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Wirtschaft

Märkte unter Strom

Die EU-Energieminister haben die vollständige Liberalisierung der Energiemärkte beschlossen. Während die neue Wettbewerbssituation begrüßt wird, wehren sich die Versorger gegen ihre geplante Aufspaltung.

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Ab 2007 vollständig liberalisiert:
die EU-Energiemärkte

Ab 2007 sollen auch Privatkunden von der neuen Angebotsvielfalt profitieren, schon drei Jahre früher dürfen Unternehmen in ganz Europa frei wählen, welcher Strom bei ihnen aus der Steckdose kommt. Der Beschluss der Minister bewirkt nicht nur die Abschaffung bestehender Staatsmonopole, sondern auch einen Wettbewerb über die Grenzen der einzelnen Mitgliedsstaaten hinaus.

Grenzüberschreitender Wettbewerb

Staatliche Energieriesen wie die französische "Electricité de France" müssen sich somit der Konkurrenz von Wettbewerbern aus allen EU-Mitgliedsstaaten stellen. "Die Entscheidung betrifft im Wesentlichen nicht Deutschland, sondern diejenigen Staaten, die sich bisher nur wenig um die Liberalisierung bemüht haben", erklärt Dieter Schmitt, Professor für Energiewirtschaft an der Universität Essen, im Gespräch mit DW-WORLD. Endlich habe man den Zeitpunkt der Marktöffnung definitiv festgelegt.

Fraglich ist jedoch, ob die neue Freiheit auf den Energiemärkten tatsächlich zum gewünschten Effekt führt. Bis ein Unternehmen auf einem Markt in einem anderen EU-Mitgliedsstaat tätig werden kann, sind mehrere Hürden zu überwinden. Besonders in Ländern, in denen die Liberalisierung noch nicht sehr weit fortgeschritten ist, behindern unzureichende Messverfahren und komplizierte Anmeldeprozesse den Markteintritt.

Das größte Hemmniss bleibt jedoch der Verbraucher selbst. Er ist oft zu träge für einen Wechsel und bindet sich gerne an seinen gewohnten Stromversorger. "Diese Barrieren könnten dazu führen, dass die erhofften Liberalisierungseffekte weit geringer ausfallen als erhofft", so Energieexperte Schmitt.

Aufspaltung der Versorger

Der deutsche Markt, der bereits weitgehend liberalisiert ist, gerät indes aus ganz anderem Grund in Bewegung. Die Entscheidung der EU sieht vor, dass Energieproduktion und Energielieferung durch die Versorger gesellschaftsrechtlich getrennt werden müssen. Um dies zu gewährleisten, müssten die Konzerne eigenständige Tochtergesellschaften für Kraftwerke, Versorgungsnetz und Vertrieb gründen.

Besorgt zeigten sich in der vorangegangenen Diskussion insbesondere die kleineren Versorger und kommunale Stadtwerke. Wolfgang Prangenberg, Pressesprecher des Verbands kommunaler Unternehmen, ist DW-WORLD gegenüber jedoch zuversichtlich: "Die Kompromisslösung gibt uns vielleicht doch noch eine Chance, heutige Verfahren aufrechtzuerhalten."

Alternative Lösungen

Dazu gehört, dass die Entflechtung der Unternehmen nur dann durchgeführt wird, wenn sich bis zu einer Prüfung im Jahre 2006 alternative Lösungen nicht bewährt haben. So ist beispielsweise angedacht, einen gemeinsamen Verhaltenskodex der Unternehmen zu fixieren. "Darin könnten sich die Versorger einigen, den Informationsfluss zwischen Vertriebs- und Transportabteilung zu unterbinden", erklärt Prangenberg. "Somit würden außenstehende Unternehmen nicht benachteiligt."

Gelingt es nicht, die Entscheidungsträger der Europäischen Union umzustimmen, drohen gerade den Stadtwerken immense Ausgaben für die Aufgliederung ihrer Tätigkeiten. "Die Marktteilnehmer werden sich sehr anstrengen, die Entflechtung der Versorger zu verhindern", stellt Professor Schmitt in Aussicht.

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