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Politik

"Mücken kann man nicht einsperren"

Sabine Raddatz ist Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums Nordrhein-Westfalen. Das westdeutsche Bundesland ist am stärksten von der Blauzungenkrankheit betroffen und hier trat die Seuche zuerst auf.

Schafe auf der Weide, Quelle: dpa

Bei Schafen ist der Virus in diesem Jahr besonders aggressiv

DW-WORLD.DE: Was ist die Blauzungenkrankheit?

Sabine Raddatz: Eine reine Tierseuche, von der vor allem Rinder, Schafe und Ziegen betroffen sind. Für den Menschen ist sie nicht gefährlich. Ihr Ursprung liegt in Afrika, in Europa trat eine spezielle Form des Virus im Sommer letzten Jahres in den Niederlanden auf. Kurze Zeit später gab es hierzulande dann die ersten Fälle in den Grenzregionen. Nordrhein-Westfalen ist in Deutschland am stärksten betroffen, aber auch in anderen Bundesländern erkranken Tiere. Typisch ist Schaum vor dem Mund, die Zunge schwillt an und bekommt die typische blaue Farbe, die der Krankheit ihren Namen gibt. Bei weiblichen Tieren ist zudem die Milchproduktion durch ein Anschwellen der Euter deutlich beeinträchtigt. 2007 scheint der Virus im Gegesatz zum Vorjahr aggressiver geworden zu sein, es gibt deutlich mehr Erkrankungen und Todesfälle - vorallem bei Schafen.

Wie kam der Virus nach Europa?

Stechmücke, Quelle: dpa

Stallpflicht und Insektizide bieten keinen 100-prozentigen Schutz

Man vermutet, dass der Virus über Tiere für einen Wildpark in den Niederlanden eingeschleppt wurde - sicher ist das aber nicht. Die heimische Stechmücke gibt den Virus zumindest weiter und verbreitet ihn. Genau das macht die Bekämpfung der Krankheit so schwierig - eine Mücke kann man schließlich nicht einsperren. Das Einrichten von Schutzzonen oder das Keulen der Tiere - Maßnahmen, die normalerweise gegen Tierseuchen eingesetzt werden - bringen da nichts. Die Mücke fliegt über Landes- und Staatengrenzen, sitzt in den Ställen, dagegen ist nichts auszurichten.

Ist der Klimawandel für die Ausbreitung der Seuche verantwortlich?

Indirekt ja. 60 Tage Frost sind notwendig, um die Mückenpopulation abzutöten. Damit wäre die Verbreitung im Prinzip gestoppt, denn die Larven übertragen den Virus nicht. Denken wir allerdings an den letzten Winter, wird schnell klar: Da gab es kaum Frost, viele Mücken haben überlebt und tragen den Virus weiter in sich.

Welche Maßnahmen werden gegen die Seuche getroffen?

Rind mit Blauzungenkrankheit, Quelle: dpa

'Einfach drauf los impfen geht nicht' - erst muss die EU Richtlinien verabschieden

Viele private Pharmaunternehmen forschen gerade an einem Impfstoff. Mit dem Durchbruch rechnen wir allerdings erst im nächsten Frühjahr. Danach müssen die Maßnahmen noch mit der Europäischen Union abgestimmt werden, wenn wir nämlich einfach drauf los impfen würden, könnten wir das Fleisch nicht mehr verkaufen. Man kann nicht mehr unterscheiden, ob geimpft wurde oder das Tier erkrankt ist ist.

Man könnte denken - wenn das Virus für den Menschen nicht ansteckend ist, ist es auch nicht so schlimm.

Das sehe ich anders. Gerade den Tierhaltern bringt die Seuche große finanzielle Einbußen. Erkrankte Tiere sterben zwar nicht immer, oft ordnen jedoch Amtstierärzte die Tötung an, um ihnen weiteres Leid zu ersparen. Der Wert des Tiers wird in der Regel von der Tierseuchenkasse gezahlt. Aber ein Zuchtbulle zum Beispiel bringt ja auch Folgeeinnahmen, die dann wegfallen. Letztlich hat die Politik aber auf die Einführung des Impfstoffs kaum Einfluss, das liegt in der Verantwortung der forschenden Pharmaunternehmen. Ist der Impfstoff aber einmal da, werden wir uns dafür stark machen, dass er schnell und flächendeckend eingesetzt wird, denn nur so ist die Blauzungenkrankheit zu stoppen.