem inzwischen selbst in die Hand. Seit 2008 steht im Dorf Temesi eine Kompostierungsanlage. 85 Prozent der Abfälle hier sind aus organischem Material und können zu natürlichem Dünger verarbeitet werden. Fünf Prozent des Mülls bestehen aus recycelbaren Stoffen und nur zehn Prozent landen auf der Halde.

Ablasshandel für den Kompost

Für die Einwohner ist dieses Kompostierungsprojekt ebenfalls eine gute Chance, um Geld zu verdienen. „Das Problem ist jedoch, dass energieaufwändig produzierter Kunstdünger immer noch staatlich subventioniert wird“, sagt Thomas Finsterwald, der für die Schweizer Organisation „myclimate“ das Recyclingprojekt betreut. „myclimate“ finanziert die Anlage auf Bali mit. Der dabei eingesparte Ausstoß von Treibhausgasen, rund 350 Tonnen Methan pro Jahr, wird in Form von Zertifikaten beispielsweise an Reiseveranstalter verkauft, die damit den CO2-Ausstoß von Flugreisen kompensieren.

Eine Arbeiterin mit Mundschutz schüttet pflanzliche Abfälle in einen riesigen Komposthaufen (Foto: myclimate)

Die sinnvolle Müllverwertung schafft Arbeitsplätze für die Bewohner

Mit den Projekten in Tangerang und auf Bali hat sich auch die Einstellung der Menschen zum Müllproblem geändert. Jetzt lernen bereits Schulkinder, welche Bedeutung Mülltrennung und Kompostierung haben. Und mit den Einnahmen und Arbeitsplätzen kommt auch ein Stück Wohlstand in die Regionen. Dadurch sind sie auch bereit und in der Lage, die Betriebskosten zu übernehmen. So zahlt in Tangerang jede Familie umgerechnet ein Euro im Monat. Das durchschnittliche monatliche Haushaltseinkommen beträgt hier etwa 150 Euro.

Die deutsche Organisation „BORDA Germany“ sieht eine große Chance, dass solche Ideen Schule machen werden. Sie hat bislang 120.000 Euro in 15 derartige Projekte in Indonesien investiert. „Die Vorteile haben sich schon herumgesprochen. In fünf Jahren könnten es allein in Indonesien tausende solcher Anlagen geben“, sagt Direktor Andreas Ulrich. Und auch weltweit gibt es Potenzial: „BORDA Germany“ schätzt, dass 2025 weltweit 1,8 Millionen Tonnen Müll entstehen, pro Tag.

Autor: Po Keung-Cheung
Redaktion: Klaus Esterluss

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