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Europa

Möchtegern-Sonnenkönig Sarkozy muss gebremst werden

Sarkozys Motto ist offenbar nicht nur "der Staat bin ich", sondern eher "Europa, das bin ich". Es ist an der Zeit, dass Brüssel den "Möchtegern-Sonnenkönig" in seine Schranken verweist, meint Anke Hagedorn.

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Anke Hagedorn

Anke Hagedorn

Jeden Tag eine Schlagzeile - das hatte sich Nicolas Sarkozy schon als Innenminister vorgenommen. Als Präsident legt er einen noch beeindruckenderen Aktionismus vor. Die Freude an der Machtfülle, die das Amt ihm beschert, scheint Doping-ähnliche Auswirkungen auf das ohnehin hyperaktive Energiebündel Sarkozy zu haben.

Bei seiner ersten internationalen Pressekonferenz auf dem G8-Gipfeltreffen in Heiligendamm wirkte er auf viele Journalisten wie im Alkoholrausch. Das belgische Fernsehen, das eine entsprechende Meldung verbreitete, wurde vom Elyseepalast jedoch schnell zu einer Gegendarstellung genötigt, mit dem Hinweis, der Präsident trinke überhaupt keinen Alkohol, was wiederum die französischen Winzer auf die Palme brachte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Sarkozy beansprucht fremde Lorbeeren für sich

Fakt ist: Nicolas Sarkozy hat sich innerhalb kürzester Zeit ganz vorne auf die internationale Bühne gespielt und er genießt sichtlich das Rampenlicht. Beim EU-Gipfeltreffen in Brüssel, das von der Kontroverse zwischen Berlin und Warschau beherrscht wurde, entfaltete er eine hektische diplomatische Betriebsamkeit. Obwohl in den Kulissen ganz andere die Fäden zogen, beanspruchte am Ende er die Lorbeeren für den gefunden Kompromiss für sich allein. Ähnlich lief es dann mit der Befreiung der bulgarischen Krankenschwestern.

Monatelang verhandelten EU-Diplomaten im Stillen mit der libyschen Regierung. Dann flog - offenbar ohne Absprache mit Brüssel - überraschend die Präsidentengattin Cecilia Sarkozy nach Tripolis. Kurz danach kamen die Inhaftierten frei. Nicolas Sarkozy feierte die Freilassung begeistert als persönlichen Erfolg seiner Frau. Die französische Öffentlichkeit reagierte verblüfft, die EU-Diplomaten verärgert.

Portugals Außenminister Luis Amado ließ sogar durchblicken, dass die Freilassung ohne die Einmischung des Ehepaares Sarkozy womöglich schneller erfolgt wäre. Die Kritik stieß beim Präsidenten auf taube Ohren. Es habe sich um ein humanitäres Problem gehandelt, bei dessen Lösung Cecilia sich nützlich machen konnte - und das habe sie mit viel Mut, Ernsthaftigkeit, Menschlichkeit und Bravour gemacht, so der stolze Gatte.

Rückkehr der Moral via Atomgeschäfte?

Den Vogel schoß der französische Präsident dann am Donnerstag (26.7.) ab, als er ausgerechnet mit dem libyschen Diktator Muammar el Gaddafi ein lukratives Geschäft über den Verkauf eines Atomkraftwerks abschloss. Er werde für die Rückkehr der Moral in die Außenpolitik sorgen, das hatte Sarkozy noch während seiner Wahlkampagne gelobt. Spätestens seit dem Abkommen mit Libyen hat er gezeigt, dass er die wirtschaftlichen Interessen seines Landes deutlich über moralische Ansprüche stellt.

Spätestens jetzt sollte Europa klar geworden sein, dass in Paris ein unberechenbarer Machtmensch die Fäden in der Hand hat. Sarkozys Motto ist offenbar nicht nur "der Staat bin ich", sondern eher "Europa, das bin ich". Es ist an der Zeit, das Brüssel den Möchtegern-Sonnenkönig in seine Schranken verweist.