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Kultur

Mühsame Restaurierungsarbeiten

In Köln bemühen sich nach wie vor hunderte Helfer um die verschütteten Kulturgüter des eingestürzten Stadtarchivs. Noch kann der finanzielle Schaden nur schwer beziffert werden.

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Unter einer meterdicken Schicht aus Schutt liegen die Schätze des Kölner Stardtarchivs vergraben

In ersten vorsichtigen Schätzungen rechnet Kölns Kulturdezernent Georg Quander mit 400 Millionen Euro. Doch kann man einen solchen Schaden überhaupt beziffern? Die Bestände des Kölner Stadtarchivs gelten als unersetzlich. Und so räumt auch Quander ein, dass diese Millionensumme "in keiner Relation zu dem geistigen Wert" stehen. Noch ist nicht abzusehen, welche Dokumente, Urkunden, Fotos, Bücher und historischen Gegenstände überhaupt wieder gefunden werden, geschweige denn in welchem Zustand sie sich befinden.

Stadtarchiv in Köln Gebäudeeinsturz Luftaufnahme

Schwierige Suche nach Dokumenten - die Trümmer des Kölner Archivs

Bisher hat man kaum mehr als zwanzig Prozent der Bestände aus den Trümmerbergen herausholen können. Mit Lieferwagen wird das geborgene Archivmaterial dann in verschiedene Lagerhallen in Köln und Umgebung gebracht. Ein Team von 20 Restauratoren wurde gebildet, um erste Maßnahmen zur Bestandsaufnahme und Sicherung zu ergreifen. Im nahen Brauweiler liegt ein renommiertes Zentrum für die Restaurierung von beschädigten Kulturgütern. Dort wird ein Teil des Kölner Archivs eingelagert um später von Expertenhand wiederhergestellt zu werden.

Zwischenlager in Münster

Andere Bestände kommen nach Münster in das dortige Staatsarchiv. So sieht es ein Nothilfeplan des Landes Nordrhein-Westfalen vor. Hier werden Akten und beschädigte Archivmaterialien in Folie eingeschweißt, danach schockgefroren und anschließend in Kühlhäusern zwischengelagert. Ein übliches Verfahren. In einer speziellen Anlage werden die Dokumente aus Köln dann einem Vakuum ausgesetzt. Das Ergebnis: das Eis wird zunächst in Gas umgewandelt und anschließend abgesaugt. So wird verhindert, dass Schimmelungsprozesse voranschreiten oder die Materialien verklumpen und verkleben.

Kernspintomograf NMR MOUSE

Bei der Wiederherstellung wird auf neueste Technik zurückgegriffen

Im Anschluss an dieses Verfahren können dann Schmutz und Schlamm entfernt werden. Die Kölner Archivbestände waren ja nicht nur unter den Trümmerbergen begraben, sondern zusätzlich noch durch die tagelangen Regenfälle an der Unglücksstelle in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Arbeit der Restauratoren wird Jahre dauern. Manche Experten sprechen gar von drei Jahrzehnten.

Große Solidarität

Ein kleiner Trost für die Kölner: Hilfe und Hilfsangebote kommen aus dem ganzen Bundesgebiet und vereinzelt sogar aus dem Ausland. Auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat seine Unterstützung zugesichert. Vor allem auch die Leiter anderer deutscher Archive wollen helfen. Michael Knoche, Direktor der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar, die 2004 bei einem Brand zu großen Teilen zerstört wurde, bezeichnete die Kölner Katastrophe als "Heimsuchung von biblischem Ausmaß, ein neuer dramatischer Verlust unserer nationalen Überlieferung".

Bildkombo Jacques Offenbach Heinrich Böll und Konrad Adenauer Stadtarchiv Köln

Offenbach - Böll - Adenauer: Beim Einsturz des Archivs sind große Bestände vernichtet worden.

Daher werden die sich abzeichnenden Restaurierungsarbeiten, inzwischen als nationale Angelegenheit eingestuft. Schließlich befanden sich in dem riesigen Archivbau nicht nur Dokumente aus den letzten 1000 Jahren Kölner Stadtgeschichte. Was allein schon Unglück genug wäre. Köln war bis ins 15. Jahrhundert die größte und wichtigste Stadt des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nationen. Auf den 30 Regalkilometern lagerten aber auch wertvolle Urkunden zur Kirchengeschichte, Dokumente zur europäischen Rechts- und Wirtschaftshistorie sowie die Nachlässe zahlreicher berühmter Persönlichkeiten aus Politik und Kultur wie die des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll, des früheren Bundeskanzlers Konrad Adenauer oder des Komponisten Jacques Offenbach. "Für das deutsche Archiv-Wesen ist das ein Super-Gau" - brachte es Marcus Stumpf, Leiter des Archivamtes für Westfalen, auf den Punkt.

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