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Aktuell Europa

Möglichst große Verluste vor Waffenruhe?

Trotz der Einigung von Minsk geht das Blutvergießen an vielen Fronten der Ostukraine weiter. Vor der vereinbarten Waffenruhe könnten die Separatisten versuchen, das eingekesselte Debalzewe einzunehmen.

Schon unmittelbar nach der Einigung auf einen Friedensfahrplan für den Osten der Ukraine war genau dies befürchtet worden: Beide Konfliktparteien versuchen, bis zum Beginn der vereinbarten Feuerpause dem Gegner noch möglichst große Verluste zuzufügen und möglichst viel Gelände gut zu machen. Regierungsarmee und prorussische Separatisten meldeten am Freitag beide heftige Gefechte und Opfer bei Kämpfern und Zivilisten.

Gefechte an vielen Frontabschnitten

In den vergangenen 24 Stunden seien acht Soldaten getötet und 34 weitere verletzt worden, berichtete ein Armeesprecher in Kiew. Stellungen des Militärs seien in der Nacht "mit derselben Intensität wie zuvor" beschossen worden. Die Verwaltung der prorussischen Rebellenhochburg Luhansk teilte mit, bei einem Beschuss der Stadt seien drei Zivilisten ums Leben gekommen und mehrere verletzt worden. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete von Raketeneinschlägen und Artilleriefeuer in der von Separatisten kontrollierten Stadt Donezk.

Besonders verbissen gekämpft wird im Raum Debalzewe. Nach Angaben Moskaus sitzen dort bis zu 8000 ukrainische Soldaten in einem Kessel fest. Beobachter rechneten damit, dass die prorussischen Milizionäre bis zum Inkraftreten der Waffenruhe in der Nacht zum Sonntag noch einen Anlauf nehmen, die Stadt einzunehmen. Das ukrainische Militär und Korrespondenten in der Nähe der Front meldeten immer wieder massiven Beschuss des Eisenbahnknotenpunkts.

Moskau macht gute Stimmung

Die Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs, der Ukraine und Russlands hatten sich am Donnerstag in Minsk auf einen Friedensplan verständigt. Ein Sprecher des Präsidialamts in Moskau sagte laut Meldung der Nachrichtenagentur RIA, Russland gehe davon aus, dass die Vereinbarung diesmal auch tatsächlich umgesetzt werde. Die Teilnehmer des Minsker Gipfels stünden wegen der Krise in Kontakt und dürften sich in den kommenden Tagen wohl zu einem weiteren Telefonat verabreden.

Der russische Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew wurde von Reportern in Moskau sogar mit den Worten zitiert, die Vereinbarungen von Minsk seien "ernsthaft und substantiell", so dass man jetzt im Westen über eine Aufhebung der Sanktionen nachdenken könne.

SC/fab (APE, afp, rtr, dpa)