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Lebensart

"Möge die Sonne immer scheinen" - Clown Oleg Popow starb bei Abschiedstournee

Der berühmte Clown Oleg Popow ist in Rostow am Don gestorben. Dort trat er mit seinem Programm "Möge die Sonne immer scheinen" ein letztes Mal auf. Zu Deutschland hatte der russische Clown eine ganz besondere Beziehung.

Eine gelbe Perücke, eine karierte Kappe, eine rote Nase und große Clown-Schuhe. Zirkus war für Oleg Popow ein Lebenselixier. Der tosende Applaus gab ihm Kraft. Bis zuletzt stand der 86-jährige Clown in der Manege. "Solange ich in der Lage bin zu denken, solange mich die Beine tragen und meine Hände arbeiten, möchte ich Clown sein", sagte Oleg Popow in seinem letzten DW-Interview. Trotz des harten Zirkuslebens hatte Popow eine eiserne Gesundheit. "Es ist alles sehr einfach, wenn man den Sinn für Humor nicht verliert und ein Optimist bleibt", betonte der legendäre Clown.

Vom Schlosserbetrieb zum Zirkus

Seine poetischen Sketche sind zu Klassikern geworden. In der Manege verkörperte er einen gutmütigen, naiven, zerstreuten und fröhlichen Menschen. Dabei erinnerte er an Charlie Chaplin, den Popow seit seiner Kindheit verehrte. Andererseits trug er auch Züge der bekanntesten Figur im russischen Volksmärchen, des "Iwanuschka". Eine Figur, die dem deutschen "Hans im Glück" entspricht.

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"Sonnenschein-Clown": Oleg Popow ist tot

Oleg Popow wurde am 31. Juli 1930 im Dorf Wyrubowo bei Moskau geboren. Später zog seine Familie in die russische Hauptstadt. Sein Vater starb 1943 unerwartet. Um seine Familie zu ernähren, verließ Oleg die Schule und trat eine Schlosserlehre an. Tagsüber arbeitete er, abends besuchte er eine Schule. Darüber hinaus trieb Oleg viel Sport und trainierte mit Akrobaten des Moskauer Sportpalastes. Auf die Weise wurden Lehrer der Staatlichen Zirkusschule auf ihn aufmerksam und so begann Popow mit 14 seine Zirkuskarriere.

In den ersten Jahren nach Abschluss der Zirkusschule arbeitete Oleg Popow unter anderm als Jongleur und imponierte mit sogenannten "Gleichgewichtsübungen". Er war ein wahrer Schauspieler, wenn es in schwierigen Nummern zu dramatischen Szenen kam. Mit der Zeit ging Popow zu komischen Gleichgewichts-Nummern über. Das Publikum tobte, als Popow seinen ersten unbeholfenen Drahtseilakt vorführte.

Clown Karandasch entdeckt Popow

Einige Zeit war Oleg Popow beim Zirkus in der georgischen Hauptstadt Tiflis. Lange blieb er dort allerdings nicht, denn Popow war Michail Rumjanzew aufgefallen, der bereits als Clown "Karandasch" (Bleistift) ein Star des sowjetischen Zirkus' war. Rumjanzew war von Popow so begeistert, dass er den jungen Akrobaten ohne lange zu zögern in sein Programm aufnahm. So kam Oleg zur Clownerie.

Er arbeitete hart an einem eigenen Programm, denn Oleg wollte nicht im Schatten berühmter Künstler stehen. Sei Markenzeichen waren originelle scherzhafte Parodien, auch auf berühmte Zirkuskünstler. Damit hatte er nicht nur in Russland sondern auch bei Tourneen auf der ganzen Welt großen Erfolg. Der "russische Charlie Chaplin" erhielt viele nationale und internationale Auszeichnungen, etwa 1969 als "Volkskünstler der Sowjetunion" oder 1981 auch den "Goldenen Clown", den Okcar der Zirkuswelt.

Deutschland Oleg Konstantinowitsch Popow (picture alliance / Photoagency Interpress)

Oleg Popow war ein poetischer Clown. Mit einem Korb wollte er immer wieder die Sonnenstrahlen einfangen.

Popow bricht mit der Sowjetunion

In der Sowjetunion war Popow nicht ganz unumstritten. Einerseits galt er als ein talentierter Künstler, der den Moskauer Staatszirkus leiten durfte. Er wurde sogar in den Rang eines Nationalhelden erhoben. Andererseits zögerte der Clown nicht, sich in seinen Parodien über bekannte sowjetische Politiker lustig zu machen. Es ging das Gerücht um, Oleg Popow liebäugle mit dem Westen. Tatsächlich wollte Popow die Sowjetunion verlassen.

Die Gelegenheit dazu ergab sich im Jahr 1991. Der Clown und seine Truppe waren auf Tournee in Deutschland. Dort setzte sich der große Künstler ab. Daheim in der Sowjetunion war ein Jahr zuvor seine Frau verstorben. Auch die Lage im damaligen Moskau war bedrohlich. Ein niederländischer Manager bot ihm einen Vertrag an. Doch bis dahin musste Popow noch einen Monat überbrücken.

Ein Vierteljahrhundert in Deutschland

Oleg Popow mit seiner Frau Gabriela (picture-alliance/dpa/H. Ossinger)

Popow und seine Frau Gebriela arbeiteten zusammen als "Könige der Clowns"

Die Lösung brachte Gabriela Lehmann, eine junge Frau, die Popow zufällig in einem Zirkus kennenlernte. Sie bat ihn um ein Autogramm und er sie um ihre Telefonnummer. Gabriela schlug ihm vor, bei ihr, in einem Vorort von Nürnberg, unterzukommen. Bald wurden die beiden ein Paar und heirateten.

Der große Altersunterschied von über 30 Jahren stand der Liebe nicht im Wege. Die gelernte Pharmazeutin wurde zur Assistentin des berühmten Clowns und trat gemeinsam mit ihrem Mann auf. Sie lernte die russische Sprache und brachte Oleg Popow Deutsch bei. Sein Wortschatz sei ausreichend gewesen, um in einem Supermarkt einzukaufen, sagte er einst. In Deutschland verbrachte Popow die letzten 25 Jahre. Er starb auf einer Abschiedstournee durch Russland. In seiner Heimatregion in Russland hatte er gerade sein Programm "Möge die Sonne immer scheinen" gezeigt. Danach sei er friedlich im Sessel eingeschlafen, heißt es. Medienberichten zufolge soll der weltbeste Clown in Deutschland beigesetzt werden.

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