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Politik

Möglicher Neuanfang

Mit dem ratifizierten Friendensplan gibt es endlich Hoffnung auf eine Ende der Gewalt im westafrikanischen Bürgerkriegsland Elfenbeinküste. Ein Kommentar von Heinrich Bergstresser.

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Wohl noch nie versammelten sich so viele afrikanische Staats- und Regierungschefs außerhalb Afrikas, wie am Wochenende (24.-26.1.) in Marcoussis, in der Nähe von Paris, um eine schwere und bedrohlicher werdende Krise im Kakaoland Nummer Eins zu bekämpfen.

Das seit September vorigen Jahres brennende Cote d´Ivoire (Elfenbeinküste) erzwang eine konzertierte internationale Initiative, um einen Flächenbrand in der westafrikanischen Region zu verhindern. Das ausgerechnet Frankreich die Gastgeber-Rolle spielte, mag für viele Afrikaner bitter sein. Aber die Zeit drängte. Und nur die ehemalige Kolonial-Macht des Krisen-Landes Cote d´Ivoire bot kurzfristig die Möglichkeiten, den Brand zumindest unter Kontrolle zu bekommen. An ein Löschen des Brandes kann man allenfalls in einigen Monaten zu denken beginnen.

Die Erkenntnis, dass eine solche Krise wie in der Cote d´Ivoire für das Krisen-Management der Afrikanischen Union ein bis zwei Nummern zu hoch ist, lehrte zweierlei: Führende afrikanische Politiker sind lernfähig geworden. Besonders dann, wenn einigen von ihnen das Wasser bis zum Hals steht. Und wenn die UN sich direkt engagiert, wie im vorliegenden Fall durch ihren Generalsekretär Kofi Annan, sind sie mangels echter Alternativen im Zweifelsfall auch bereit, Hilfs-Angebote der ehemaligen Kolonial-Macht anzunehmen, auch wenn dies Macht-Einschränkungen und vielleicht sogar den Macht-Verlust nach sich zieht.

Die Zeit für den ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo jedenfalls läuft ab. Denn dieses Amt bekleidet der mit äußerst dubiosen Mitteln an die Macht gelangte Gbagbo Dank Frankreichs Gnaden. Denn französische Soldaten konnten den Vormarsch der Rebellen auf die Metropole Abidjan in letzter Minute gerade noch verhindern.

Aber es läutet auch das Ende der Ivorité ein, einer Abstammungs- und Staatsbürgerschafts-Ideologie, die einen Großteil der Bevölkerung - vornehmlich aus dem Norden - ausgrenzte. Diese Ivorité erzeugte einen tiefen Riss in der multiethnischen und multireligiösen Gesellschaft, machte Hundert-Tausende von Bewohnern zu Fremden im eigenen Land und lieferte den politischen Spreng-Stoff, der sich schließlich vor einigen Monaten entlud und eine ganze Region erschütterte.

Präsident Gbagbo und die traurigen Reste der ivorischen Armee müssen sich die Macht nun mit denjenigen teilen, die sie schon lange vor dem Rebellen-Aufstand bekämpft und von jeder berechtigten politischen Teilhabe an der Macht ausgegrenzt haben. Ob dieser Versuch erfolgreich sein wird, ist fraglich, auch wenn sich die internationale Gemeinschaft so massiv wie nie zuvor ins Zeug legt.

Aber einen gangbareren Weg gibt es zur Zeit wohl nicht: einen halbwegs friedlichen politischen Übergang einzuleiten, an dessen Ende dann ein wirklich legitimierter Präsident steht. Für die alte Macht-Elite in Abidjan und in den Kakao-Anbau-Gebieten im Südwesten keine erfreuliche Aussicht. Denn sie werden Zugeständnisse an die Mehrheit der Ivoirer machen müssen. Daran ändern auch die lautstarken Proteste in den Straßen von Abidjan nichts, die eine Regierung der Nationalen Einheit ablehnen.

Und die Rebellen - zum größten Teil halbe Analphabeten - mussten ihre Grenzen erkennen, die Macht zu übernehmen. Ihnen diese Grenzen aufgezeigt zu haben, ist aber mehr als nur ein militärischer Erfolg. Er bestätigt und sichert die politische und territoriale Einheit des Landes und dient somit auch als Vorbild in anderen afrikanischen Staaten: wenn nötig, in einer konzertierten Aktion gegen lokale Kriegsfürsten vorzugehen.