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Möbelindustrie

Möbelriese Steinhoff bricht ein

Manchen gilt er als größter Konkurrent von Ikea, manchen als südafrikanische Erfolgsgeschichte: der Möbelkonzern Steinhoff. Jetzt stürzt die Aktie ins Bodenlose und der Chef tritt zurück. Es gibt Probleme mit der Bilanz.

Konzernchef Markus Jooste war seit Jahrzehnten auf seinem Posten, unter seiner Regie wurde aus dem kleinen Möbelbauer aus Südafrika ein Weltkonzern. Jetzt zieht Steinhoff in einem schwelenden Bilanzskandal die Notbremse: Der südafrikanisch-niederländische Konzern trennt sich wegen Unregelmäßigkeiten in den Büchern von seinem Chef - und verschiebt die Vorlage seiner Jahreszahlen auf unbestimmte Zeit. Auch der Chef der Afrika-Tochter Star nimmt seinen Hut. Die Börsenaufsicht in Südafrika prüft mögliche Fälle von Insiderhandel mit Steinhoff-Papieren.

An der Börse in Frankfurt sind Steinhoff-Aktien im MDax notiert - am Mittwoch verloren die Papiere mehr als die Hälfte ihres Wertes. In Südafrika werden Steinhoff-Aktien an der Börse Johannesburg gehandelt - das Minus hier am Mittwoch: 60 Prozent. 

Verdacht auf Bilanzfälschung

Steinhoff ist bereits seit August im Visier der Justiz. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg ermittelt gegen vier aktuelle und ehemalige Verantwortliche des Konzerns, dessen Europazentrale im ostfriesischen Westerstede liegt, wegen des Verdachts auf Bilanzfälschung. Mutmaßlich seien überhöhte Umsatzerlöse ausgewiesen worden, weil zum Konzern gehörende Firmen Werte oder Gesellschafteranteile an vermeintlich fremde, den Ermittlungen zufolge jedoch dem Konzern nahestehende Unternehmen, verkauft haben sollen. Dabei soll es um Transaktionen jeweils in dreistelliger Millionenhöhe gehen.

Steinhoff hatte die Vorwürfe zunächst zurückgewiesen. "Ein Abschluss ist aufgrund des Umfang des Verfahrens derzeit nicht abzusehen", erklärte die Ermittlungsbehörde am Mittwoch. Nun soll Aufsichtsrat und Großaktionär Christoffel Wiese zunächst die Konzernleitung übernehmen. Als Grund nannte die Gesellschaft neue Informationen über finanzielle Unregelmäßigkeiten. Möglicherweise müssten auch die Zahlen von früheren Jahren geändert werden.

Nummer zwei in Europa

Die Prüfgesellschaft PwC soll nun eine unabhängige Untersuchung durchführen. Die geprüften Zahlen für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr will das Unternehmen nun erst veröffentlichen, sobald es dazu in der Lage ist, wie es hieß. Eigentlich war die Zahlenvorlage für Mittwochmorgen vorgesehen.

Der abgesetzte Jooste hatte in seiner fast 20-jährigen Amtszeit Steinhoff zu einem der weltweit größten Haushaltswaren- und Möbelkonzerne entwickelt. In Deutschland ist das Unternehmen vor allem durch seinen Möbeldiscounter Poco bekannt. Der Konzern hat seinen Rechtssitz in Amsterdam und hat sein operatives Hauptquartier in Südafrika. In den USA hatte der Konzern im vergangenen Jahr den Matratzenhändler Matress Firm zugekauft. Im September brachte Steinhoff seine Afrika-Tochter Star an die Börse. In dieser sind neben Möbel- und Textilketten auch Elektronikhändler, Baustoffmärkte und Finanzdienstleitungen gebündelt.

Steinhoff wies im abgelaufenen Bilanzjahr (bis Ende September) einen Umsatz von 13,4 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 1,22 Milliarden Euro aus. Die Zahl der Mitarbeiter wurde mit rund 106.000 beziffert. Am Mittwoch lag der Börsenwert des Konzerns in Frankfurt noch bei 5,7 Milliarden Euro.

ar/hb (dpa, rtr, afp)

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