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Europa

Mörderisch und komplex: Terrornetz in Belgien und Frankreich

Die Verästelungen des belgisch-französischen Terrornetzwerkes werden immer deutlicher. Wer verübte die Taten? Wer baute die Bomben? Wer gab die Kommandos? Wer sind die Helfer? Ein Überblick.

Die Attentate auf den Flughafen und die U-Bahn-Station in Brüssel wurden von drei Belgiern und einem bislang Unbekannten verübt. Zwei der Attentäter haben sich in der Schalterhalle des Flughafens in die Luft gesprengt. Der dritte Flughafen-Attentäter ist offenbar auf der Flucht. Die Polizei hat Bilder und Videos der Überwachungskameras auf dem Flughafen veröffentlicht. Sie zeigen einen Mann mit dunklem Sonnenhut, Brille und weißer Jacke.

Belgien Terroranschläge in Brüssel Fahndung Verdächtiger (Foto: picture-alliance/dpa/Federal Police)

Der dritte Flughafen-Attentäter auf dem Polizeivideo

Die zwei toten Selbstmord-Attentäter vom Flughafen wurden von der Staatsanwaltschaft als Najim Laachraoui und Ibrahim El Bakraoui identifiziert. Der vierte Attentäter, der sich an der U-Bahn-Station Maelbeek in die Luft gesprengt hat, Kalid El Bakraoui, ist Ibrahim El Bakraouis Bruder.

Vier Attentäter in Brüssel, einer flüchtig

Die Bakraoui-Brüder standen mit Salah Abdeslam in Verbindung, der der einzige überlebende Attentäter der Anschläge von Paris vom 13. November 2015 ist. Salah Abdeslam wurde vor den Anschlägen von Brüssel in seinem Unterschlupf in Brüssel-Molenbeek verhaftet. Wenige Tage zuvor konnte er aus einer Wohnung in Brüssel-Forest fliehen. Dort erschoss die Polizei den Algerier Mohammed Belkaid. Von ihm wird vermutet, dass er einer der Organisatoren und Drahtzieher des Terror-Netzwerkes war.

Video ansehen 02:42

Belgiens Behörden unter Druck

Ein Augenzeuge sagte der Deutschen Welle einen Tag nach dem Anschlag in der U-Bahn-Station Maelbeek, er habe neben Kalid El Bakraoui einen weiteren Mann mit verdächtigem Koffer auf dem Bahnsteig gesehen. Es gibt Spekulationen in belgischen Medien, dass Kalid El Bakraoui nicht alleine gehandelt hat.

Enge Verbindung zwischen Brüssel und Paris

Brüssel Terroranschläge Fahndung Verdächtige Najim Laachraoui (Foto: Reuters/Belgian Federal Police/Handout via Reuters)

Bombenbauer Laachraoui

Eine wichtige Rolle sowohl bei den Anschlägen in Paris als auch in Brüssel spielte der Selbstmord-Attentäter Najim Laachraoui. Er soll die Sprengstoff-Gürtel für die Pariser Attentäter und die Nagelbomben gebaut haben, die in Brüssel verwendet wurden. In den konspirativen Wohnungen in Brüssel-Schaerbeek, in der die Bomben hergestellt wurden, haben die Ermittler DNA-Spuren von Laachraoui gefunden. Laachraoui und Salah Abdeslam hatten Kontakte zu dem Mann, der als der Planer der Anschläge von Paris gilt: Abdelhamid Abaaoud. Er stammt wie Abdeslam aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek, in den immer wieder viele Spuren führen. Abdelhamid Abaaoud wurde fünf Tage nach den Terror-Attacken in Paris am 18. November 2015 bei einer Polizei-Razzia im Pariser Stadtteil Saint Denis erschossen.

Abdelhamid Abaaoud soll nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden und des Brüsseler Terrorismus-Forschers Claude Moniquet auch Kontakt mit den Attentätern gehabt haben, die 2014 das jüdische Museum in Brüssel, im April 2015 eine Kirche in Villejuif (Frankreich) und den Thalys-Schnellzug auf der Fahrt nach Paris im August 2015 überfallen haben.

Suche nach Helfern und Helfershelfern

Die belgischen und französischen Polizeibehörden haben nach den Anschlägen von Paris und Brüssel noch eine ganze Reihe dringend Tatverdächtiger bei Razzien festgenommen. Im Januar 2015 wurde eine Terrorzelle in Verviers (Belgien) ausgehoben, die ebenfalls in Kontakt mit Abdelhamid Abaaoud stand. In Molenbeek wurden am 18. März, also vier Tage vor den Anschlägen von Brüssel, neben Salah Abdeslam drei weitere Männer und zwei Frauen inhaftiert. In den letzten Tagen wurden in Brüssel und weiteren belgischen Städten Verdächtige festgenommen, befragt und zum Teil auch wieder freigelassen.

Abdelhamid Abaaoud (Foto: Reuters)

Kopf der Terrorgruppe: Abdelhamid Abaaoud

Auch der zunächst dringend tatverdächtige Belgier Faycal Cheffou wurde aus der Haft entlassen. Gegen ihn wird aber weiter wegen terroristischer Aktivitäten ermittelt. Belgische Medien hatten spekuliert, Cheffou sei der "Mann mit Hut", also der dritte, womöglich flüchtige Attentäter vom Brüsseler Flughafen. Die Staatsanwaltschaft hatte diese Vermutung nie bestätigt.

Weiterer Anschlag in Paris vereitelt

Die französische Polizei hat kurz nach den Attentaten in Brüssel nach eigenen Angaben einen weiteren Anschlag in Paris verhindert. Sie nahm am Donnerstag Reda Kriket in einem Vorort von Paris fest. Kriket soll in Verbindung mit dem Chefplaner des Terrornetzwerkes, Abdelhamid Abaaoud gestanden haben. In Krikets Wohnung wurden Waffen und der Sprengstoff TATP gefunden. TATP kam auch bei den Attentaten in Brüssel zum Einsatz. Der Franzose Kriket hatte auch in Brüssel gelebt.

Die Polizei in Rotterdam nahm einen algerischstämmigen Franzosen fest, der zur gleichen Islamisten-Zelle gehört haben soll wie Reda Kriket. Beide hätten gemeinschaftlich einen neuen Anschlag in Frankreich geplant, hieß es von der französischen Staatsanwaltschaft. Zu der Gruppe soll ein weiterer Mann gehört haben, der wiederum von der belgischen Polizei am Donnerstag in Brüssel-Schaerbeek an einer Straßenbahnhaltestelle angeschossen und überwältigt wurde.

Typische Täter: Junge Söhne nordafrikanischer Migranten

Frankreich Festnahmen Terrorverdächtige in Argenteuil (Foto: picture-alliance/AP Photo/F. Mori)

Anschlag verhindert: Festnahme von Terrorverdächtigen in einem Pariser Vorort

Abdelhamid Abaaoud, der in St. Denis von der Polizei erschossen wurde, und Salah Abdeslam, der in Belgien in Untersuchungshaft sitzt, stammen beide aus Molenbeek und waren seit ihrer Jugend befreundet. Beide gingen als dschihadistische Kämpfer nach Syrien. Eine ganze Reihe weiterer Attentäter, die hier genannt wurden, waren ebenfalls in Syrien. Mindestens zwei der neun Attentäter, die in Paris gemordet haben, waren als Flüchtlinge getarnt über die Balkanroute aus Syrien nach Belgien beziehungsweise Frankreich zurückgekehrt. Die meisten Terroristen waren oder sind belgische und französische Staatsbürger, die aus maghrebinischen Familien stammen.

Das bislang bekannte Netzwerk aus islamistischen Attentätern, das sich in Belgien und Frankreich ausgebreitet hat, bestand aus 40 bis 50 Personen. Das geht aus einer Übersicht des Terrorismus-Experten Claude Moniquet hervor. Rund die Hälfte der Männer ist inzwischen tot. Mindestens zwei sind auf der Flucht. Zehn bis 15 sitzen in Untersuchungshaft. Wie viele Männer aber im Hintergrund agieren, neue Zellen bilden und Dschihadisten anwerben, ist unklar. Allein aus Belgien sind Hunderte junge Männer als islamistische Kämpfer für die Terrorarmee des sogenannten "Islamischen Staates" nach Syrien gegangen.

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