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Raumfahrt

Müllabfuhr gegen Weltraumschrott?

Die europäische Raumfahrtagentur ESA will die Trümmerteile aus dem All-Verkehr ziehen. Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries fordert sogar internationale Regeln zur Entsorgung von Weltraumschrott.

Schrottplatz Weltraum (picture alliance/ESA/dpa)

Schrottplatz Weltraum

"Beim Thema Weltraumschrott können wir nur gemeinsam vorangehen", erklärte Zypries, die auch Beauftragte der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt ist, zum Abschluss einer Konferenz beim Europäischen Raumflugkontrollzentrum Esoc in Darmstadt. "Die Vermeidung und Reduzierung von Weltraumschrott ist eine globale Aufgabe, der sich alle stellen müssen, die den Weltraum nutzen wollen." Zypries erklärte, das Problem könne nur durch ein "verbindliches internationales Regelwerk" gelöst werden. Nur so könne sichergestellt werden, dass auch zukünftige Generationen die Raumfahrt umfassend nutzen könnten. Noch fehle "ein internationales Regelwerk, dass Weltraumschrott innerhalb von 25 Jahren wieder in die Erdatmosphäre eintauchen und verglühen muss", sagte Manuel Metz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR auf der Konferenz.

Mit einer Art Müllabfuhr im All wollen Raumfahrtagenturen Weltraumschrott aufräumen. Greifarme und Netze zum Einfangen etwa ausgedienter Satelliten "sollen in wenigen Jahren im All demonstriert werden", sagte der Leiter der Konferenz, Holger Krag von der europäischen Raumfahrtagentur ESA. "Wir müssen zeigen, dass wir es können. Vorher wird niemand die Technologie einsetzen."

Die Beseitigung großer Teile sei "notwendig, selbst wenn die Strategie zur Vermeidung von neuem Weltraumschrott konsequent umgesetzt wird." Eine Müllabfuhr im All soll das nach dem US-Experten Donald Kessler benannte Kessler-Syndrom verhindern. Bezeichnet wird damit eine unkalkulierbare Kettenreaktion durch Kollisionen, die die Raumfahrt lahmlegen könnte: Trümmerteile stoßen gegeneinander und erzeugen noch mehr Trümmerteile.  

Wucht einer Handgranatenexplosion

Die ESA will sich auch einen eigenen Überblick über die Gefahr im All verschaffen. Etwa 18.000 Trümmerteile seien groß genug, um überwacht werden zu können, sagte Krag. Bisher gebe es nur Daten aus den USA. "Wenn wir es in Europa schaffen, zu einem einheitlichen Ansatz zu gelangen, haben wir mittelfristig die Chance, hier zu einer europäischen Autonomie zu kommen." Per Radar und Teleskop soll darüber hinaus auch das Ausmaß der kleinen Trümmerteile erfasst werden, über deren Zahl es bisher nur Schätzungen gibt. Laut ESA wird davon ausgegangen, dass es rund 166 Millionen Trümmerteile gibt, die zwischen einem Millimeter und einem Zentimeter groß sind. "Die kleinen Teile sind auch gefährlich", sagte Krag. Etwas größere, die geschätzten über 750.000 Objekte zwischen einem und zehn Zentimetern Durchmesser, können bei einem Aufprall mit einer Geschwindigkeit von 40.000 Stundenkilometern die Wucht einer Handgranatenexplosion haben. 

An der Konferenz im ESA-Satelliten-Kontrollzentrum nahmen rund 400 Teilnehmer aus allen wichtigen Raumfahrtnationen teil. Die Veranstaltung gilt als weltweit größte und wichtigste zum Thema Weltraumschrott. Das Treffen gibt es seit 1993 alle vier Jahre.

mas/kle (afp, dpa)